von unserer Mitarbeiterin 
Alexandra Kemnitzer

Frohnlach — Extreme Ski-Langläufe oberhalb des Polarkreises ist die große Leidenschaft von Bernd Franzkowiak, der zweifelsohne zu den erfahrensten Experten auf diesem Gebiet zählt. Der Sportler und Inhaber eines Reifenhandels vollendet am Sonntag, 3. Februar, sein 65. Lebensjahr, den er in der Firmenhalle von 11 bis 16 Uhr mit Gratulanten feiert.
Wenige Tage nach seinem Geburtstag wird er sich erneut aufmachen, um auf der nördlichen Halbkugel schneebedeckte Weiten auf schmalen Brettern zu durchlaufen. "So lange es mir Spaß und Freude macht, möchte ich den Extrem-Ski-Langlauf weiterhin betreiben, da ich mich zwischenzeitlich mehr und mehr von den Startnummer-Wettbewerben zurückgezogen habe und mich meine Frau seit sechs Jahren auf den Nord-Touren begleitet", erklärt Bernd Franzkowiak.

In elf Jahren 3500
Kilometer

Das Gebiet um den Polarkreis ist ihm so vertraut, wie für andere beliebte Skigebiete, denn nur in Nordeuropa ist es möglich, solche extrem langen Strecken auf diese Art zurückzulegen. In elf Jahren brachte es der Frohnlacher alleine in Nord-Finnland auf rund 3500 Kilometer. "Ich war dort auf dem höchsten Berg, dem Halti und in der Tundra unterwegs und habe Lappland 1999 und 2001 auf einer Strecke von 500 Kilometern durchquert", erzählt er weiter. Nachdem er vier Jahre im Norden Finnlands unterwegs war, wurde Bernd Franzkowiak nach 1989 auch 2001 zum Sportler des Jahres der Gemeinde Ebersdorf gekürt. Bereits als Zehnjähriger begann er mit Leichtathletik. Seinen ersten Lauf-Wettbewerb absolvierte der Sportler 1958 unter dem VfL Frohnlach, als er beim Waldlauf "Rund um den Weinberg" in Mönchröden an den Start ging, von dem er noch heute die Urkunde hat. Als er 1969 zur Bundeswehr kam, blieben seine Ausdauer und seine Fitness nicht unerkannt und der Frohnlacher wurde in die Sportkompanie aufgenommen, die professionelles Biathlontraining bot. Nach der Bundeswehrzeit fing er mit kleinen Langläufen an, die dann immer ausgedehnter wurden.

Seit 1971 auf den langen Strecken

"Damals gab es ja noch die innerdeutsche Grenze, so dass man weiter wegfahren musste, um Ski-Langlauf betreiben zu können", so der Extremsportler. Auf den "Geschmack" sich an längere Strecken zu wagen, brachte ihn 1971 Alfred Zach bei den bayerischen Meisterschaften im Straßenlauf in Mitwitz, mit dem er dann 1980 erstmals am 72 Kilometer langen Koasalauf rund um den Wilden Kaiser startete. "Infiziert" von den langen Strecken auf Skiern wurde Bernd Franzkowiak 1981, als er am 1. Februar zuerst über 90 Kilometer in Oberammergau und vier Wochen später am 1. März die gleiche Strecke beim Vasa-Lauf in Schweden zurücklegte. Weitere prägende Starts absolvierte er unter anderem 1985 bei der Senioren-WM in der Oberpfalz oder dem Rucksacklauf im Schwarzwald, der mit 100 Kilometer damals der schwerste Lauf des Frohnlachers war. Als er 1991 den 60 Kilometer langen Dolomitenlauf absolviert hatte, erhielt Bernd Franzkowiak als 660ster der Welt das Diplom "Worldloppet-Master". Um diesen Titel verliehen zu bekommen, muss mindestens an zehn verschiedenen Worldloppet-Marathons möglichst einer auf einem anderen Kontinent, teilgenommen werden. In einem extra Pass wurden Bernd Franzkowiaks Teilnahmen in den verschiedenen Ländern eingetragen und per Stempel bestätigt.
Ein äußerst freundschaftliches Verhältnis pflegt er seit Jahren zu den deutschen Biathleten, die 1998 begann, als Bernd Franzkowiak mit Jochen Behle in drei Tagen 160 Kilometer in Grönland zurücklegte. Immer wieder hat der Extrem-Ski-Langläufer seither bekannte Biathleten, wie Kathi Wilhelm, Sven Fischer oder Uschi Disl zu Gast.
Bernd Franzkowiak hat viele Wettbewerbe und Läufe absolviert. Nur etwa ein Prozent seiner Startnummern hat er aufgehoben, die aber immer noch einen stattlichen Querschnitt seiner vielen Teilnahmen widerspiegeln, wie auch der volle Pokalschrank sowie die unzähligen Urkunden, samt Ergebnislisten und Zeitungsausschnitte, die gleich mehrere Leitz-Ordner füllen. Wenn er in ein paar Tagen nach Nord-Finnland aufbricht, dann hat er zwei Paar Ski und zweimal Stöcke mit dabei. Bei Wettkämpfen oder WM-Teilnahmen sind es für die Diagonal- und Skate-Technik jeweils drei Paar. Die Grundpräparation nimmt der Frohnlacher mit hochwertigem Wachs daheim vor und verpasst den Brettern am Wettkampfort den letzten Schliff. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. Er will noch lange auf den schmalen Brettern einige Kilometer herunterspulen.