Sie sehen aus wie nach einem siegreich beendeten Hindernislauf. Die Vorstandsmitglieder vom Verein "Hilfe für das behinderte Kind" sind am Ziel, zumindest was den Bau der privaten Schulanlage auf der Bertelsdorfer Höhe betrifft. Die Nachricht kam in der vergangenen Woche von der Regierung für Oberfranken: Zwölf Millionen Euro Fördermittel bekommt der Verein für die Schule und rund sechs Millionen Euro für die angeschlossene heilpädagogische Tagesstätte.

Anfang März soll Baubeginn sein. "Wir - das heißt, der gesamte Vorstand - haben den Neubau schon vor Jahren angestoßen, und fanden überall Zustimmung", erinnert sich der Vorstandsvorsitzende Ulrich Eberhardt-Schramm. Denn die Räume im diakonisch-sozialen Zentrum, die der Verein nutzt, sind alles andere als gut geeignet für die Betreuung von körperlich beeinträchtigten Kindern. Das Gebäude stammt aus den 60er Jahren.
"Es ist ein reiner Betonbau, der sich in einem desolaten Zustand befindet, die Räume bekommen wenig Licht. Eine Generalsanierung wäre nötig gewesen, hätte aber nichts gebracht", erläutert der Vorstandsvorsitzende.

Grundstück im Erbbaurecht

Die Grundstückssuche für einen Neubau indes gestaltete sich schwierig. Im Gespräch war unter anderem das ehemalige Brockardt-Gelände. "Das hat nicht geklappt. Es wäre auch sowieso zu klein gewesen." Also bat Ulrich Eberhardt-Schramm Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) um Hilfe. Es klappte. Der Verein "Hilfe für das behinderte Kind" bekam eine Fläche auf der Bertelsdorfer Höhe, gleich beim ASB-Gebäude. "Mit direktem Veste-Blick."

Die Stadt stellt das Grundstück im Erbbaurecht zur Verfügung - zu sehr guten Konditionen, wie der Vorstandsvorsitzende hervorhebt. "Wir haben sogar genug Platz, um Erweiterungsflächen für künftige Projekte zu haben." Zusätzlich gebe die Stadt einen Zuschuss zu den förderfähigen Kosten in Höhe von 3,7 Millionen Euro. 1,1 Millionen Euro muss der Verein selbst beisteuern. Bis zum Schuljahresbeginn 2014 sollen Schule und Tagesstätte fertiggestellt sein. Der Rohbau ist schon ausgeschrieben, die ersten Angebote liegen vor. Am Donnerstag werden sie geöffnet.

Geplant ist ein durch und durch funktionaler Bau aus Sandstein. Gut durchdacht nennt ihn Ulrich Eberhardt-Schramm. Schulleiter Helmut Franz erläutert, was das bedeutet. "Die Schule wird durchweg barrierefrei sein, alles ist mit dem Rollstuhl zu erreichen." Es wird einen Gemeinschaftsraum geben, in dem alle zusammen essen können, der aber auch für andere Veranstaltungen nutzbar ist. Für die große Eingangshalle mit Oberlicht ist eine bewegliche Bühne vorgesehen, auf der Theater gespielt werden kann - wichtig für die Laienspielgruppe und das Selbstbewusstsein der Schüler.

Tag für Tag Lebenshilfe

Endlich bekommt die Schule auch wieder ein Therapiebecken. Es wird zwölf mal sieben Meter groß sein. Dort können Übungen im körperwarmen Wasser absolviert werden. Die Wassertiefe ist zentimeterweise regulierbar. "Wir können den Kindern damit die Angst vor dem Wasser nehmen", erläutert Helmut Franz. Erleichtert ist der Schulleiter auch darüber, dass nun bald genug Platz für die Fachräume zur Verfügung steht.

Im derzeitigen Gebäude in der Leopoldstraße werde inzwischen jede kleine Kammer für die Kinder genutzt. "Wir haben schon seit Jahren kein Lehrerzimmer mehr." Wichtig ist Helmut Franz die Nähe zur Tagesstätte, wo die Schüler die Zeit nach dem Unterricht bis 16 Uhr verbringen. Leiter der Tagesstätte ist Werner Michel. "Wir sind aber kein Hort", sagt er. "Bei uns lernen die Kinder das Leben. Wir stärken ihr Selbstbewusstsein, reduzieren ihre Abhängigkeit von der Pflege und fördern das soziale Miteinander." Letzteres ist für die Geschäftsführerin des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind", Karolin Netschiporenko, von essenzieller Bedeutung. Denn: "Wir betreuen Kinder und Jugendliche in einer Altersspanne von vier bis 20 Jahren. Sie verbringen den ganzen Tag in unserer Einrichtung und die Eltern brauchen nicht noch extra einen Therapeuten."

Selbst an ein innovatives Brandschutzkonzept wurde gedacht. Im Hinblick auf die Toten, die im November 2012 das Feuer in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald forderte, ein nicht zu unterschätzender Aspekt. "Es war alles ein gigantischer Arbeitsaufwand für die Ehrenamtlichen", betont der Vorstandsvorsitzende und lobt ausdrücklich die Zusammenarbeit von Verein und Geschäftsführung. Mit Blick auf die Millionenbeträge, die der Neubau kostet, ergänzt Karolin Netschiporenko: "Es ist nicht alltäglich, ein Projekt mit einer so großen Summe umzusetzen."

Ulrich Eberhardt-Schramm bricht schließlich noch eine Lanze für die Mitarbeiter, die aus seiner Sicht über Jahre trotz widriger Umstände eine sehr gute Arbeit geleistet haben.