Manchmal können vermeintliche Umwege regelrecht zu Abkürzungen werden - zumindest im Rückblick. Wer den Tenor Markus Gruber als Graf Erminio in Millöckers "Gasparone" bei der Probenarbeit auf der Heldritter Waldbühne erlebt, käme bestimmt nicht auf den Gedanken, einen verhinderten Sozialpädagogen zu hören.
Genau das aber hatte Gruber ursprünglich studiert, getrieben von dem Wunsch, beruflich "irgendetwas mit Menschen" zu machen. Bald aber dämmerte ihm, dass berufliche Wirklichkeit und seine Vorstellung von diesem Beruf vielleicht doch nicht so ganz in Einklang zu bringen wären.
Gut, dass er zu dieser Zeit schon angefangen hatte, Gesangsunterricht zu nehmen. "Bei meinem damaligen Nachbarn, bei André Streckenbach", erinnert sich der Sänger heute. Gruber brach damals sein Sozialpädagogik-Studium ab, besucht die Kronacher Berufsfachschule für Musik, wurde dort für ein Jahr Schüler bei Nese Pars und bestand dann die Aufnahmeprüfung an der Würzburger Musikhochschule.

Orgelunterricht bei Stenglein


Entscheidende musikalische Grundkenntnisse hatte er freilich schon viele Jahre früher erworben - als Orgelschüler bei Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein. Denn ganz am Anfang hatte Gruber eigentlich Kirchenmusiker werden wollen, erzählt er. "Davon ist mir damals freilich abgeraten worden", gibt er heute zu und ergänzt: "Dafür bin ich im Rückblick auch wirklich dankbar."
Knapp sechs Semester nach dem Studienbeginn in Würzburg fand sich Gruber dann schon im festen Engagement am Landestheater Detmold wider.

Man darf auch mal böse sein


Das Publikum auf der Waldbühne kennt den Tenor im lyrischen Fach als jugendlichen Liebhaber. In Paul Abrahams "Viktoria und ihr Husar" hat Gruber schon im vergangenen Jahr sein Waldbühnen-Debüt gegeben. In Detmold dagegen ist Gruber als Spieltenor engagiert - ein Fach, das ihm viel Freude bereitet, wie er versichert. Seine sängerische Zukunft sieht es denn auch eher in dieser Richtung. Das passt zu seinen stimmlichen Möglichkeiten, ist Gruber überzeugt. Aber auch darstellerisch "darf man mal böse sein", darf Dinge tun, die man als Privatperson nie tun würde.
Für die Stimme freilich weiß Gruber diese Ausflüge ins lyrische Fach sehr zu schätzen. "Das lyrische Fach ist Balsam für die Stimme."


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