Um die Partnerschaft des Landkreises Coburg mit der türkischen Großkommune Manisa zu intensivieren, strebt die "Manisa-Arbeitsgruppe" des Landkreises Coburg die Aufnahme in das Forum der UNESCO-Clubs in Deutschland an. Gleichzeitig liegt ein Antrag des FDP-Kreistagsmitglieds Peter Jacobi auf dem Tisch, die Partnerschaft zu beenden.

Die Chancen zunächst als assoziierter Club aufgenommen zu werden, stehen nach Ansicht der Arbeitsgruppe gut. "Ohne der Konferenz am 28. Oktober vorgreifen zu wollen, sehe ich eine gute Perspektive für die Arbeitsgruppe des Landkreises die erste Stufe zu erlangen", sagte der Koordinator des Forums der UNESCO-Clubs in Deutschland, Hartmut Schuberth. Auf ihn trafen die Kreisräte Kanat Akin und Alexandra Kemnitzer als Mitglieder der Manisa-Arbeitsgruppe in Coburg. Schuberth, der auch Vorsitzender des UNESCO-Club Kulmbach-Plassenburg ist, besuchte mit Mitgliedern der UNESCO-Clubs Kulmbach-Plassenburg und Bursa (Türkei) die Bayerische Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" auf der Coburger Veste. Daneben waren auch Berufsschüler aus Bursa mit dabei, die derzeit einen Praktikantenaustausch in Kulmbach absolvieren.

"Als Kulmbacher freue ich mich besonders, dass sich mit der Arbeitsgruppe aus dem Landkreis Coburg in unserer unmittelbaren Nachbarschaft eine Initiative findet, die zur Verbreitung der UNESCO-Ziele vor Ort beitragen möchte", betonte der Forums-Koordinator. Ihm hatte Kanat Akin bereits eine Liste an konkreten Projekten übergeben, unter anderem zu einem internationalen Jugendparlament, einem Austausch von Pflegekräften und zu weiteren Schulpartnerschaften.

"Für uns eröffnet sich hier die Chance, unsere Aktivitäten noch breiter aufzustellen und so unseren Beitrag zur internationalen Verständigung zu leisten. Zudem können wir über dieses Netzwerk jungen Leuten Perspektiven für interessante Auslandsaufenthalte öffnen", erklärte Kanat Akin. Damit würde der vor Ort zu gründende Verein als assoziierter Club das Ziel der UNESCO erfüllen, indem die Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf den Gebieten der Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert wird.

Im Rahmen der Konferenz am 28. Oktober hat die Manisa-Arbeitsgruppe die Möglichkeit, ihre Ziele zu präsentieren, bevor dann die Abstimmung durch die Forumsmitglieder erfolgt. Derzeit gibt es in Deutschland acht UNESCO-Clubs.

Sowohl die Generalsekretärin Esra Minez, als auch der Vorsitzende Taner Özer (UNESCO Club Bursa) versicherten, dass die Zivilbevölkerung in der Türkei keine Vorurteile Deutschen gegenüber hat. "Für uns hat sich seit dem Referendum nichts geändert", betont Özer. Er bat darum, dass sich Deutschland nicht von der Türkei abwendet und die Verbindungen weiterhin aufrechterhalten werden.


Jacobi: Partnerschaft beenden!

Seit Jahresbeginn gibt es aber auch skeptische Stimmen im Kreistag zu der Partnerschaft mit Manisa. Grund dafür ist zum einen das inzwischen eher abgekühlte politische Klima zwischen Deutschland und der Türkei, nachdem die Bedenken hinsichtlich des Umgangs mit Menschenrechten durch die Erdogan-Regierung immer größer werden. Zum andern spielt eine Rolle, dass der Bürgermeister von Manisa, Cengiz Ergün, als glühender Erdigan-Anhänger und Verfechter der Wiedereinführung der Todesstrafe gilt.

Im März kürzte der Kreistag die Mittel, die für die Pflege der Partnerschaft mit der türkischen Region im Haushalt vorgesehen waren von 10 000 auf 5000 Euro. Landrat Michael Busch (SPD) sprach sich bei der Sitzung dafür aus, den geplanten Besuch einer Delegation aus der Region Manisa im Coburger Land nicht stattfinden zu lassen.

Bereits vor der Kreistagssitzung im März hatte sich Peter Jacobi (FDP) schriftlich an den Landtrat gewandt. In Jacobis Schreiben von damals heißt es: "Bevor auch nur die geringste Fortsetzung der Kontakte mit der Region Manisa in Angriff genommen wird, muss erst einmal klar sein, mit wem wir es da vor Ort überhaupt zu tun haben und welche Positionen zu den Vorhaben von Staatspräsident Erdogan dort eingenommen werden."


Antrag für die Juli-Sitzung

Jede noch so geringe Bemühung um eine Partnerschaft mit Manisa sei so lange zurückzustellen, bis eine Delegation aus Manisa den Kreisgremien Rede und Antwort gestanden habe. Jetzt bringt Peter Jacobi seine Bedenken in Form eines direkten Antrags für die Kreistagssitzung am Donnerstag, 27. Juli, vor.

Demnach soll der Kreistag folgendes beschließen: "Das Protokoll zum Kulturabkommen zwischen der Stadt Manisa und dem Landratsamt der Ortschaften Coburgs aus dem Jahre 2016 wird hiermit für gegenstandslos erklärt. Alle Aktivitäten des Landkreises hinsichtlich einer Vertiefung der Kontakte zur Stadtregion Manisa werden mit sofortiger Wirkung eingestellt. Der im Haushalt des Landkreises für das Jahr 2017 eingestellte Betrag von 5000 Euro wird mit einem Sperrvermerkt versehen. Den Verantwortlichen in Manisa ist Kenntnis von diesem Beschluss zu geben.