Auf den Tag genau nach 487 Jahren zog der Reformator Dr. Martin Luther wieder in Coburg ein. Am Karfreitag des Jahres 1530, am 15. April, reiten 70 Edelleute, sieben Ritter, 120 Reisende und Soldaten durch das Coburger Spitaltor. Darunter sind Martin Luther sowie die Theologen Philipp Melanchthon und Justus Jonas. 487 Jahre oder 177 875 Tage später, am 15. April des Jahres 2017, hat Martin Luther in Gestalt von Darsteller Martin Neubauer die Hauptrolle.
"Wir haben in Coburg gebetet und gebangt, während die Brüder in Augsburg um den rechten Glauben kämpften", so lässt Martin Neubauer "Martin Luther" sagen. Der Reformator stand damals unter Reichsacht und konnte daher nicht mit nach Augsburg reisen. 172 Tage verbringt Luther auf der Veste Coburg, damals auf sicherem kursächsischem Boden.


Zu viel der Ehre

Dem Menschen Luther werde bei dem Empfang am Spitaltor zu viel Ehre zuteil, so Martin Neubauer zu den zahlreichen Zuhörern. "Ich armer stinkender Madensack bin für niemanden gekreuzigt worden." Ein Christ sei wie eine Röhre, durch die Wasser fließe. Durch ihn wolle Gott als sein Werkzeug wohltun. Vor dem Haus Nummer 17 in der Spitalgasse erinnerte Martin Luther "an den Kastner Paul Bader und seine Frau Barbara". Diese versorgten den Reformator während seines Aufenthaltes in Coburg. Ihr Haus in der Spitalgasse 17 diente als Deckadresse für ein- und ausgehende Post.
Oberbürgermeister Norbert Tessmer bezeichnete bei seiner Begrüßung des Reformators die Morizkirche und die Veste Coburg als "bedeutendste Lutherstätten in den alten Bundesländern". Vor 487 Jahre sei Luther wahrscheinlich mit etwas Angst in Coburg eingezogen, stand er seinerzeit unter Reichsacht. "Heute können Sie den Besuch in unserer Stadt wesentlich entspannter genießen", so Tessmer.
Der evangelische Dekan Stefan Kirchberger erinnerte an die Erläuterungen der Wittenberger Thesen durch Luther: "Dies ist nicht das Werk eines einzigen Menschen, sondern der ganzen Welt, ja Gottes allein." Luther selbst habe sich, so Kirchberger, als Vorreformator verstanden. Nur Gott allein gebühre die Bezeichnung "Reformator". Kirchbergers Amts- und Dekankollege Andreas Kleefeld sagte, in den vergangenen 500 Jahren habe sich die Stadt Coburg stark verändert. Hier lebten Menschen aus 100 Nationen, mit unterschiedlichen Religionen und Konfessionen. Reformation bedeutet heute, "das Miteinander suchen und den Dialog finden".
Einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Schlossplatz legte der Tross auch in der Herrngasse ein. Dort hatte Luther Unterkunft gefunden, dort prosteten sich OB Tessmer, die Dekane Kirchberger und Kleefeld sowie Lutherdarsteller Martin Neubauer zu.


Was Sünde ist

"Essen und trinken sind keine Sünde, aber fressen und saufen, das ist eine Sünde", zitierte Neubau sein historisches Vorbild. Und weiter: "Gutes Bier trinken ist keine Kunst, aber schlechtes Bier trinken ist eine Kunst", war ein Schlaglicht auf die Ansichten vor 500 Jahren.
"Wer ist Luther und was will er mit seinen Reformation?", lautzete die Frage, die OB Norbert Tessmer und die Dekane Stephan Kirchberger und Roland Huth auf der Bühne des Reformationstrucks auf dem Schlossplatz diskutierten.


"Coburg ist zur Lutherstadt geworden"

Bei einem Stadtempfang im Rathaus haben die Stadt und die evangelische Kirche den Besuch Martin Luthers vor 487 Jahren in Coburg gewürdigt.
Als "lutherisches Kernland" bezeichnete Oberbürgermeister Norbert Tessmer die Vestestadt.
Die Menschen müssten " lernen, ihre Freiheit hoch zu schätzen", zitierte Regionalbischöfin Dorothea Greiner den Reformator. Sie würdigte, dass Coburg in den vergangenen Jahren zur Lutherstadt geworden ist. Das sei vor etwa sechs Jahren noch ganz anders gewesen. Die Fahrtroute des Luthertrucks vernetzt nach ihren Worten nicht nur lutherische Städte, sondern auch reformatorische.
Einen akustischen Beitrag für die Materialien des Reformationstrucks übergab Pfarrer Dieter Stößlein. Menschen, die Coburg geprägt haben und heute prägen, sind zu hören. So kommen im historischen Teil der Coburger Reformator Balthasar Düring, Herzog Johann Casimir oder Johann Grosch, der Seelsorger Luthers auf der Veste, zu Wort. Aktuelle Stimmen sind unter anderem Landesbischof Heinrich Bedford Strom, Geistliche beider Konfessionen und Politiker. Die Beiträge sind im Internet unter r2017.org online zu hören. cw