Zunächst waren es die Illuminationen an vermeintlich bekannten oder sonst verborgenen Orten, die der Nacht der Kontraste das Prädikat "Coburgs schönste Nacht" eingetragen haben. Doch sind es zunehmend die außergewöhnlichen Klänge, die Musikkenner zu Tausenden an die Schauplätze rund um den Coburger Hofgarten strömen lassen. Die 11. Coburger Museumsnacht setzt diesen Trend fort. "Starke Frauen", das Motto der Nacht, gilt vor allem für die Sängerinnen und Solistinnen, die bei der Museumsnacht am 12. September den Ton angeben.

Zu den Highlights des nächtlichen Musikfestivals zählt Organisator Martin Rohm das Programm "Liederseelen" des Duos Bobo und Herzfeld. Bobo - diesen Künstlernamen gab sich Christiane Hebold schon früh: Die Tochter eines Pfarrers und einer Kirchenmusikerin aus Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt gründete mit 13 Jahren eine Mädchenband. Später studierte sie an der Musikhochschule Weimar Gesang und schrieb erste eigene Lieder.
Nach der Wende, 1990, gründete sie in Berlin mit dem Gitarristen Frank Heise die Band "Bobo In White Wooden Houses". Als erste ostdeutsche Indiepop-Band schaffte sie es, im gesamten Bundesgebiet Aufmerksamkeit zu erregen. Der Freitod Heises setzte dem ein Ende; die Band ist Geschichte.

Bobos musikalischer Partner ist heute der Hallesche Musiker Sebastian Herzfeld. Mit ihren "Liedern von Liebe und Tod", ein ausdruckstarker Mix aus Folk, Pop und Jazz, gewannen beide 2008 den Weltmusikpreis "Ruth". Das aktuelle Programm wandelt auf den Spuren der Deutschen Romantik. Es wurde auch in dem preisgekrönten Dokumentarfilm "Sound of Heimat" (2012) zum Umgang der Deutschen mit "ihren" Volksliedern aufgenommen.

"In der Nacht, die die Bäume mit Blüten deckt, / Ward ich von süßen Gespenstern erschreckt": Conrad Ferdinand Meyers Gedicht "Liederseelen" gibt den Kammerton vor für einen einfühlsamen Mix aus Folk, Pop und Jazz. Gedichte von Friedrich Rückert oder Joseph von Eichendorff folgen. Bobo singt diese Lieder mit berührender Schlichtheit, begleitet von Röhrenorgel oder Rhodes, während der Multiinstrumentalist Sebastian Herzfeld mit präpariertem Klavier, Harmonium, Metallgerätschaften orchestriert.

Christiane Hebold ist überzeugt: "Jedes Lied hat eine Seele - und manchmal wird sie wiedergeboren." Dazu mag auch ein Instrument beitragen, das die Sängerin selbst spielt: das Fender Rhodes. Dieses auch Rhodes Piano oder einfach Rhodes genannte elektromechanische Musikinstrument wurde nach seinem Entwickler Harold Rhodes (1910-2000) benannt. Ursprünglich als transportabler Klavierersatz gedacht, setzte es sich aufgrund seines neuen und völlig eigenständigen Klanges durch und kam speziell in Jazz, Pop, Funk und Soulmusik zum Einsatz. Durch den unverwechselbaren, glockenähnlichen und im Vergleich zu anderen E-Pianos weicheren Klang erlangte es bei Musikern schnell eine hohe Popularität.

"Starke Frauen", 12. September, Casimirianum, ab 19 Uhr fünfmal zur vollen Stunde. Das ganze Musikprogramm unter www.coburg.de/museumsnacht red