Im Januar dieses Jahres stellte der Stadtrat Bad Rodach die Weichen für einen Ruheforst, der zwischen Heldritt und Grattstadt entstehen sollte. Die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die Aufstellung des Bebauungsplanes gaben die rechtlichen, das Engagement der Familie von Butler die wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen, dass der "RuheForst Coburger Land-Bad Rodach" ab sofort genutzt werden kann.

Damit das Vorhaben auch umgesetzt werden konnte, musste ein Konstrukt gefunden werden, das sowohl wirtschaftlich als auch rechtlich allen Beteiligten die Möglichkeit bot, den Weg gemeinsam zu gehen. Grundvoraussetzung war, dass die Stadt als Friedhofseigentümerin in Erscheinung tritt. Hierfür trat die Familie von Butler für 99 Jahre ein etwa 100000 Quadratmeter großes Areal zwischen Heldritt und Grattstadt an die Stadt ab. Die Verwaltung des Ruheforstes verbleibt bei der Familie von Butler, die auch als Betreiber die Grabgebühren im Namen der Stadt Bad Rodach erhebt.

Die Stadt Bad Rodach folgt damit einem gesellschaftlichen Trend, neben den herkömmlichen Bestattungsformen die Möglichkeit anzubieten, in einem besonders schönen und naturbelassenen Wald die letzte Ruhestätte finden zu können. Den Anstoß zu dem Projekt gab nach Worten von Hubertus von Butler vor einigen Jahren ein älteres Ehepaar. Der Mann und die Frau seien Flüchtlinge gewesen und hätten in den Nachkriegsjahren unbegrenzt Brennholz aus dem Wald entnehmen können. Sie hätten auch den Wunsch geäußert, in dem Forst beigesetzt zu werden. "Damals musste ich ihnen sagen, dass dies nicht möglich sei", erzählt Hubertus von Butler. Der Gedanke habe ihn aber nicht mehr losgelassen und er habe schließlich den berühmten Stein ins Rollen gebracht.

Von Butler zeigte sich dankbar, dass seine Initiative von Bürgermeister Tobias Ehrlicher und dem gesamten Stadtrat unterstützt wurde. Der zum "RuheForst" umgewidmete Laubwald wurde schon über Jahrzehnte weitestgehend seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Er besticht durch urwüchsigen Charakter mit zahlreichen Baumarten, unter denen mächtige Buchen und Eichen besonders hervorragen. Derzeit sind 1,5 Hektar des Ruheforstes mit rund 400 Bäumen als Ruhebiotope nutzbar. Moritz von Butler erklärt, dass man sich schon zu Lebzeiten eine Ruhestätte überschreiben lassen könne. Anders als auf normalen Friedhöfen werde der Grabplatz für die gesamte Restlaufdauer des Ruheforstes, also derzeit bis 2120 erworben. Der Heldritter Friedwald bietet die Möglichkeit, Familienbiotope oder Gemeinschaftsbiotope (bis zu zwölf Urnenplätze) zu nutzen.

Die Steine in dem Waldgebiet stehen nicht zufällig dort. "Wer möchte, kann sich auch neben einem Stein bestatten lassen", war von Hubertus von Butler zu erfahren. Ein Andachtsplatz, mit im Halbkreis um ein Holzkreuz aufgestellten Bänken, lädt zum Innehalten ein. Für Bürgermeister Tobias Ehrlicher ist es eine wunderbare Sache, dass in Bad Rodach auch diese Bestattungsform nun möglich ist. Respekt zollte er der Familie von Butler, die diese Einrichtung ermöglichte. "Die Stadt hätte das Projekt und die Umsetzung nicht stemmen können", gab Ehrlicher zu. Er geht davon aus, dass der "RuheForst Coburger Land-Bad Rodach" überregionale Beachtung finden wird.

Um zu dem Areal zu gelangen, wird die offizielle Zufahrt über den Grenzbachweg in Grattstadt erfolgen. Ehrlicher geht nicht davon aus, dass es durch den Ruheforst zu einem hohen Verkehrsaufkommen kommen wird.

Informationen zum "RuheForst"

Kosten Es gibt verschiedene Wertstufen. Kauft man sich einen Platz in einem sogenannten Gemeinschaftsbiotop - wo also auch andere Gräber sind, kostet das ab 650 Euro.

Es gibt aber auch Familien- beziehungsweise Freundschaftsbäume. Dabei kauft man den ganzen Baum mit bis zu zwölf Plätzen, wofür ab 3300 Euro zu bezahlen sind. Wie viele der Gräber an einem Baum man dann belegt werden sollen, ist die eigene Entscheidung.

Führung Wer den Ruheforst aus der Nähe betrachten will, kann sich für eine Führung unter der Telefonnummer 09564/800985 oder per E-Mail an info@ruheforst-coburgerland.de anmelden.