Lernen und lehren im Container. In den Jahren 2023 und 2024 werden Schüler und Lehrer der Rückertschule an der Löwenstraße den Rücken kehren und in 204 Container auf dem Ketschenanger einziehen. Die Interimsschule entsteht anstelle der früheren Dreifach-Sporthalle. Ein großes U, dessen offene Seite zum Anger zeigt, werden die Container auf zwei Stockwerken formen. 53 Meter lang wird die Seite entlang der Ketschendorfer Straße sein, etwas kürzer die beiden Schenkel. Dazwischen liegt der Schulhof.

Über die Sanierung der Rückertschule und die Interimsschule beschließt heute der Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen. Anlass für das zweijährige Ausweichen ist die dringende Sanierung der Rückertschule. Das Gebäude wurde 1888 bis 1890 im Stil der Neurenaissance erbaut. Der erste Bauantrag für Sanierungsarbeiten stammt aus dem Jahr 2007.

"Mittlerweile unzumutbar"

Bereits 2008 beschloss der Bausenat, das Raumprogramm für 16 Klassen umzusetzen. Zunächst sollten das ehemalige Gesundheitsamt und die ehemalige Schricker-Villa in der Nachbarschaft saniert und für die Schule nutzbar gemacht werden. Aufgrund der Haushaltskonsolidierung verschob sich die Sanierung des Altbaues immer wieder. 2017 mussten die Werkräume im Untergeschoss erneuert werden, "die Weiternutzung [...] war mittlerweile unzumutbar geworden", heißt es in den Unterlagen der Bauverwaltung. Die Klassenräume in den vier Etagen der Rückert-Schule "befinden sich zum Teil in einem maroden Zustand". Für den Physik-, Chemie- und Biologieunterricht gibt es keine Fachräume. "Das muss in den Klassenräumen stattfinden", sagt Schulleiter Norbert Trütschel. Die Fachräume selbst können nicht benutzt werden. Die Einrichtung des Sekretariats stamme aus den 1950er-Jahren. Das Ambiente der Flure und Klassenzimmer erinnert an die 50er- und 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dort treffen Beamer und Whiteboards auf die klassische Tafel, Computer in der Verwaltung auf Möbel im Uralt-Design. Die Abnutzungen sind unübersehbar. "Wir sind eine Schule der Gegensätze", sagt Trütschel. Ebenfalls saniert wird die sogenannte Schricker-Villa. Dort sollen die Schulverwaltung und -leitung sowie die Bibliothek untergebracht werden.

Die Kosten für die Sanierung der Rückertschule hat das Hochbauamt der Stadt mit 7,8 Millionen Euro geschätzt, für die Schricker-Villa sind es 1,2 Millionen Euro. Die Containerschule auf dem Anger wird mit weiteren 2,75 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Bauarbeiten sollen zwei Jahre dauern und 2024 beendet sein.

Der Kultur- und Schulsenat stimmte im Juli vergangenen Jahres dafür, die Rückertschule während der Bauarbeiten auszulagern. Einhellig wurde seinerzeit die Auffassung vertreten, dass der Schulbetrieb durch Lärm und Staub zu stark beeinträchtigt würde. "Ein alleiniges Arbeiten außerhalb der Schulzeiten nur in den Ferien ist bei dieser Größenordnung unmöglich", so die Einschätzung des Hochbauamtes.

Es besteht das Risiko, dass sich die Baupreise erhöhen

Einerseits wären ständig Provisorien bei Elektro-, Sanitärtechnik und Heizung sowie Flucht- und Rettungswegen nötig, andererseits sei mit einer längeren Bauzeit zu rechnen. Damit aber steige das Risiko, dass sich Baupreise erhöhen.

In Betracht gezogen wurden für die Containerschule auch die Bertelsdorfer Höhe und der Vordere Floßanger. Der Ketschenanger erhielt den Vorzug, da dort Sportplatz und -halle in der Nachbarschaft vorhanden sind und die Mensa der Rückertschule weiterhin genutzt werden kann.