Jetzt, so kurz danach, kann Jürgen Escher über diesen Vorfall schon wieder lachen. Vor nicht einmal einer Woche hat er mit seinen Kollegen der Feuerwehr darüber gesprochen, dass es inzwischen in vielen Häusern und Wohnungen Kaminöfen gibt. "Und deshalb wurde zuletzt schon manch Brand durch noch heiße Asche auslöst." Das ihm so etwas passieren könnte, hätte der Vorsitzende der Feuerwehr nicht gedacht. Denkste!
Als Vorsitzender des Feuerwehrvereins Zeickhorn kennt Escher freilich die Gefahren, die von nicht komplett ausgekühlter Asche ausgehen können. Und dennoch: Gleich zum Auftakt des jungen Jahres ist die Mülltonne der Familie in Brand geraten. Nur durch das umsichtige Handeln seines Neffen Leon Eckardt konnte Schlimmeres verhindert werden.
Escher erinnert sich mit einem schlechten Gewissen: "In der Hektik habe ich mich wohl nicht genau überzeugt, ob die Asche wirklich komplett ausgekühlt war." Stattdessen schüttete sie der Feuerwehr-"Chef", ohne groß nachzudenken, draußen in die Mülltonne. Da nahm das Schicksal natürlich seinen Lauf. Da die Asche nicht kalt genug war, entwickelte sich ein klassischer Mülltonnen-Brand. Diesen entdeckte der zehn Jahre alte Leon zufällig.
Dass Leon eingreifen konnte, war dann auch schon wieder Zufall. Weil sein Snowboardkurs ausfiel, wollte der Junge zu seinem Onkel, der in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnt. Er wollte ihn eigentlich nur etwas fragen. "Als ich vor dem Haus stand, sah ich Rauch im Garten. Zuerst habe ich gedacht, dass mein Onkel vielleicht grillt oder irgendetwas verschürt, weil es so komisch gerochen hat", erzählt Leon Eckardt. Als er dann dem Escher-Grundstück näher kam, sah er, dass die Mülltonne brannte. Leon klingelte bei den Eschers, rannte nach Hause und dort sofort zu seinem Opa. "Ich war ganz schön aufgeregt", erzählt Leon, der auch gleich nach Wasser suchte, um den Brand löschen zu können.

Klar, was da los war


Als Jürgen Escher die Haustüre öffnete und mitbekam, dass es auf dem Grundstück brennt, war ihm sofort klar, wo sich der Brand befindet und wieso es dazu kam. "Ich bin gleich aus dem Haus zur Mülltonne gelaufen. Nachdem sie mit der Gießkanne abgelöscht war, habe ich sie umgekippt und nach Glutnestern gesucht, um auch die zu löschen", erzählt der Brand-Verursacher. Hätte Leon den Brand nicht bemerkt - wer weiß, was es dann für einen Schaden gegeben hätte. Immerhin: Die lodernden Flammen schlugen gut eineinhalb Meter hoch aus der Plastiktonne, die an der Hauswand stand. Der Hausherr weiß um die Gefahr: "Nachdem zwischen den Flammen und der Dachrinne nur rund ein Meter Zwischenraum war, hätte es sicherlich nicht lange gedauert, bis diese auch auf das Dach übergegriffen hätten."
Opa Dieter Eckardt zeigte sich beeindruckt von der schnellen Reaktion seines Enkels, auch wenn er zuerst an einen Scherz glaubte. Der ehemalige Feuerwehr-Kommandant musste schon zu einem Brandeinsatz ausrücken, der durch Unachtsamkeit in einer Küche ausgelöst wurde. "Solche Brände passieren gar nicht einmal so selten. Deshalb sollten die Aktiven der Wehren auch hier immer wieder mal für den möglichen Einsatz üben", regt er an.
Leons vorbildliches Verhalten hat sich auch für ihn ausgezahlt. Sein Onkel dankte ihm mit einer Eintrittskarte für das "Eich", das am 8. Juni zum Jubiläum des SC Sylvia Ebersdorf in der Nachbargemeinde auftritt. Überlegtes Handeln soll sich schließlich lohnen. Escher: "Mein Neffe hat absolut richtig reagiert. Er hat bei uns geklingelt, gezeigt wo der Brand ist, einen Erwachsenen um Hilfe gebeten und auch nicht versucht, die heiße Tonne anzufassen." Besonders Letzteres war wichtig, denn das schmelzende Plastik hätte zu schwerwiegenden Verbrennungen an den Händen führen können. Nur eine kurze Berührung der Tonne hätte da genügt. Aus dem "heißen Jahresbeginn" hat der Vorsitzende der Feuerwehr auf jeden Fall für sich die Lehre gezogen, lieber einmal mehr die Asche zu kontrollieren, bevor sie in die Mülltonne gekippt wird. Die altbekannten Hinweise "Bitte keine heiße Asche einfüllen" hängen ja nicht mehr dran, an den neuen Tonnen.

"Ich werde Feuerwehrmann"


"Ich stehe zu meinem Fehler und möchte aufzeigen, dass niemand davor gefeit ist durch eine Unachtsamkeit einen Brand auszulösen", sagt der Feuerwehrvorsitzende. Und für Leon, der sich gerne mit Freunden trifft und Fußball spielt, steht nach seiner ersten guten Tat im neuen Jahr fest: "Wenn ich in eineinhalb Jahren zwölf bin, dann trete ich in die Feuerwehr ein. Das ist klar."