Der Schandfleck muss weg und das "Band für Wissenschaft, Technik und Design" muss her. Über die Zukunft des Güterbahnhofsgeländes sind sich die sieben Oberbürgermeister-Kandidaten einig. Nur über das Wie sind die Auffassungen unterschiedlich. Schnell soll etwas passieren, darüber gibt es weitgehend Konsens. Birgit Weber (CSU) möchte als erstes einen Bebauungsplan aufstellen und erinnert daran, dass eine spezielle Arbeitsgruppe ihrer Partei bereits im vergangenen Jahr Ideen für das Güterbahnhofsgelände aufgestellt hat.

Christian Müller (CSB) kontert, dass es diesen Bebauungsplanentwurf bereits gebe. "Er wurde kürzlich im Bau- und Umweltsenat vorgestellt." Nun müsse schnell etwas passieren.
"Es ist Aufgabe des neuen OB, mit potenziellen Nutzern der Flächen zu sprechen." Norbert Tessmer (SPD) stellt die rhetorische Frage, ob das Güterbahnhofsgelände ein Fluch oder ein Segen für die Stadt sei. Er entscheidet sich für Segen. Vor allem, weil das Terrain nahe bei der Hochschule und bei der Innenstadt liegt. "Jetzt muss alles durchstrukturiert werden, damit eine gute Lösung dabei herauskommt." Während René Hähnlein (Linke) davon ausgeht, dass das Projekt "Band für Wissenschaft, Technik und Design" ein Zeitfenster von etwa zehn Jahren braucht, will Jürgen Heeb (Pro Coburg) sofort handeln. "Wir müssen das alte Gerümpel wegräumen und saubermachen", sagt er. Jens-Uwe Peter (FDP) ist der Ansicht, dass zunächst Investoren gebraucht werden, bevor auf dem Güterbahnhofsgelände etwas aufgebaut werden könne.

Diese Interessenten gebe es bereits, sagt Birgit Weber. Sie plädiert darüber hinaus für eine enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschule. "Das ist ein Schlüsselprojekt für Coburg."

Martina Benzel-Weyh (Grüne) hat nicht allein die Wirtschaft im Fokus. Sie hält es für notwendig, dass es auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs eine gemischte Ansiedlung gibt. "Dieser Bereich muss belebt werden - unter anderem mit einem Jugendzentrum und mit Wohnraum." Da geht auch René Hähnlein mit. "Wir brauchen sozialverträglichen Wohnraum für die 30- und 40-Jährigen, für die Familien."

Und weil das Güterbahnhofsgelände zum Coburger Süden gehört, geht es auch darum. Was wird aus dem geplanten Kongresshotel? Ist das schon vom Tisch? Norbert Tessmer verneint. Der Platz, an dem jetzt die Angersporthalle steht, sei dafür gut geeignet. Es gebe auch bereits Interessenten dafür.
Dem stimmt Birgit Weber zu, die ein Kongresshotel für wünschenswert hält. Christian Müller bedauert, dass es für dieses Projekt keine vernünftige Ausschreibung gegeben habe.

Und das brachliegende Brockardt-Gelände? Dort sieht Norbert Tessmer Wohnbebauung - und zwar generationenübergreifend. Dazu kann er sich ein Parkhaus und einen Einkaufsmarkt vorstellen. Das wäre auch für Birgit Weber eine Option. Christian Müller erinnert daran, dass es sich beim Brockardt-Gelände um Insolvenzmasse handelt. "Da müssen wir im Gespräch bleiben."

Parkplätze in diesem Bereich wären auch eine Möglichkeit, sich für einen ICE-Halt in Position zu bringen. Momentan ist die Bahn nur bereit, die Stadt in Tagesrandlagen anzufahren, also früh am Morgen und spät am Abend. Nicht gut, sagen dazu alle Kandidaten. Sie wollen dafür kämpfen, dass Coburg ganztägig angefahren wird. Doch dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Zum Beispiel Stellplätze, unter Umständen auch im nahegelegenen HUK-Parkhaus, wie Birgit Weber vorschlägt. Oder in einem Parkhaus in der Lossaustraße, an dem nach den Worten von Christian Müller der Dritte Bürgermeister Hans-Heinrich Ulmann (CSB) seit längerer Zeit arbeitet.

René Hähnlein verweist auf die Anbindung an Südthüringen und die Fahrgäste von dort. "Die schauen doch nach Coburg." Martina Benzel-Weyh würde sogar "die Kröte Shuttlebus" zum Bahnhof schlucken, wenn es denn für einen ICE-Halt gut wäre. Jürgen Heeb stellt schließlich die Frage an das Publikum: "Wem trauen Sie zu, das alles umzusetzen?"