Wie geht es weiter in Lockdown-Zeiten für die Kulturschaffenden in der Region? Am Horizont gibt es nach dem Bund-Länder-Gipfel zur Corona-Strategie immerhin eine leise Hoffnung: Frühestens ab 22. März dürfen bei einer Inzidenz unter 50 endlich auch wieder Theater, Konzert- und Opernhäuser öffnen. In der Zwischenzeit will das Landestheater zumindest schon mal Hoffnung wecken und hat deshalb einen programmatisch zu verstehenden Song produziert, der sich ausdrücklich an das Publikum wendet. Passender Titel: "Für Euch". Der Text beschreibt die schwierige Situation des Theaters und aller seiner Mitarbeiter. Er beschwört leere Ränge und verwaiste Garderoben. Er zählt auf, was fehlt - vom Pausengeflüster bis zum Klang des Orchesters. Doch der Song, von Kapellmeister Roland Fister in ein üppiges Klanggewand und sehnsüchtige Harmonien gehüllt, bietet auch hoffnungsvoll stimmende Ausblicke. Der Song beschreibt, wie das Theater inmitten der Corona-Krise weiter probt und arbeitet in allen Abteilungen - und er beschwört die Rückkehr des Publikums, das irgendwann nach und nach wieder den Saal füllen wird.

Schauspieldirektor Matthias Straub, der an der Entstehung des Textes beteiligt war, und Martin Trepl, der diesen Song per Video in Szene gesetzt und aufgezeichnet hat, erläutern im Interview die Hintergründe dieses ungewöhnlichen Projekts, das ab dem 15. März auf dem YouTube-Kanal des Landestheaters zu erleben ist.

Wann ist der Gedanke entstanden, dass sich das Landestheater mit einem eigens komponierten und getexteten Lied "Für Euch" direkt an sein Publikum wendet?

Matthias Straub: Die Idee zu einem Song für unser Publikum kam mir wahrscheinlich wieder mal über Nacht. Ich dachte, das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das uns im Angebot bei Online-Formaten von anderen Theatern unterscheidet. Und da Roland Fister und ich im "Unterhaltungssektor" quasi ein Dream-Team bilden, war er mein erster Ansprechpartner. Es sollte ein bisschen unsere Variante von "We are the world" für unser Publikum werden, also eine Hymne für alle!

An einigen Stellen verbindet sich der Klang des großen Orchesters mit Chor und zahlreichen Solostimmen. Wie gelingt es in Zeiten der Corona-Pandemie samt Hygienevorschriften, eine derartig opulente Besetzung aufzunehmen?

Martin Trepl: Die Hygienevorschriften waren tatsächlich für die Videoproduktion eine der größten Herausforderungen. Die Abstände zwischen dem Schlagzeug am hinteren Ende der Bühne und den Sängern im Rang betrugen dadurch fast dreißig Meter. Das alles im Video zu verbinden, war nicht einfach. Auch musste, da dann einfach kein Chor mehr dazu passte, der Chor an einem weiteren Termin aufgenommen werden. Dadurch haben wir im Video durch die spezielle Aufnahmesituation mehrere Räume: Bühne mit Orchester, Zuschauerraum, Bühne mit Chor, Bühne mit Sängern, Bühne mit Ballett. Das alles im Video stimmig zu verbinden war die Aufgabe beim Schnitt. Auch wenn das Orchester in Bild und Ton groß daher kommt, es war am Ende ja "nur" eine "Corona-Besetzung", was aber für ein Video nicht einfach ist, da durch die Abstände zwischen den Musikern kaum Gruppen im Bild sind.

Wie sieht das Konzept für das Video aus?

Das Konzept des Videos ist, einfach zu zeigen, zu was wir auch während der Pandemie zu leisten in der Lage sind. Vor und hinter der Bühne. Dass wir zwar für das Publikum geschlossen haben, wir aber fieberhaft auf den Moment der Öffnung hinarbeiten. Das sollte im Video zum Ausdruck gebracht werden.

Wie aufwendig war die Video-Produktion? Wie viele Einzel-Takes waren notwendig?

Martin Trepl: Die Corona Bedingungen machten die ganze Produktion deutlich aufwendiger. Um alles ins Bild zu bekommen, wurden insgesamt zehn Kameras aufgebaut. Die Unmenge an Material, das dabei entstand, musste natürlich erst einmal gesichtet werden. Wie viele Einzeltakes nötig waren, lässt sich gar nicht sagen, da wir ja für das Stück, welches ja nur knapp fünf Minuten dauert, insgesamt fast sieben Stunden aufgenommen haben. Wie gesagt, vieles einzeln wegen der Hygienevorschriften.

Wie geht es weiter mit den digitalen Projekten des Landestheaters neben der Kammermusikreihe "Klassik am Sonntag" und der Serie für Kinder "Linus entdeckt das Theater"?

Matthias Straub: Die nächsten Projekte konzentrieren sich wahrscheinlich auf das Format "Singbar", unserem virtuellen Wunschkonzert, bei dem unsere Sänger, Darsteller und Musiker Musikwünsche unseres Publikums interpretieren. Der Aufwand dafür ist nicht unerheblich.

Die Fragen stellte Jochen Berger.