Theaterspiel in Corona-Zeiten gehorcht zwangsläufig ganz eigenen Gesetzen. Äußeren Abstand wahren und trotzdem innere Nähe schaffen - dieser Herausforderung stellt sich das Landestheater Coburg jetzt auch mit einer Opern-Produktion: Wolfgang Amadeus Mozarts "Cosi fan tutte". Die Neuinszenierung von Dominik Wilgenbus ist die erste Oper, die das Landestheater per Video-Stream seinem Publikum zugänglich macht.

Nur eine scheinbare Distanz

Äußerer Abstand und innere Nähe - das ist im Fall von Mozarts "Cosi" gleich in mehrfacher Hinsicht eine besondere Herausforderung. In der szenischen Lesart, die Dominik Wilgenbus präsentiert, entspricht der erzwungenen äußeren Distanz unter dem Diktat der weiterhin geltenden Corona-Regeln auch die zeitliche Distanz. Denn Wilgenbus belässt die letzte der drei da-Ponte-Opern Mozarts, die 1790 in Wien uraufgeführt wurde, scheinbar in der historischen Distanz der Entstehungszeit. Sandra Münchows Ausstattung bietet dazu historisierende Kostüme mit stilisierten Rokoko-Zitaten, mit Reifröcken und Perücken. Doch diese historische Distanz ist nur eine scheinbare Distanz. Vielmehr hilft diese vermeintliche Distanz, zum Kern der Geschichte vorzudringen.

Der Kern dieser bitterbösen Komödie aber ist die Geschichte zweier Liebespaare, die sich ewige Treue schwören und doch ganz schnell in Gefahr geraten, Verrat in Liebesdingen zu begehen, kaum dass jeweilige Partner als Soldat zum vermeintlichen Kriegsdienst abkommandiert wurde. Denn dieser angebliche Kriegsdienst, der Ferrando (Peter Aisher) und Guglielmo (Daniel Carison) zur Trennung von Dorabella (Kora Pavelic) und Fiordiligi (Rannveig Káradóttir) zwingt, ist in Wahrheit ein abgekartetes Spiel.

Verhängnisvolle Wette

Dahinter steht Don Alfonso (Michael Lion), der seinen beiden jungen Freunden eine Lehre in Sachen Liebe und Treue erteilen will. Don Alfonso bringt Ferrando und Guglielmo mit wenig Mühe dazu, sich auf eine verhängnisvolle Wette einzulassen und die Treue ihrer Verlobten auf die Probe zu stellen.

Raffinierte Kammerzofe

Das führt schnell zu allerlei Verwicklungen, als Ferrando und Guglielmo verkleidet zurückkehren und mit perfiden Tricks versuchen, gleichsam über Kreuz die Verlobte des Freundes zu verführen. In dieser Intrige spielt Dimitra Kotidou als raffinierte Kammerzofe Despina ebenso eine wichtige Rolle wie der Chor, der in kleiner Besetzung zu erleben ist. Stimmlich überzeugt das Solisten-Sextett dabei ebenso wie mit seiner darstellerischen Intensität.

Spiel der Täuschungen

Die entscheidende Rolle in diesem Spiel der Täuschungen und Enttäuschungen kommt Mozarts Musik zu. Denn ihre vielschichtige Schönheit macht es den Akteuren auf der Bühne wie den Zuschauern eigentlich unmöglich, Liebe und Lüge sicher voneinander zu trennen. "Lüge und Wahrheit sind in diesem Stück nicht mehr zu unterscheiden", sagt denn auch Regisseur Dominik Wilgenbus im Pausengespräch, das diese Online-Produktion ergänzt.

In Corona-Zeiten sind im Coburger Orchestergraben nur wenige Musizierende erlaubt. "Cosi fan tutte" ist deshalb in der reduzierten Orchesterfassung von Caterina Calderoni und zudem in stellenweise gekürzter Version zu hören. "Unser Ziel war es, die Geschichte so zu erzählen, dass nichts Wesentliches unter den Tisch fällt. Die Rezitative haben wir so kurz gemacht, wie es nur irgendwie geht", erklärt Wilgenbus das Konzept.

Kammermusikalische Intensität

Coburgs Erstem Kapellmeister Johannes Braun gelingt es gemeinsam mit dem stets konzentriert agierenden Philharmonischen Orchester, diesen äußeren Zwang zur klanglichen Reduktion in kammermusikalische Intensität zu verwandeln.

Das Resultat ist ein spannendes Musiktheater-Erlebnis, das auch in dieser Online-Version Spannung und Hörvergnügen verspricht. Im Herbst soll dann die Live-Premiere im Landestheater folgen.

Rund um die Online-Premiere "Cosi fan tutte"

Streaming-Tipp Mozart "Cosi fan tutte" - online bis 10. Juli kostenlos auf der Homepage des Landestheaters Coburg abrufbar (https://www.landestheater-coburg.de/stuecke/musiktheater/ltchome-cosi-fan-tutte)

Produktionsteam

Musikalische Leitung: Johannes Braun

Inszenierung: Dominik Wilgenbus

Bühne und Kostüme: Sandra Münchow

Lichtregie: Andreas Rehfeld

Dramaturgie: Dorothee Harpain

Choreinstudierung und musikalische Assistenz: Mikko Sidoroff

Besetzung

Fiordiligi: Rannveig Káradóttir

Dorabella: Kora Pavelic

Guglielmo: Daniel Carison

Ferrando: Peter Aisher

Despina: Dimitra Kotidou

Don Alfonso: Michael Lion

Chor des Landestheaters

Statisterie des Landestheaters

Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg