"Egal wie viele Menschen heute hier sitzen - wir alle sind heilfroh, dass wir wieder spielen können." Mit diesen Worten begrüßt Bernhard Loges, Intendant des Landestheaters Coburg, die gerade einmal 50 Zuschauer im Großen Haus bei der ersten Vorstellung nach der langen Corona-Pause. Den Auftakt macht am Donnerstagabend "Fly me to the moon", der beliebte Sinatra-Abend, und der ist natürlich ausverkauft.

An einem Hygienekonzept wurde im Theater zwar schon seit Wochen gearbeitet, auf die endgültige Bestätigung, dass auch wirklich gespielt werden darf, musste jedoch geduldig gewartet werden. Am Dienstag kam sie dann, die Genehmigung - gerade einmal zwei Tage vor der angesetzten "Premiere".

"Das Konzept ist aus dem Bauch heraus entstanden", erklärt Daniel Kaiser, technischer Leiter des Landestheaters Coburg. Zusammen mit der Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros, Susanne Schulze, nahm er sich dieser Aufgabe an. "Nach und nach wurden wir in unserer Vorgehensweise durch unterschiedliche Studien bestätigt", fährt er fort, "aber es ist und bleibt ein dynamischer Prozess". Immer wieder müssen Anpassungen vorgenommen werden. Schließlich gibt es auch laufend Änderungen in der offiziellen Verordnung der Regierung.

Jede zweite Reihe bleibt frei

Die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen sowohl die Besucher als auch die Mitarbeiter des Theaters. Um einen Abstand von 1,5 Metern zu wahren, bleibt im Saal jede zweite Reihe frei. Auch zwischen den maximal 50 Zuschauern gibt es je drei leere Plätze. "Wir haben unseren Saalplan in mehrere Blöcke geteilt - fast wie im Stadion", erklärt Susanne Schulze lachend. Je nach Sitzplatz müssen verschiedene Eingänge genutzt werden. Auf Gastronomie und Garderobe muss zurzeit noch verzichtet werden, genauso wie auf eine Pause. Innerhalb des gesamten Theatergebäudes muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden, auch während der Vorstellung.

Ungewohnte Umstände gibt es jedoch nicht nur für die Besucher. Auch der Probenprozess gestaltet sich schwieriger als sonst. "Jeder Raum muss vor und nach der Benutzung desinfiziert werden", sagt Kaiser. Mit den aktuellen Abstandsregelungen kommt das Theater aufgrund der kleinen Probebühnen schnell an seine Grenzen. "Für das Ballett ist es besonders schwer", erklärt Susanne Schulze. Maximal vier Tänzer dürfen momentan gemeinsam trainieren, mit einem Abstand von sechs Metern. "Tanz ohne Berührung - das hat wenig mit dem Tanz zu tun, den man sonnst kennt", fährt sie fort.

Schritt in Richtung Normalität

Trotz allem ist die Zwischenöffnung vor der Sommerpause für alle ein wichtiges Zeichen. "Das kulturelle Angebot darf nicht vergessen werden", betont Kaiser. Auch für die Mitarbeiter sei der Schritt in Richtung Normalität wichtig - und natürlich für die Zuschauer. "Täglich sehen wir, wie die Leute draußen stehen und darauf warten, wieder Karten kaufen zu können", berichtet Susanne Schulze zufrieden, "es ist schön, die Begeisterung zu sehen".

"Aktuell gibt es eine gute Mischung aus Musiktheater und Schauspiel", erklärt sie. Das Monologstück "Die Sternstunden des Josef Bieder" und der Sinatra-Abend "Fly me to the moon" wurden von der Reithalle ins Große Haus verlegt. Vervollständigt wird der aktuelle Spielplan durch unterschiedliche Konzerte. Vor dem Ende der Spielzeit ist sogar noch eine besondere Veranstaltung im Hofgarten geplant. "Was es damit genau auf sich hat, verraten wir aber noch nicht", sagt Daniel Kaiser lächelnd. "Aber das wird etwas ganz Tolles."