Es ist kein schlechter Platz für die Gattin eines ehemaligen Beamten des englischen Königs. Das Portrait der Lady Elizabeth Rich aus der Werkstatt des hochangesehenen Hans Holbein d. J. ging vor kurzem als Geschenk der Erbengemeinschaft nach Georg Schäfer in die Kunstsammlungen der Veste Coburg über.


Das Bildnis führt den heutigen Betrachter zu Kunst, Politik und Intrigen am Hofe Heinrichs VIII. Elizabeth Jenkins, die Tochter eines Londoner Gewürzhändlers, heiratete 1535 Richard Rich (1496/7 bis 1567), der als Gefolgsmann von König Heinrich VIII. just zu dieser Zeit Karriere machte. 1534 hatte sich Heinrich VIII. von der katholischen Kirche in Rom getrennt.

Richard Rich wurde 1533 unter Thomas Cromwell zum "Ersten Kanzler" einer Behörde ernannt, die sich später mit der Verteilung die enteigneten Klostergüter befasste. Er ging in die Geschichte ein als "Kleiner Hammer" der Zerstörung der katholischen Klöster. Angeblich soll er auch an dem Prozess gegen Kanzler Thomas More mitgewirkt haben. 1548 wurde er zum Baron Rich of Leez ernannt und übernahm das Amt des Lordkanzlers, das der mit seiner Mitwirkung hingerichtete Thomas More einst innehatte.


Mit Kohlstaub kopiert

Es sind turbulente Zeiten gewesen, als das Bildnis der Lady Rich wahrscheinlich anlässlich ihrer Hochzeit 1535 beim Hofmaler des englischen Königs in Auftrag gegeben wurde. Holbein fertigte die Zeichnung dazu, die sich heute in Windsor befindet. Für Werkstatt-Kopien wurde die Zeichnung entlang der Umrisslinien punktiert und mittels Kohlestaub auf eine grundierte Maltafel kopiert. Auf gleiche Weise entstand noch eine weitere, in der Ausführung etwas schwächere Version, die sich im Metropolitan Museum in New York befindet. Es gab auch ein Portrait von Baron Rich, das aber 1904 bei einem Brand in einem englischen Schloss zerstört wurde.


Lady Rich präsentiert sich in der strengen, einfachen Kleidung einer verheirateten Frau. Neben einem kleinen Fingerring fällt vor allem die goldene Brosche auf, die eine biblische Szene noch ungeklärten Inhalts darstellt. "Eventuell handelt es sich um die Heilung des fallsüchtigen Knaben nach Markus 9,14-27" erläutert Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg. Für ihn steht fest: "Dieses für Holbeins Werk dieser Jahre typische Bildnis der Lady Rich stellt eine bedeutende Bereicherung der altdeutschen Sammlung auf der Veste dar." Hans Holbein d. J. war 1532 endgültig nach London übergesiedelt und wurde dort zu einem vielgefragten Bildnismaler. 1536 ernannte man ihn zum Hofmaler.


Lange Zeit in Privatbesitz

Der Weg des Portraits nach Coburg war nicht minder bewegt als die Zeit der Entstehung. Die New Yorker und die Coburger Version des Portraits befanden sich lange Zeit im Besitz der Familie Croft in Croft Castle, Hereford.
Danach trennten sich die beiden Ladies, die eine gelangte nach New York, die andere über Schweizer Privatbesitz bis 2014 bereits als Leihgabe in den Kunstsammlungen, bevor sich die Erbengemeinschaft nach Georg Schäfer entschloss, es den Kunstsammlungen als Geschenk zu vermachen.
Das Portrait der Lady Rich ist in der Dauerausstellung zu sehen. (Öffnungszeiten online unter: www.kunstsammlungen-coburg.de)