"Könner durch Erfahrung"

Im Programm "Könner durch Erfahrung" sind 342 junge Fahrer aus dem Stadt- und Landkreis beschult worden.
Nach einem sehr günstigen Verlauf im Jahr 2014 lasse die noch nicht veröffentlichte oberfränkische Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2015 Anstiege in vielen Bereichen erwarten. Dabei seien die Hauptunfallursachen sowie die Risikogruppen seit Jahren die gleichen, so der Vorsitzende Udo Skrzypczak. Während im Stadtverkehr besonders Fußgänger und Radfahrer gefährdet seien, würden auf Überlandstraßen Verkehrsteilnehmer insbesondere aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit, falschem Überholen oder nicht angepasstem Sicherheitsabstand verunglücken. Tödliche und schwerste Verletzungen zähle die Unfallstatistik deshalb in der Mehrzahl auf Überlandstraßen mit schnellem Verkehr. Gerade junge Führerscheinbesitzer bildeten trotz Erfolgen durch das begleitete Fahren ab 17 Jahren nach wie vor die Risikogruppe Nummer eins in punkto überhöhte Geschwindigkeit, informierte Skrzypczak. Andererseits zeigten die strengen Vorschriften zum Alkoholverbot in der Probezeit oder bis zum 21. Lebensjahr positive Wirkungen: "Die Zahl alkoholisierter Kraftfahrer steigt erst mit einem Alter von 25+ Jahren deutlich an".


Die ältere Generation

Ob als Auto- oder Fahrradfahrer, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß: "Die ältere Generation ist mobil"! Gleichzeitig wachse bei den meisten älteren Menschen das Bewusstsein für die eigenen Grenzen. Während dem einen das Autofahren in der Dämmerung zunehmend Probleme bereite, empfinde der andere die wachsenden Verkehrsströme als Belastung, stellte der Vorsitzende in seinem Bericht heraus. Viele ältere Menschen seien sich der eigenen Grenzen durchaus bewusst: Sie erlebten ihre verminderte Sehkraft, ihr nachlassendes Hörvermögen oder ihre verlangsamte Reaktionsfähigkeit als Unsicherheitsfaktor. Solche Einschränkungen würden häufig durch erhöhte Vorsicht und eine defensive, langsamere Fahrweise kompensiert. Viele ältere Menschen vermieden deshalb auch Fahrten bei Nacht oder bei schlechten Wetter- und Straßenbedingungen. Ein solcher Entscheidungsprozess setze allerdings voraus, dass die Betroffenen ihre krankheits- oder altersbedingten Defizite wahrnehmen, die eigene Fahrtüchtigkeit realistisch einschätzen und Alternativen zum Autofahren kennen und akzeptieren. In diesem Jahr verknüpfe die Coburger Verkehrswacht als erste Verkehrswacht in Bayern die seit 1952 durchgeführte "Ehrung bewährter Kraftfahrer" mit der Auflage, im Vorfeld an einem Fahrsicherheitstraining für Senioren nach dem Programm "sicher unterwegs!" teilzunehmen, hob Skrzypczak hervor. "Wir glauben, dass wir mit den veränderten Bedingungen die Chance bieten, in eigener Verantwortung die persönliche Fahrfähigkeit zu überprüfen, nicht nur vergangenes Verhalten honorieren, sondern die gezeigte hohe Verantwortung auch für die zukünftige Verkehrsteilnahme zu praktizieren", sagte Skrzypczak.


"Sicher zur Schule, sicher nach Hause"

Der Beitrag der Kreisverkehrswacht Coburg zur Gemeinschaftsaktion "Sicher zur Schule, sicher nach Hause" sei nach den Worten von Skrzypczak die alljährliche Ausstattung der Schulanfänger mit den reflektierenden Überwürfen sowie die Übungsteile zum Erlernen des sicheren Schulwegs im Rahmen der Aktionen der Elementarbeauftragten in den Vorschulgruppen der Kindergärten. Auch heuer seien wieder etwa 600 Überwürfe von den Schulen in der Stadt und im Landkreis Coburg abgerufen und im Rahmen der Schuleinführungsfeiern verteilt worden.

In Verantwortung, Vorbereitung und Durchführung der Beauftragten für den Elementarbereich in der Verkehrserziehung, Tanja Puff, sei das letzte Jahr relativ turbulent verlaufen. Das kooptierte Vorstandsmitglied führte insgesamt elf Aktionen in Kindertagesstätten durch, bei denen etwa 300 Kinder zum sicheren Verhalten im Straßenverkehr geschult worden waren. 75 Kinder legten den "Gartenführerschein" im Rahmen einer kleinen "Prüfung" nach spielerischen Sicherheitshinweisen im Kindergarten ab. Leider habe Tanja Puff mit Ablauf des Jahres 2015 aus persönlichen und beruflichen Gründen ihre Mitarbeit aufgegeben, informierte Udo Skrzypczak. Somit sei der Elementarbereich zurzeit nicht besetzt. Eine erste Runde zur Neuwerbung von Interessenten sei leider ergebnislos verlaufen.

Im Schuljahr 2014/15 sei durch Beamte der Polizeiinspektion Coburg an allen Grundschulen im Landkreis Coburg die Jugendverkehrsschule durchgeführt worden, berichtete der Vorsitzende.


Fahrtrainingskurse

Die Kernkompetenz, die Durchführung von Fahrsicherheitstrainings, sei auch im zurückliegenden Jahr Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit gewesen, betonte der Vorsitzende. Der Koordinator für Fahrsicherheitstrainings, stellvertretender Vorsitzender und Fahrlehrer Thorsten Krauß, habe zusammen mit zahlreichen Moderatoren insgesamt 78 Kurse (Vorjahr 29) für Kraftfahrzeuge und Motorräder im Programm "Könner durch Erfahrung" anbieten können. 342 junge Fahrer (253) aus Stadt und Landkreis seien beschult worden. Weitere 13 Unfallverhütungstrainings (Vorjahr 8) seien nach den Vorgaben der Verwaltungsberufsgenossenschaften für insgesamt 125 Teilnehmer (77) durchgeführt worden. Auch in diesem Jahr hätten Feuerwehren und Rettungsorganisationen aus dem Landkreis die Moderatoren angefordert und Sicherheitstrainings für jüngere Fahrer von Einsatzfahrzeugen nachgefragt.


Neue Mobilität der älteren Generation

Das Aktionsprogramm zur Sicherheit bei der Pedelec-Nutzung finde derzeit trotz engagierter Werbung erst eine zurückhaltende Nachfrage. Auch wenn die geringen Unfallzahlen noch keine konkreten Aussagen zuließen, so würden die Verkaufszahlen von E-Bikes besonders bei der älteren Generation sprunghaft nach oben gehen. Verändertes Fahrverhalten und höhere Fahrgeschwindigkeiten erforderten deutlich mehr Übung und Fahrpraxis. Moderator Siegfried Schmitt sei am Ball und habe im vergangenen Jahr wieder ein Sicherheitstraining organisiert.


Ausblick

Der Auftakt der Fahrtrainingssaison für Pkw findet am 19. März, das Motorradtraining am 10. April auf dem Kaeser-Parkplatz, wiederum zwei Wochen vor der Motorrad-Sternfahrt im Kulmbach, statt. Die Unterbringungssituation der Ausrüstung in dem Stützpunkt im ehemaligen BGS-Gelände in Coburg sei nach wie vor unsicher. Aus diesem Grund müsse auch weiterhin finanzielle Vorsorge für die Zeit "danach" getroffen werden, machte Skrzypczak deutlich.
Das Mehr an motorisierten Fahrzeugen bedeutet nach den Worten von OB Norbert Tessmer (SPD) auch ein Mehr an Gefahren. Die Sicherheit auf Neben-, Haupt- und Fernstraßen zu erhöhen, sei deshalb ein wichtiges Ziel. Die Zahl der schweren Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr im Stadtgebiet Coburg sei überschaubar, so der OB in seinem Grußwort.
Im zurückliegenden Jahr hätten sich im Bereich der Polizeiinspektion Coburg 2514 Verkehrsunfälle mit 454 verletzten Personen geeignet, berichtete Polizeidirektor Joachim Mittelstädt. Die Zahl der Schwerverletzten sei um 25 Prozent auf 102 gestiegen und außerdem seien drei Verkehrsteilnehmer ums Leben gekommen. Aber auch die Zahl der Fahrten unter Alkoholeinfluss sei um 23 Prozent gestiegen, machte Mittelstädt deutlich. Es sei deshalb wichtig, die Verkehrssicherheitsarbeit zu forcieren.

Polizeihauptkommissar Ulrich Bosecker erläuterte den Stand des derzeitigen "Abbau des Schilderwaldes". Im Landkreis Coburg sei dieser bei den Kreis- und Bundesstraßen voll im Gange. Es sollen künftig nur noch dort Schilder stehen, wo es tatsächlich erforderlich ist, erklärte der Sachbearbeiter Verkehr bei der PI Coburg. Durch den Abbau soll die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer erhöht werden. Vor allem würden Geschwindigkeitsbegrenzungen mit 30 km/h entfernt werden. Im Frühjahr werde, so Ulrich Bosecker, das Stadtgebiet Coburg und die Gemeinden im Landkreis durchforstet werden.