Der SV Ketschendorf und die TSG Creidlitz haben sich zuletzt sehr unterschiedlich entwickelt. Der eine Fußballverein, der SVK, erlebte einen fulminanten Aufschwung, zählt heute gut 400 Mitglieder, nimmt mit sage und schreibe 14 Mannschaften am Spielbetrieb teil und hat als Aushängeschild sogar ein Team in der Bezirksliga. Der andere Verein, die TSG, zählt zwar immerhin noch rund 160 Mitglieder, doch deren Durchschnittsalter ist hoch, und zuletzt brachte man noch nicht mal mehr eine einzige eigene Mannschaft zusammen.

Jetzt kreuzen sich die Wege der beiden Vereine aus den benachbarten Stadtteilen im Coburger Süden. Nachdem es bereits vor der Corona-Zwangspause erste Gespräche über eine Zusammenarbeit gab, konnte jetzt endlich alles in trockene Tücher gebracht werden. Grob gesagt gehen die beiden Vereine eine Kooperation ein: Der SVK übernimmt die beiden Fußballplätze der TSG.

Der Buchberg bleibt das Herz

Rechtlich war das alles gar nicht so einfach, weil die TSG einen Erbpachtvertrag mit der Stadt Coburg hat. Dieser 1982 geschlossene und zwischendurch bereits verlängerte Vertrag läuft noch bis Ende 2025 und erlaubt dem Verein die Nutzung des Creidlitzer Sportgeländes. Unabhängig davon, wie das konkrete Vertragswerk ab 2026 aussieht, wird das Sportgelände jetzt erst einmal von der TSG an den SVK unterverpachtet.

Michael Schulz, Vorsitzender des SV Ketschendorf, spricht von einem "Meilenstein" in der Vereinsgeschichte: "Das ist ein Riesen-Schritt in die Zukunft!" Er gibt zu bedenken, dass sich das Vereinsgelände des SVK sozusagen "auf einen Schlag" von der Fläche her mehr als verdoppele. Er stellt allerdings klar: "Die Sportanlage auf dem Buchberg in Ketschendorf wird immer das Herz des SVK bleiben!" Die Creidlitzer Fußballplätze würden vor allem für den Trainingsbetrieb genutzt; deshalb nenne man die Anlage auch "Trainingszentrum Süd".

Bei Robert Krauß, dem Vorsitzenden der TSG Creidlitz, ist die Gefühlslage logischerweise etwas anders: "Es ist schade, dass wir selber kein Spielerpotenzial mehr haben!" Zur Erinnerung: Kaum, dass Krauß 2007 Vorsitzender wurde, gab es mit dem Aufstieg der 1. Männer-Mannschaft in die Kreisliga einen tollen Erfolg zu feiern. Doch mit dem sofortigen Wiederabstieg setzte sich auch die bis heute nicht aufzuhaltende Abwärtsspirale in Gang. Zumindest im Fußballbereich. Denn die TSG bietet ja auch noch Kinderturnen und Nordic-Walking an. Deshalb ist Robert Krauß die Feststellung wichtig, dass es jetzt keineswegs vorbei sei mit der TSG. Aber es ging eben darum, eine Lösung für das Sportgelände zu finden, das nicht mehr groß mit Leben gefüllt werden konnte. "Es ist das Lebenswerk vieler unserer älteren Mitglieder", sagt er. Und so überwiegt bei ihm jetzt - trotz allem - die Freude über die mit dem SVK geschlossene Kooperation: "Ich bin erleichtert, dass die Creidlitzer Sportanlage erhalten bleiben kann!"

Für Michael Schulz, der ja auch Vorsitzender des Coburger Stadtsportverbands ist, könnte die Kooperation zwischen SVK und TSG sogar eine "Signalwirkung" haben. Denn Probleme wie in Creidlitz gebe es auch anderswo. So sei es bereits vor der Corona-Zwangspause in vielen Vereinen immer schwieriger geworden, ausreichend Ehrenamtliche zu finden, die alles am Laufen halten - da geht es sowohl um Mitglieder, die sich als Betreuer oder Übungsleiter zur Verfügung stellen, als auch um helfende Hände für den Unterhalt der Sportstätten.

"Eine geniale Lösung"

Schulz hält es deshalb für möglich, dass in naher Zukunft noch weitere Kooperationen geschlossen werden. Das sieht Eberhard Fröbel, der Leiter des Coburger Sportamts, ganz genauso. Das Zustandekommen der Kooperation zwischen dem SVK und der TSG wurde von Fröbel begleitet. So sprach er unter anderem vergangene Woche bei einer Versammlung zu den TSG-Mitgliedern. Ihm war dabei - ebenso wie Krauß - die Darstellung wichtig, dass es nicht um ein Ende der TSG gehe, sondern um eine "vernünftige Lösung für das Creidlitzer Sportgelände". Dass jetzt gar eine "geniale Lösung" gefunden werden konnte, freut Fröbel: "Es ist ja auch im Interesse der Stadt, dass vorhandene Sportstätten sinnvoll genutzt werden." Übrigens: In besagter TSG-Versammlung gab es ein einstimmiges Votum für die Kooperation.

HINTERGRUND

Vom "Trainingszentrum Süd" profitieren auch andere Vereine

Die sportliche Heimat des SV Ketschendorf ist die Anlage auf dem Buchberg. Weil es dort aber nur einen Rasen- und einen Hartplatz gibt, mussten bislang auch viele andere Sportplätze in der Stadt genutzt werden - etwa am Anger und in der Wiesenstraße. "Ich wusste eigentlich nie, wo gerade jemand von uns trainiert", gibt Vorsitzender Michael Schulz zu. Das "Trainingszentrum Süd" in Creidlitz, das über zwei Rasenplätze verfügt, vereinfacht deshalb alles. Nahezu alle Teams des SVK (außer zehn Jugendmannschaften sind das noch drei Herren- und ein Frauen-Team) sollen ab sofort in Creidlitz trainieren - der Spielbetrieb findet weiterhin auf dem Buchberg statt. Doch die Entwicklung hat noch einen weiteren Vorteil: "Wir schaffen Platz auf anderen Plätzen", sagt Schulz. Eberhard Fröbel vom Sportamt erklärt: "Durch sein neues Trainingszentrum muss der SVK nicht mehr andere Sportplätze nutzen - und von den frei werdenden Belegungszeiten profitieren andere Vereine."