Etwa sechs Dutzend Radler haben am Freitag mit einem Konvoi durch die Coburger Innenstadt zum Klimaschutz aufgerufen. Vom Albertsplatz starteten die Fahrradfahrer - vom Kindesalter bis zu Senioren - auf eine rund zehn Kilometer lange Tour. Mit der Demonstration für einen Wandel im Nahverkehr meldeten sich "Fridays for future" und Critical Mass zurück. "Ab jetzt wieder jeden letzten Freitag im Monat" wollen die Aktivisten für den Klimaschutz auf die Straße gehen.

"Innenstöädte müssen für Autos unattraktiv werden"

Helena Lakemann, Sprecherin für "Fridays for future", gab vor der Aktion das Ziel aus, dass in den nächsten fünf Jahren der Fahrradanteil am Gesamtverkehr ein Viertel betragen müsse. "Die Innenstädte müssen für Autos unattraktiver werden, Fußgänger und Radfahrer brauchen mehr Platz und damit Sicherheit im Straßenverkehr." Seit 30 Jahren, so die Aktivistin, produziere der motorisierte Verkehr immer mehr klimaschädliches CO2. Oberstes Ziel müsse es nach wie vor sein, die Erderwärmung durch den vom Menschen verursachten Klimawandel auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Auch in Coburg mehr Verkehr mit dem Fahrrad abwickeln

In der Innenstadt von Coburg könne wesentlich mehr Verkehr mit dem Fahrrad abgewickelt werden. Darüber hinaus sei man mit dem Fahrrad in den Innenstädten schneller unterwegs. "Dazu braucht es aber eine entsprechende Infrastruktur." Coburg habe das Siegel für eine "Fahrrad freundliche Kommune" in der Vergangenheit leider verpasst, erinnerte Helena Lakemann.

Neue Straßen ziehen immer Verkehr an

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten habe der Fokus von Politik und Öffentlichkeit nur auf dem Auto gelegen. Neue Straßen ziehen nach ihren Worten auch immer Verkehr an. Hingegen sei es in einer autofreien Stadt leiser, weniger Boden müsse versiegelt werden und mehr Bäume schafften eine Verbesserung des Kleinklimas. "Um das Ziel einer maximalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius zu erreichen, müssen die Innenstädte autofrei werden", sagte sie.

Die Radtour, begleitet und abgesichert von der Polizei, führte vom Albertsplatz zunächst zum Südkreisel, weiter am Rosengarten vorbei wieder in die Innenstadt, durch die Viktoriastraße zum Bahnhof und in die Neustadter Straße. Nach einer Schleife durch den Dammweg, Rosenauer und Bahnhofstraße ging es weiter zum Steinweg und über den Theaterplatz zum Marktplatz. Dort endete die Demonstration.

Hintergrund

Aufmerksamkeit für den Radverkehr Critical mass (engl. für "kritische Masse") ist eine weltweite Bewegung, bei der sich hauptsächlich Radfahrer scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen und unhierarchischen Fahrten durch Innenstädte, ihrer bloßen Menge und dem konzentrierten Auftreten von Fahrrädern auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen. Die erste "Critical Mass" genannte Aktion fand im September 1992 in San Francisco statt.

Verkehrsregeln Mehr als 15 Radfahrende können nach § 27 StVO einen "geschlossenen Verband" bilden, welcher allerdings für andere Verkehrsteilnehmende deutlich als solcher erkennbar sein muss. Für diesen Verband gelten die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeugs und er hat z. B. in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel zu fahren, selbst wenn diese zwischenzeitlich auf Rot umschaltet. Dies wurde 1989 durch ein Urteil des Landgerichts Verden bestätigt. Für Teile eines "geschlossenen Verbands" gilt auch nicht eine Radweg-Benutzungspflicht. Sie dürfen zu zweit oder mehreren nebeneinander fahren.

Freitage für die Zukunft Fridays for Future (FFF, auch FridaysForFuture bzw. Schulstreik für das Klima bzw. Klimastreik) ist eine globale soziale Bewegung ausgehend von Schülern und Studierenden, welche sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen, um das auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015 im Weltklimaabkommen beschlossene 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen noch einhalten zu können. Mittlerweile haben sich regional, national sowie weltweit zahlreiche Unterstützungsorganisationen gebildet, insbesondere die Scientists for Future. Fridays for Future ist in Deutschland als nicht rechtsfähige Personenvereinigung organisiert und versteht sich selbst als basisdemokratische Graswurzelbewegung. Aufgrund der COVID-19-Pandemie sagte Fridays for Future vorübergehend alle öffentlichen Klimastreiks und Straßendemonstrationen ab und verlegte sich auf Online-Aktionen. Ab dem 18. Juni 2021 sollen die Klimastreiks in Deutschland wieder wöchentlich auf der Straße stattfinden.