Die Ketschenbacher haben richtig Sehnsucht nach einer lebendigen Dorfgemeinschaft dem Zusammenhalt. Sie möchten das auch leben, "weil wir eigentlich alle viel zu wenig Zeit füreinander und miteinander haben", kennt Bernd Gärtner, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) das Problem. Damit das funktioniert, organisieren seit über 25 Jahren alle fünf Ortsvereine das Gemeindefest und alle packen mit an. "Seitdem wir mit den Vereinen dieses Fest machen, stärkt das unser Zusammengehörigkeitsgefühl. Das ist das Einzige, was unser Dörfle machen kann. Wir haben ja sonst nichts, also machen wir so was", zeigt sich Gärtner zufrieden.

Sich in ungezwungener Atmosphäre kennenlernen, miteinander plaudern, so einfach geht das. Für ihre Dorfgemeinschaft ist den Ketschenbachern nichts zu viel: Zahlreiche Veranstaltungen, von allen Vereinen (TSV Ketschenbach, 1. Mofaclub, Gesangverein, Siedlerbund, OGV) getragen, bieten fröhliche Feste und Aktionen. Das Publikum dankt es stets mit zahlreichem Besuch. Wurde zunächst auf der Wiese des ehemaligen Kindergartens gefeiert, findet das Fest inzwischen auf dem Sportgelände des TSV statt. Zum 700. Ortsjubiläum war es heuer ein besonderes Fest.


Die Nachbarn schauten wieder mal vorbei

Maria und Karl Fischer freuten sich riesig, ihre ehemaligen Nachbarn Renate und Hans Gretzbach wieder einmal in gemütlicher Runde zu treffen. "Ich war ganz traurig, als sie nach Neustadt wegzogen", sagte Maria Fischer. "Am Gartenzaun habe ich mit Karl immer ein Bier getrunken", erzählte Hans Gretzbach schmunzeld.

"Wir haben uns wirklich sehr viel Mühe gegeben, die vielen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr zu organisieren, um unseren Gästen auch etwas Besonderes zu bieten", zeigte sich Christine Wiegand, Vorsitzende des Gesangvereins, beeindruckt. Wiegand schenkte im TSV-Café aus und verwöhnte mit Feinem aus der Hausfrauen-Backstube. Und weil der Gesangverein heuer selbst sein 120-Jähriges feierte, bot eine von Wiegand liebevoll zusammengestellte Ausstellung Einblicke in die langjährige Vereinsgeschichte.


Im Organisieren von Festen haben die Vereine Routine

"Wir sind im Organisieren routiniert, das Gemeindefest ist schon ein Selbstläufer", gefiel Bernd Gärtner, der sich an diesem Nachmittag den kleinen Gästen widmete. Die Kinder hatten keine Zeit bei den Eltern zu hocken, sie wollten sich auf der Hüpfburg und bei der Traktor-Rallye nach Herzenslust austoben. Die Vorstände des 1. MC Dieter Gehrlicher und Wolfgang Knauer von der Siedlergemeinschaft beherrschten die Grillkunst und die Schwitzkunst dazu und die Sportler des TSV brillierten als Keeper am Getränkeausschank. Und wie in jedem Jahr, wurden auch die Tschernobyl-Kinder nicht vergessen. Darüber war Vorsitzender Dieter Wolf der Neustadter Tschernobyl-Kinderhilfe besonders dankbar. Schnell war die Tombola ohne Nieten zugunsten der Tschernobylkinder geplündert. Allein schon wegen der großzügigen Gewinnschätze, übrigens alles Firmenspenden aus Neustadt und Umgebung, stand das Publikum "Schlange" am Lose-Stand.

Unter dem TSV-Schaukasten wurde sogar die kleine Mauer erneuert und mit Blumen der Vereinsfarben bepflanzt. Eine Idee von Spielführer Frederic Lorenz, die er zeitig in die Tat umsetzte. Der OGV übernahm dafür sogar die Blumenpatenschaft.

"Das ganze Jahr über gibt es im Jubiläumsjahr spannende Highlights in Ketschenbach. Alle unsere Veranstaltungen waren bisher so gut besucht. Alles hatte das Publikum interessiert, wie sich Ketschenbach gemausert hat, also das kam wirklich gut an".

Noch stehen zwei Veranstaltungen aus: am Samstag, 14. Oktober, werden bei einer Herbstwanderung mit Kartoffelfeuer wieder Erinnerungen an die Jugendzeit lebendig. Treffpunkt: 18 Uhr Alte Schule.

Der Gottesdienst auf dem TSV-Gelände am Sonntag stand im Zeichen des Miteinander und der Liebe zu Gott. Pfarrerin Romina Rieder hob die enge Verbundenheit der Ketschenbacher hervor, die sich nicht nur bei Festlichkeiten zeige. Dies sei in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Doch verstärke sicher die Veranstaltungsreihe "700-Jahre Ketschenbach" diese Verbundenheit. Den feierlichen Gottesdienst schmückte der Posaunenchor Neustadt (Leitung Wofgang Friedrich) und der GV Ketschenbach/Ketschendorf (Leitung Günter Rudolf) musikalisch aus.