Hier ist ja heute tote Hose", sagt Cornelia Piechocki, Angestellte des Buch- und Zeitschriftenladens Ludwig im Coburger Bahnhofsgebäude. "Die Leute rennen wirklich nur noch durch."

Als vor gut fünf Jahren die Bauarbeiten für den Zentralen Omnibusbahnhof begannen und einige Bereiche der HUK-Coburg auf die Bertelsdorfer Höhe umzogen, sei das Geschäft zurückgegangen, erinnert sich Cornelia Piechocki. Die Leute hätten wegen der knapp berechneten Umsteigezeit zwischen Zug und Bus einfach keine Zeit mehr, sich in dem Laden umzuschauen. Und das, obwohl das Angebot so vielfältig sei wie sonst nirgendwo in der näheren Umgebung, sagt die Angestellte. Weil heute auch viele Discounter Zeitschriften anbieten, kauften die Kunden ihre Lektüre meist dort, außer Fachzeitschriften.

"Früher waren wir mal elf Mitarbeiter, nun sind wir mit der Chefin nur noch vier. Die Angst wächst von Tag zu Tag immer mehr", sagt Cornelia Piechocki, die seit 1996 im Bahnhof tätig ist. "Wir wissen nicht einmal, wo wir parken sollen", ergänzt Silke Mielke, Chefin des Zeitschriftenladens. Die Parksituation sei sehr schlecht, besonders für Langzeitparker.

Viel Kundenfrust


"Eigentlich machen wir eine Arbeit, für die die Bahn zuständig ist", sagt Silke Mielke. Das liege beispielsweise an den Ticketautomaten, die nicht immer Geld wechseln würden. Deswegen kämen öfter Reisende mit diesem Wunsch in das Geschäft. "Wir dürfen aber kein Geld wechseln. Dann lassen die Kunden ihren Frust hier ab. Die Bahn kümmert sich dabei um nichts", fährt sie fort. "Das Ganze ist traurig für Coburg", fügt Silke Mielke hinzu, die aus Berlin stammt und Coburg als ihre zweite Heimat betrachtet.

"Seit 1996 ist der Bahnhof einmal gestrichen worden", erinnert sich Cornelia Piechocki. Einrichtungen wie ein Fahrstuhl für ältere Menschen und Rollstuhlfahrer fehlen. Noch nicht mal Sitzgelegenheiten für Reisende gebe es im Bahnhofsgebäude. "Wir hoffen, dass es mit dem ICE besser wird", sagt Cornelia Piechoki und ihre Chefin nickt zustimmend. Auch in der Stadtverwaltung habe man die Situation angesprochen, allerdings ohne Erfolg.

Im Schnellrestaurant "Yor ma's" gegenüber sieht die Situation besser aus. "Ich liebe diesen Laden und meinen Beruf", sagt Andrea Neuberger lächelnd hinter der Theke. "Ich stehe gerne hier." Es sei abwechslungsreich und immer etwas los. Auch wenn vielleicht weniger Reisende kämen, sei der Verkauf in Ordnung. Sie hoffe ebenfalls auf die ICE-Anbindung. "Der Bahnhof ist nicht gerade ein Schmuckstück", stellt sie fest. "Mit unserem Laden sind wir da ja ein kleines Juwel." Auch Andrea Neuberger findet die Parkmöglichkeiten unzureichend. "Sie sollen ein Parkhaus bauen!"

Die Angestellte der Bäckerei Reißenweber, Dragana Meinhold, und eine Stammkundin kritisieren ebenfalls die schlechte Parksituation. Ihre Arbeit finde sie jedoch toll, betont Dragana Meinhold. Während der Ferien sei es zwar ruhiger, aber sonst würde es gehen. Allerdings sind die beiden sich einig, dass neben den Parkplätzen eine öffentliche Toilette, Schließfächer und Einrichtungen wie ein Fahrstuhl für Kinderwagen im Bahnhofsgebäude Coburg fehlen.