Musikalische Probenarbeit ist manchmal ein richtiges Puzzlespiel. Das erleben die jungen Talente, die in dieser Woche im Landestheater eifrig üben für ihren Auftritt am Sonntag in Coburgs traditionsreichem Musentempel. Hier 15 bis 20 Takte Allegro, dann ein paar Takte Übergang bis zum neuen Tempo, schließlich noch zwei, drei Takte für die solistisch hervortretende Flöte.

Bevor Musik im Konzert zum Genuss und Erlebnis für die Zuhörer werden kann, sind Geduld und Vorstellungsvermögen gefordert. Anna-Sophie Brüning, seit Beginn dieser Spielzeit Erste Kapellmeisterin am Landestheater, leitet die Probenarbeit und wird auch die Konzertmatinee am Sonntag im Landestheater dirigieren.


Junge Talentemusizieren mit Profis


"Mitmachkonzert" lautet das Motto für das ehrgeizige Projekt. Dahinter steht der Gedanke, junge Talente gemeinsam mit Profis aus dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters musizieren zu lassen.
Mitmachen - darum geht es auch ganz am Anfang der Probenwoche. Zu Beginn sind einige der Nachwuchsmusiker noch ein wenig unsicher. Für manche ist das Erlebnis, im Orchester zu musizieren, eine neue Erfahrung. Klar, dass da nicht jeder Einsatz auf Anhieb klappen kann. Dann ist die Dirigentin als Mutmacherin gefragt.



Warum gibt es Dirigenten?


"Lieber falsch spielen als gar nicht spielen", ermuntert Anna-Sophie Brüning und lässt die fragliche Stelle gleich nochmals üben. Auftakt zum neuen Anlauf. Noch ist die Dirigentin freilich nicht zufrieden. Das Tempo wackelt, weil nicht alle jungen Musiker ihren Einsatz exakt erwischen. Auf den Einsatz, auf die Signale vom Dirigentenpult achten, darauf kommt es immer wieder an: "Warum gibt es solche Leute wie mich, warum gibt es Dirigenten?"
Die Antwort kommt noch ein wenig verschämt: "Damit man weiß, wo man einsetzen muss."

Wer im Orchester musizieren will, muss nicht nur sein Instrument möglichst gut beherrschen, sondern ganz einfach auch gut zählen können - jene Takte, die bis zum nächsten eigenen Einsatz verstreichen. Intonation, Rhythmus, aufeinander hören - bevor aus zwei, drei Dutzend musizierenden Schülern ein Orchester werden kann, ist geduldige Probenarbeit gefordert. Ganz wichtig dabei: die kleinen Erfolgserlebnisse zwischendurch.


"Die arabische Prinzessin"


Der Tanz des Müllers aus Manuel de Fallas Ballett "Der Dreispitz" ist ein Stück mit allerlei rhythmischen Fallstricken, ein Stück, das nicht gleich im ersten oder zweiten Anlauf ins Ohr und in die Finger gehen will. Aber auch die Ouvertüre zur Märchenoper "Die arabische Prinzessin" nach Musik von Juan Crisostomo de Arriaga hat durchaus ihre Tücken. Wenn's nach zwei, drei Anläufen noch nicht ganz wie gewünscht klappt, lässt Anna-Sophie Brüning die heikle Stelle einfach im Rhythmus exakt sprechen. Danach sitzen plötzlich auch die Töne beim Musizieren deutlich präziser als zuvor.


"Spanischer Mozart"


Manuel de Falla, Juan Crisostomo de Arriaga, später noch Eduard Lalo mit seiner "Symphonie espagnole" - spanisch geht es zu im Programm des Mitmachkonzerts, auch wenn Lalo ein Franzose mit spanischen Vorfahren war. Und auch zu Mozart, von dem ein Satz eines Hornkonzertes erklingen wird, schlägt sich mit etwas gutem Willen eine spanische Brücke. Schließlich wurde Arriaga einst als "spanischer Mozart" tituliert - nicht etwa, weil er Zeitgenosse Mozarts war, sondern weil Arriaga, der ein halbes Jahrhundert nach Mozart geboren wurde, wie jener als musikalisches Wunderkind galt.