Wenn ein Chorleiter sagt, "das Gemeinschaftsgefühl ist uns wichtig", klingt das manchmal wie ein wohlfeiles Lippenbekenntnis. Wer allerdings die "Jungen Chöre München" bei ihrem Auftritt in der Coburger Heilig-Kreuz-Kirche erlebt, merkt sehr schnell, dass das Gemeinschaftsgefühl bei diesem vokalen Klangkörper tatsächlich ein zentrales Anliegen ist.

"Wir sind eine Gemeinschaft, die viel zusammen macht", sagt Chorleiter Bernhard Reimann und erklärt den beachtlich zahlreichen Zuhörern dann auch, warum die "Jungen Chöre" an diesem Wochenende aus der Landeshauptstadt ins oberfränkische Coburg gekommen sind. Das Coburg-Gastspiel mit rund 40 Choristen im Alter von 8 bis 21 Jahren ist ein Konfirmationsgeschenk der besonderen Art - für ein ehemaliges Chormitglied, das vor zwei Jahren mit seinen Eltern aus München nach Coburg gezogen ist: Maximilian Perona.
Für ihn wird dieses Konzert ganz am Ende aber noch eine weitere Überraschung parat halten.

Gut geschult, nicht gedrillt

Die "Jungen Chöre" sind ein Ensemble mit einem ungewöhnlichen Profil, getragen von einem pädagogischen Konzept, das sich nicht nur auf den Gesang beschränkt. Selbst nachmittägliche Hausaufgabenbetreuung gehört mit zur Angebotspalette der als gemeinnützige GmbH organisierten Chöre.

"Musikalische Niveau ist uns natürlich wichtig", sagt Chorleiter Bernhard Reimann, aber als Elitechor will er sein Ensemble bewusst nicht definieren. Das gilt auch für die schulische Ausbildung zwischen Grundschule, Haupt- und Realschule und Gymnasien, aber auch für bunte soziale Schichtung. Die "Jungen Chöre München" versammeln junge, frische Stimmen im Alter von acht bis 21 Jahren, die hörbar gut geschult, aber bewusst keineswegs gedrillt klingen.

Sie singen diszipliniert und folgen den präzisen und in Ausdruck wie Dynamik fein differenzierten gestalterischen Vorstellungen ihres Leiters Bernhard Reimann stets aufmerksam. Das zeigen gleich die ersten Stücke ihres Programms "In 80 Minuten durch die Musik", das in Coburg seine Premiere erlebt. In drei großen Teilen präsentieren die jungen Choristen mit ausgewogenem und lebendigem Klang geistliche Chorgesänge aus verschiedenen Jahrhunderten von einem Bach-Choral ("Wenn wir in höchsten Nöten sein") bis zu einer Zulu-Weise aus Afrika ("Siyahamba"). Mit weltlicher Chormusik beweisen sie dann ihre Vielseitigkeit zwischen Volksliedgestus und einem Musical-Medley ("Mary Poppins"). Talentierte junge Solisten bewähren sich dann im Lied des Sandmännchens und im Abendsegen aus Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel".

Im dritten Teil gibt es nochmals geistliche Gesänge - diesmal mit Orgelbegleitung von der Orgelempore herab. Neben Motetten von Couperin und Mendelssohn erklingt dabei auch Händels unverwüstlich populäres "Halleluja" aus dem "Messias". Benjamin Schiefer, der dabei die Begleitung übernimmt, stellt sich zudem solistisch auch als versierter Organist vor - beispielsweise mit Präludium und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach.
Die Musik als Brückenbauerin wird gerne zitiert. Manchmal ist das sicher nur ein frommer Wunsch. Wer allerdings die "Jungen Chöre München" bei ihrem Auftritt in der Coburger Heilig-Kreuz-Kirche erlebt, sieht und hört freilich, dass die Formel tatsächlich funktionieren kann.

Auftritt in St. Moriz

Denn dieses Ensemble, wunderbar bunt in seiner Zusammensetzung, wird offenkundig zusammengehalten von der Begeisterung für die Musik den gemeinsamen Gesang. Selbst dort, wo einzelne Stück mit einer kleiner Choreografie versehen werden (wie der Chor der Straßenjungen aus Bizets "Carmen") wird daraus keine routiniert servierte Show - stets bleibt die Freude am Gesang im Vordergrund.

Bei der Zugabe ("I will sing praise") darf dann auch Maximilian Perona noch einmal mit seinem ehemaligen Chor singen. Großer Beifall der begeisterten Zuhörer. Beim sonntäglich Konfirmationsgottesdienst in St. Moriz wirkten die "Jungen Chöre München" übrigens ebenfalls mit.