Während die meisten den Tag der deutschen Einheit zum Ausschlafen genutzt haben dürften, war für die Kinder und Jugendlichen, die im Pfadfinderzentrum Callenberg gezeltet haben, die Nacht vor Sonnenaufgang vorbei. Schon kurz nach 7 Uhr starteten die ersten Kleingruppen zum 69. Pfadfinderlauf zur Lauterburg, der traditionell immer am ersten Oktoberwochenende stattfindet.

Viele Stämme und Ortsgruppen des Vereins "Pfadfinderbund Weltenbummler" und anderer Verbände hatten eine lange Anreise hinter sich, einige kamen sogar aus Kiel. Auf ihrem Weg durch Coburg vorbei an der Coburger Jugendeinrichtung (CoJe) über Dörfles-Esbach, die Rosenau, Unter- und Oberwohlsbach bis zur Lauterburg warteten viele Abenteuer auf die elf bis 16 Jahre alten Natur- und Wanderfreunde, von denen die Hälfte Mädchen waren. Immer mit dabei hatten sie eine Flagge mit dem Wappen ihres Stamms, einige spielten unterwegs Gitarre und sangen Lieder.
Auf dem Weg kamen sie an 13 Streckenposten vorbei, bei denen die 142 Pfadfinder in ihren jeweiligen Gruppen verschiedene Aufgaben lösen mussten.


Nur acht Minuten Zeit

Direkt am Pfadfinderzentrum wartete schon die erste Prüfung: In maximal acht Minuten mussten die Jungpfadfinder ihre Zelte, sogenannte Kohten, aufbauen. Dazu müssen die vier trapezförmigen Seitenplanen durch ein Schlaufensystem miteinander verbunden und mit Heringen im Boden verankert werden. In der Mitte der Kohte befindet sich ein Holzpfahl mit einem Kreuz, das für die notwendige Höhe sorgt. Den Rekord hält eine Gruppe aus dem letzten Jahr. Ihre Kohte stand in weniger als zweieinhalb Minuten.

Die Vierergruppe der "Wilden Gesellen" war eine der ersten, die losmarschierten und sich am Kohtenaufbau versucht haben. Der 14-jährige Coburger Edwin Karl hat darin Erfahrung, weil er schon im Vorjahr am Lauf teilgenommen hat. "Der Posten mit dem Kohtenaufbau ist immer dabei", erklärte er. "Aber viele Aufgaben sind auch neu. Da wissen wir nie, was uns erwartet."


"Immer was los"

Über einen Freund kam Edwin Karl 2010 zu den Pfadfindern. Seine Kameraden Morten Witsch, Nolan Kühn und Dennis Rudolph, die alle aus Coburg kommen, waren zum ersten Mal dabei. "Mir gefällt vor allem die Gruppengemeinschaft und dass bei uns immer was los ist", sagte der 13 Jahre alte Morten Witsch. Der 14-jährige Dennis Rudolph ist seit drei Jahren dabei. "Ich bin gerne draußen in der Natur unterwegs und mag das Zelten, auch wenn es nachts sehr kalt war", erinnerte er sich an die letzte Nacht.

Neben den Klassikern wie dem Kohtenaufbau, einem Erste-Hilfe-Posten, Liedersingen und der Seilbrücke zur Überquerung eines Flusses, gab es neue Aufgaben wie dem Franzosenposten. Dort mussten die Pfadfinder mit Hilfe eines Wörterbuchs Fragen auf Französisch stellen. "Wir waren dieses Jahr in Frankreich", erklärte Martin Sebald, der mit 35 Jahren zur höchsten Pfadfinderstufe, der Mannschaft, gehört. "Die Aufgaben haben immer auch einen aktuellen Bezug." Er hat früher selbst am Lauterburglauf teilgenommen und von den alten "Recken" gelernt. Jetzt gibt Martin Sebald sein Wissen an die nächste Generation weiter und ist im Pfadfinderförderkreis aktiv. Der Verein verwaltet nicht nur die Zentren des Pfadfinderbundes, sondern organisiert auch traditionelle Veranstaltungen wie den Lauterburglauf. Für Martin Sebald gibt es viele Gründe, Pfadfinder zu werden und dabei zu bleiben. "Die Gemeinschaft in den Stämmen ist etwas ganz Besonderes", erklärte er. "Dort lernt ein Pfadfinder nicht nur die eigene Freiheit kennen, sondern Werte und Wissen, auf die er sein Leben lang bauen kann."


Stärkung und Siegerehrung

Für jede bewältigte Aufgabe gab es von den Betreuern an den jeweiligen Posten je nach Zeit und Ausführung Punkte, die am Ende von den Betreuern zusammengezählt wurden. Nach fast 17 Kilometern und rund sieben Stunden Wandern kamen die Gruppen zeitversetzt auf der Lauterburg an, wo sie eine Stärkung erwartete, bevor alle den Abend gemeinsam mit Liedersingen verbracht haben. Nachdem alle noch einmal gemeinsam gezeltet haben, fand am Sonntag die Siegerehrung statt. Die Sieger, aufgeteilt in eine jüngere und eine ältere Altersklasse, konnten sich über einen Wanderpokal und ein Schild freuen, in das der Name ihres Stammes eingraviert wurde. Der Gesamtsieger erhielt als Geschenk eine Kohte. Wie es aufgebaut wird, wissen die Pfadfinder nicht erst seit Samstag ganz genau.