Alle schafften den Hauptschulabschluss. Elf von ihnen stellten sich den Prüfungen zum Qualifizierenden Mittelschulabschluss, dessen Zeugnis dann zehn in Empfang nehmen konnten.

Bei der Lautertaler Abschiedsfeier wurde das Lehrer-Schüler-Verhältnis stark in den Mittelpunkt gestellt. Dem Zuschauer stellte sich die Frage, was in den vergangenen beiden Jahren so ablief zwischen Klassenleiter Jürgen Heidenbluth und seinen Schützlingen. "Romeo und Julia" war es mit Sicherheit nicht.

Eher "Der Widerspenstigen Zähmung" oder auch "Szenen einer Ehe". Es könnte sich auch um das Stück "Der
Psychiater und das Spiel vom Leben" als auch "Chaos im Märchenland" gehandelt haben. Vielleicht sahen sich die Schülerinnen und Schüler auch in dem Stück "Warten auf Godot".

Bevor Jürgen Heidenbluth die Hauptrolle in "Ein Mann sieht rot" übernahm, griff er lieber zu einem probaten Mittel und warnte mit einem Aushang vor "freilaufenden Vollpfosten". Auch kam es nicht zum Showdown wie in "Spiel mir das Lied vom Tod". "Wir haben es alle überlebt", stellte Jürgen Heidenbluth lächelnd fest. Obwohl, ein Absolvent fehlte, geht Heidenbluth aber davon aus, dass dieser noch unter den Lebenden weilt. Egal wie, am Ende hieß es dann doch eher "Ein Freund, ein guter Freund" und "Nehmt Abschied Brüder". Versöhnlich meinte der Klassenleiter: "Ihr habt das Herz am rechten Fleck".

Ein Markenzeichen von Jürgen Heidenbluth ist es, Zeugnisse nicht einfach so in die Hand zu drücken. Vielmehr machte er sich die Mühe, jeden seiner Schützlinge mit einem sehr persönlichen Gedicht zu verabschieden, und beschrieb ihre Eigenheiten auf charmante Art und Weise. Erfreut zeigte sich Heidenbluth, dass sieben der Entlassschüler einen Ausbildungsvertrag in Händen haben. Hier haben seiner Meinung nach auch die Betriebspraktika, die in der achten Klasse auf dem Programm standen, hervorragende Vorarbeit geleistet.

Kritik übte er auch an denen, die eine gewisse "Allergie" gegen diese Form der Ausbildung hatten. Die fehlende Ernsthaftigkeit zur schulischen Ausbildung bemängelte auch Rektorin Ursula Mönch. Hinter verschlossenen Türen im Lehrerzimmer habe man sich die Frage gestellt, wann die Neuntklässler endlich begreifen, worum es in der Schule geht. Ihren Worten zufolge sah man schon "schwarz". Umso erfreulicher war für sie dann das Ergebnis der Abschlussprüfungen. Nicht unerwähnt ließ sie, dass sich einige der Schülerinnen und Schüler der besonderen Qualifikation in Englisch unterzogen und somit die Voraussetzung für das Erwerben eines mittleren Bildungsabschlusses geschaffen haben. Am Ende stellte Ursula Mönch fest: "Wir müssen uns jetzt keine Sorgen um eure Zukunft machen, ihr werdet euren Weg finden und gehen."

Dass die Schüler mit den Pädagogen auch voll zufrieden waren, dokumentierte Jeanette Knoth in ihren "Worten zum Abschied". Bürgermeister Sebastian Straubel betonte, dass die Investition in Wissen die besten Zinsen bringe. Den Schulabgänger riet er: "Lasst euch nichts vorgeben, geht euren eigenen Weg".

Für den Elternbeirat griff Matthias Görs auf ein Zitat des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zurück und meinte: "Das Schlimmste sind die Ratschläge". Den erfolgreichen Schülern attestierte er, dass sie einen beschwerlichen Weg hinter sich gebracht hätten. Wichtig ist für ihn, dass man für die Zukunft Visionen hat. "Auch das Träumen von Luftschlössern ist erlaubt". "Um einen hungrigen Menschen satt zu machen, braucht man zwei Dinge: eine Scheibe Brot und ein gutes Wort", meinte Pfarrer Martin Kollei kurz und bündig.

Immer wieder wird von der Politik soziales Engagement eingefordert. Dass dies in der Mittelschule Lautertal gelebte Kultur ist, wurde auch dadurch dokumentiert, dass mit Mehmet Bohl und Jens Hesbacher zwei Schüler öffentlich ausgezeichnet wurden, die sich hier nachdrücklich hervorgetan haben. Den besonderen Lohn seiner Mühen konnte Jan Schülein ernten, der mit einem Notendurchschnitt von 1,61 den besten "Quali" ablieferte. Als Zweite ging Annalena Tiroch mit 1,83 durch Ziel. Stolz können auch Jeanette Knoth und Lara Leikheim auf ihren Abschluss sein, den sie mit einer 2,0 absolvierten.

Mit viel Freude schmückte die Singgruppe unter Leitung von Gudrun Eckardt die würdige Feierstunde aus.