Als einer der Letzten kommt Hendrik Dressel ins Ziel. Doch das macht gar nichts, denn für jeden Läufer, der vor ihm ins Ziel kommt zahlt der Bürgermeister fünf Euro an die Stiftung für krebskranke Kinder in Coburg. Neben dem Altstadtfest konnten an diesem Wochenende nämlich Jung und Alt am 27. Seßlacher Stadtlauf teilnehmen. Insgesamt waren 180 Läufer am Start, über 60 Teilnehmer mehr als im Vorjahr. Beim Zehn-Kilometer-Lauf, an dem auch Hendrik Dressel teilnahm, standen allein über 100 Läufer in den Startlöchern. Und alle wollten natürlich vor dem Bürgermeister ins Ziel kommen.
Aber wie kam es eigentlich zu der Idee, den Stadtlauf mit einer Spendenaktion zu verknüpfen? "Um den Lauf zu bewältigen ist körperliche Fitness, also Gesundheit notwendig", erklärte Hendrik Dressel.
Doch diese Gesundheit sei nicht selbstverständlich: "Ich bin diesem Jahr 60 geworden und dankbar, dass mir meine Gesundheit diesen Lauf erlaubt." Es ist also Dankbarkeit, die bei der Aktion mitschwingt und die der Bürgermeister an Menschen weitergeben möchte, denen Gesundheit nicht gegeben ist. Von dem Schicksal krebskranker Kinder sei er schon immer sehr berührt gewesen. "Deshalb wollte ich meinen letzten Lauf als Bürgermeister nutzen diesen Kindern zu helfen", sagt Dressel.

"Heftiger" Lauf

Dafür nahm er eine beachtliche Anstrengung auf sich. "Durch die Steigungen und die Hitze war es in manchen Passagen schon ganz schön heftig", meinte er. Doch nicht nur für den Altstadtlauf begeisterte sich der Bürgermeister an diesem Wochenende. Natürlich besuchte er auch die vielen Attraktionen auf dem 29. Altstadtfest. "Das Altstadtfest ist das Fest der Feste hier in Seßlach." Dazu trage das Ambiente ebenso bei wie die Vielfalt. "Wir haben viele verschiedene kulturelle Bereiche, Kunstausstellungen, Handwerkszünfte, den Flohmarkt und vieles mehr", erläuterte Dressel. Es strömen tausende von Besuchern in die kleine Stadt um zusammen mit den Seßlachern zu feiern. "Das ist natürlich toll für unsere Einwohner." Außerdem könne Seßlach einfach seine Tore schließen und welche Stadt kann das von sich behaupten? "Das gibt es in Seßlach und sonst nirgends."
Nach dem Lauf wurden übrigens die Spenden übergeben. Uwe Rendigs und Hartmut Bohl waren als Vertreter der Stiftung für krebskranke Kinder vor Ort und nahmen freudig die 1000 Euro Spenden entgegen. Die Stiftung vertritt derzeit 30 Kinder und Familien im Gebiet Coburg. "Wir führen Gespräche mit den Familien oder auch Ämtern und Behörden um den krebskranken Kindern zu helfen", erklärte Uwe Rendigs.
Nach der Siegerehrung und der Spendenübergabe am Samstag, ging das Altstadtfest am Sonntag bunt weiter. Nach dem Böllerschießen zog Hendrik Dressel in mittelalterlichen Gewändern als "Schultheiß" mit zahlreichen "Rittern", "Burgfräulein" und "Mönchen" auf den Marktplatz ein. Dort hielt er eine Rede an alle Gäste, natürlich traditionell mittelalterlich in Reimen. Er begrüßte die Besucher und beteuerte seine Wehmut: "Denn das ist mein letztes Altstadtfest als Schultheiß." Nachdem er ein kleines Lied mit den "alten Säcken" zum Besten gab, folgte der Bieranstich, der von allen Gästen umjubelt wurde.
Um die kleine Stadt herum, ging ein buntes und reges mittelalterliches Treiben von statten. Die Zelte und die mittelalterlichen Kostüme und Handwerksgeräte ließen die vergangenen Zeiten ein wenig wieder aufleben und passten perfekt in das alte Städtchen. Die Stadtkapelle sorgte für gute Musik und die Märkte, die Ausstellungen, die kulinarischen Spezialitäten und die harmonische Atmosphäre machten das Altstadtfest zu einem besonderen Wochenende in Seßlach.