Einer von 15 Betrieben - das ist alles, was von der Ferkelerzeugung im Meederer Ortsteil Ottowind noch übrig ist. Der verbliebene Stall gehört der Familie Schrijer. Doch warum gibt es generell weniger Ferkelzüchter? Hauptgrund ist eine EU-Verordnung, die das Halten von Zuchtsauen in Gruppen vorschreibt und das dauerhafte Halten in Einzelbuchten untersagt. Bis Anfang des Jahres hatten die Landwirte für die Umstellung Zeit. Für die Schrijers bedeutete das Unsicherheit, ein wenig Frust und viel Geld.

Denn: Wegen der Regelung aus Brüssel, mussten die Landwirte ihre Ställe umbauen - was hohe Kosten verursacht. "Wir mussten lange überlegen, bis wir uns endgültig entschieden haben, diesen Schritt zu wagen", sagt Jan Schrijer. Immerhin mussten er und seine Frau Marina rund 200   000 Euro in die Hand nehmen, rund 20 Prozent davon kamen aus Fördermitteln. "Wir haben lange mit der Entscheidung gehadert", sagt Marina Schrijer.
Den Entschluss fassten sie erst Ende 2010, als ein Hofnachfolger feststand.

Axel Backert aus der Neustadter Gegend arbeitet seit über zwei Jahren auf dem Hof der Schrijers und will ihn übernehmen. Backert sieht die Landwirtschaft in einem Wandlungsprozess: "Wir befinden uns mitten in einem Strukturwandel. Großbetriebe können neue Investitionen einfacher stemmen und die Kleinen bleiben auf der Strecke", sagt der 27-Jährige Landwirt.

Im neuen Gruppenstall liegen neun oder zehn Sauen auf dem Boden oder gehen umher. "Jetzt hat jede Sau 2,25 Quadratmeter Liegeplatz", erklärt Jan Schrijer. Er und seine Frau sind beide Mitte Fünfzig und hätten, ohne einen Hofnachfolger, den teuren Umbau nicht gewagt. "Viele Landwirte in unserem Alter hatten diese Sicherheit nicht und haben aufgehört", sagt Jan Schrijer. Hinzu kamen die schlechten Ferkelpreise der vergangenen Jahre, die nicht viel Spielraum für große Investitionen ließen.

Die aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik belegen eine Entwicklung hin zu weniger Zuchtsauen (siehe Infobox). Weniger Zuchtsauen gleich weniger Ferkel und damit weniger Mastschweine - diese Rechnung geht so nicht auf. Die Zahl der Mastschweine nahm um 7,5 Prozent zu. Ferkelimporte aus den europäischen Nachbarländern, vor allem aus Dänemark und den Niederlanden, gleichen den heimischen Rückgang der Ferkel mehr als aus. Jan Schrijer erklärt: "Die Dänen und Holländer haben sich früh auf die Ferkelproduktion spezialisiert. Die haben gar nicht den Platz, um die gülle- und landintensive Mastschweinezucht im großen Stil zu betreiben."

Beim Betreten des Raumes für die Ferkel schlägt einem eine fast 30 Grad warme Wand entgegen. Hier füttert Jan Schrijer die Ferkel auf rund 30 Kilogramm hoch und kann sie momentan für 54 Euro pro Tier verkaufen. "Das ist schon ein guter Preis." Seine 154 Zuchtsauen bringen im Schnitt 23,5 Ferkel pro Jahr zur Welt. Da dauert es lange , bis die Schrijers und Axel Backert den neuen 200   000-Euro-Stall abbezahlt haben. Die EU-Kommission hat bereits erste Verfahren gegen Länder eingeleitet, in denen Zuchtsauen immer noch in Einzelbuchten gehalten werden, darunter auch Deutschland. Jan Schrijer hat umgebaut und ist damit auch zufrieden. "Wir sind für die Zukunft gewappnet", sagt Axel Backert.