Eigentlich sollte die Kuh Jule, die im Familienbetrieb der Lindners steht, an Heiligabend kalben. Bekanntlich kommt aber auch bei Tier-Geburten unverhofft oft, denn die Natur hält sich nicht an
Pläne und ausgefeilte Vorgaben, geschweige denn an Termine.

Als Heidi Lindner am 14. Dezember morgens den Kuhstall betrat, hatte die trächtige Jule eine vorweihnachtliche Bescherung parat, mit der wohl niemand gerechnet hatte. Da der errechnete Geburtstermin erst am 24. Dezember sein sollte, war die Kuh Jule noch nicht in die sogenannte Abkalbe-Box umgezogen. Das heißt, sie hatte ihr Kälbchen "Simone" im normalen Stall zur Welt
gebracht. "Das war aber noch nicht alles. Neben dem Neugeborenen sah ich, dass ein zweites Kälbchen kommt", erzählt Heidi Linder. Weil sich Alvin etwas umständlich rückwärts den Weg aus dem Mutterleib bahnte, musste er mit Unterstützung des Geburtshelfers herausgezogen werden. Als Mutter Jule untersucht wurde, konnten weitere Füße ertastet werden - und kurze Zeit später hatte das dritte Kalb Theodore das Licht der Welt erblickt.


Namen von den Chipmunks

Auf der Suche nach passenden Namen, war sich die Familie schnell einig. "Spontan haben wir uns vom Film Alvin und die Chipmunks für die Namen der drei Streifenhörnchen entschieden, die ja auch Geschwister sind. Weil eines der Kälbchen weiblich ist, haben wir aus Simon Simone gemacht", erklärt Michaela Lindner. Simone, Alvin und Theodore sind Fleckvieh und sehen sich demnach recht ähnlich. Eine Verwechslungsgefahr besteht trotzdem nicht, denn schließlich tragen alle drei Marken mit ihrem Namen und der individuellen Nummer im Ohr.

"Zwillingsgeburten hatten wir ja schon öfters. Die Drillingsgeburt war aber für uns eine Premiere", verrät Landwirtin Heidi. Ganz vage kann sich Gernot Lindner erinnern, dass einer der Vorfahren von Drillingsgeburten gesprochen hat, was aber schon sehr, sehr lange her ist. Alle Familienmitglieder freuen sich, dass die unverhoffte Mehrlingsgeburt ohne riesige Komplikationen verlief und sich die drei Geschwister prächtig entwickeln. Anders als bei den Menschen sind mehrmalige Untersuchungen bis zur Geburt eher die Ausnahme. Lediglich wenn mit Risiken oder Komplikationen zu rechnen ist.


Bislang war Jule eher unauffällig

Jule selbst wurde am 10. Dezember 2012 geboren und ist bereits in Sachen Geburt erfahren. Denn die Drillingsgeburt ist für die Kuh die dritte Kalbung. "Manchmal hat man Kühe, denen man sich von Anfang an mehr widmen muss. Jule gehört aber zu den unauffälligen Kühen", erklärt Florian. Er ist
sich sicher, dass Jule ein weiteres Mal Nachwuchs bekommen wird. "Wann das sein wird, hängt ganz davon ab, wie sich die Kuh erholt. Uns ist schließlich die Gesundheit unserer Tiere wichtig, die wir nicht quälen wollen", betont er. In der Regel beträgt die Schonzeit acht Wochen.

Insgesamt versorgen die Lindners, zu denen neben Heidi und Gernot Lindner Oma Jenny, Sohn Florian, Schwiegertochter Michaela und Enkelin Klara, die in zwei Wochen ihren ersten Geburtstag feiern kann, gehören, täglich rund 60 Milchkühe und zusätzlich etwa 35 Jungvieh. Mit dem Nachwuchs im Dreierpack haben sie nun alle Hände voll zu tun. Als Familienbetrieb mit langer Tradition kümmern sich die Lindners um ihre Tiere selbst und haben dabei keine Hilfe von außen.


In der Anfangszeit ist der Aufwand höher bei den Drillngen

Da die Drillinge etwas kleiner und schmächtiger sind, müssen sie morgens um acht, mittags um zwölf und abends um fünf Uhr per Hand mit dem Kälbertränkeimer gefüttert werden. Während Kalb Emil, der zwar zwei Tage jünger, aber größer und kräftiger ist, in der benachbarten Box selbst an den Eimer kommt, muss die "Ersatzmilchquelle" zum Füttern für die Drillinge abgenommen werden. Aufgrund ihrer geringeren Größe kommen die drei nämlich noch nicht von selbst an den Eimer. Im Durchschnitt trinken Simone, Alvin und Theodore an den drei Fütterungen jeweils eineinhalb Liter Milch.

Gerade in der Anfangszeit ist der Aufwand für die Landwirte recht hoch, deshalb stehen der Aufwand und der Erlös, der beim Verkauf erzielt wird, nicht im Verhältnis. Wie hoch der Preis für ein Kalb ist, richtet sich unter anderem auch nach der Größe und dem Gewicht.

Auf die Frage, warum die kleinen Kälber im separaten Jungviehstall untergebracht sind, erklärt Florian damit, dass im offenen Stall sehr leicht die Gefahr besteht, dass sie von anderen Kühen niedergetrampelt werden könnten. "Die Praxis der Landwirtschaft sieht etwas anders aus, als es manche von der Bilderbuchromantik her kennen. Kühe nehmen auf den Nachwuchs keine Rücksicht",
erklärt der Landwirt. Im Stall des Jungviehs haben die Drillinge jeweils eine Box für sich. Dort sind sie aber mit Emil nicht alleine. Denn im Gemeinschaftsbereich gibt es weitere Kälber. Zu denen wechseln die drei, wenn sie etwas kräftiger und größer sind, denn die etwas älteren Kälber fühlen sich in ihrem Jungviehstall wohl und tollen schon mal im frischen Stroh umher. Eng könnte es deshalb dort mit den Boxen der "Kinderstube" werden, denn neben Jule und der Mutter von Kälbchen Emil sollen noch vor Weihnachten zwei weitere Kühe kalben.