Klein, aber fein ist die Gemeinde Dörfles-Esbach. In diesem Jahr blickt der Gemeindeteil Dörfles auf sein 700-jähriges Bestehen. Auch Dörfles wurde, wie viele andere Dörfer im Coburger Land, im Urbarium der Henneberger erstmals 1317 urkundlich erwähnt. Die "Hochzeit" mit der ebenfalls selbstständigen, älteren Gemeinde Esbach besiegelte die Gebietsreform 1970/71. Nicht gerade eine Liebesheirat, denn Esbachs "Mitgift" konnte sich sehen lassen: florierende Gewerbebetriebe samt Ziegelei.

"Dieser urkundliche Nachweis namens Dörfles ist ein Grund, zu feiern", sagte Bürgermeister (BM) Udo Döhler. Und ganz Dörfles-Esbach machte daraus ein großartiges Fest und feierte im Rahmen des Gemeindefestes am Wochenende. Alle Ortsvereine und Institutionen organisierten und packten mit an, ein Zeichen des Zusammenhalts der Dorfgemeinschaft. "Ohne sie kann eine Gemeinde nicht funktionieren", dankte Döhler. Der Begriff Gemeinde komme von Gemeinschaft. Gegenseitige Wertschätzung, Achtung und ein friedliches Zusammenleben kennzeichnen ein Gemeinwesen. "Wenn die Gemeinschaft nicht funktioniert, fällt auch die Gemeinde auseinander", so Döhler.

Mit dem Festkommers Freitagabend starteten die Feierlichkeiten. Zahlreiche Gäste und Ehrengäste folgten der Einladung: Döhlers "Hofstaat" aus dem Rathaus, sein Amtsvorgänger und Ehrenbürger Hans Lotter sowie Ehrenbürger Manfred Röser. Beide Ehrenbürger gestalteten über Jahrzehnte maßgeblich die Geschicke und Entwicklung der Gemeinde, wie schon ihre Vorgänger. Teils mutige Entscheidungen ließen die Gemeinde aufblühen, die Bürger trugen den Weg immer mit.

"Über 700 Jahre lebten und arbeiteten in Dörfles Menschen an der Verbindungsstraße zwischen Coburg und Oeslau. Über 600 Jahre hat sich jedoch in der Entwicklung der ehemaligen Gemeinde Dörfles nicht wirklich viel getan", erinnerte Döhler. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts fanden die wesentlichen baulichen und gesellschaftlichen Entwicklungen statt: Der Zweite Weltkrieg und die Gebietsreform prägten die heutige Einheitsgemeinde Dörfles-Esbach.


Offenheit als Kennzeichen

Zigeuner sollen sich, der Sage nach, hier nach einem Radbruch angesiedelt haben. 1200 Flüchtlinge fanden nach dem Krieg eine neue Heimat, "die in unsere Dorfgemeinschaft integriert werden mussten. Das war nicht einfach, zumal die Mentalität der Hiesigen und der ,Fremden' durchaus unterschiedlich war", so Döhler. BGS-Beamte aus der Kaserne wurden hier heimisch. In den 70er und 80er Jahren kamen viele Spätaussiedler, auch sie blieben. Nach Grenzöffnung ließen viele DDR-Bürger die Einwohnerzahl auf zwischenzeitlich 4150 ansteigen. "Auch in den letzten Jahren ist die Problematik aktueller denn je", ergänzte Döhler. Heute leben 3700 Menschen aus 38 verschiedenen Nationen friedlich und gut miteinander. "Offenheit und die Bereitschaft, Fremde in die Dorfgemeinschaft aufzunehmen, kennzeichnen die Bürger von Dörfles-Esbach", bemerkte der Bürgermeister stolz.

Dörfles-Esbach "mauserte" sich nach dem Zweiten Weltkrieg, große Wohngebiete entwickelten sich. Zwei Kirchen, eine Schule und ein Kindergarten wurden gebaut. Heute verfügt die Gemeinde über alle Einrichtungen, die in einem Kleinzentrum gefordert werden, mit zwei Arztpraxen, zwei Apotheken sowie Gasthäusern. Zahlreiche mittelständische Gewerbebetriebe siedelten sich nach dem Krieg an, schufen Arbeitsplätze und damit die Grundlage zur Ansiedlung von Neubürgern und für die Integration der "Fremden". Betriebe statteten die Gemeinde mit den nötigen Finanzmitteln aus, um die Infrastruktur an die gestiegenen Anforderungen anzupassen.
Die schnell gewachsene Gemeinde sei eher städtisch geprägt, mit einer Bevölkerung, die weit mehr als in anderen Gemeinden ständig im Wechsel sei, "was sicher der Identifikation mit der Heimatgemeinde nicht immer förderlich ist", so Döhler.

"Menschen fanden hier ihre Heimat, gestalten die Gemeinschaft, gehen aufeinander zu, sind offen und willens, sich in die Gemeinschaft in Vereinen und Institutionen ehrenamtlich einzubringen. Sie sind letztendlich dafür verantwortlich, dass man sich in der Gemeinde wohlfühlt und gerne hier lebt", gefiel Döhler., was über viele Jahrzehnte funktionierte.


Eine schuldenfreie Gemeinde

Vier Großprojekte (A73, ICE-Trasse, Umgehung Rödental, 380-kV-Leitung) schränkten weitere Entwicklungsmöglichkeiten des kleinen Gemeindegebiets ein. Die Bestandspflege bleibe dem Gemeinderat als Aufgabe für die Zukunft sowie die noch zur Verfügung stehenden Entwicklungsmöglichkeiten klug und sinnvoll zu nutzen.
"Die Gemeinde ist seit mehr als 15 Jahren schuldenfrei, kann alle ihr gestellten Aufgaben finanzieren. Das soll auch in Zukunft so bleiben", fügte Döhler hinzu. Eine florierende örtliche Wirtschaft bilde die Grundlage für die künftige Entwicklung der Gemeinde. Sie sorge mit ihrer Tatkraft für Arbeitsplätze und statte die Gemeinde mit den notwendigen Finanzmitteln aus.

"Dörfles- Esbach ist eine gefragte Heimstatt für Wohnungssuchende, hat sich zu einem Gewerbestandort mit Ausbaupotenzial entwickelt. Sie ist mit allem ausgestattet, was eine zukunftsfähige, den Herausforderungen der Welt gewachsenen Gemeinde lebenswert macht", sagte Peter Jacobi, einst Zweiter Bürgermeister, in seiner Festrede. Der Regierungsvizepräsident von Oberfranken, Thomas Engel, stellvertretender Landrat Rainer Mattern sowie Bernd Reißenweber, Erster Bürgermeister von Ebersdorf und gleichzeitiger Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, Kreisverband Coburg, gratulierten und sprachen Grußworte.

"Wir sind die einzigen, die zwei Vorstädte haben. Und bei unserer Finanzwirtschaft rechnen wir erst nach und tun erst dann bauen", stellte Volker Weigand in lustiger Mundart klar, warum diese Gemeinde in die heutige Welt passte.

Musikalisch umrahmte das Symphonische Blasorchester des Gymnasiums Albertinum unter der Leitung von Marco Plitzner den Festkommers.