Der Anfang ist ein Hilferuf - eindringlich, nachdrücklich, unüberhörbar. "Pax!" singt der Chor: "Pax! Pax! - "Friede! Friede! Friede", umrahmt von wuchtigen Akkorden der Posaunen. Schon nach wenigen Takten weiß der Hörer, warum dieses Werk im Untertitel "Friedens-Messe" heißt.

Die Hörer - das sind in diesen Tagen vorerst noch die Mitglieder des Coburger Bachchores. Denn sie proben diese Messe des Coburger Komponisten Sven Götz für die Uraufführung an diesem Sonntag in der Morizkirche. In einer der letzten Proben vor dem Konzert steht der Komponist selbst als Vertreter für Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein am Dirigentenpult im Haus "Contakt". Götz feilt geduldig an wichtigen Details, achtet darauf, dass die enge Verbindung von Musik und Text auch hörbar wird.

Klang gewordene Botschaft

"Dona Nobis Pacem" steht auf dem Titelblatt: "Gib
uns Frieden". Darunter schwebt eine Friedenstaube. Für den Coburger Komponisten Sven Götz ist diese Messe eine Klang gewordene Botschaft. Wuchtig und zart, tröstlich und zagend - so tönt diese Musik. Tradition und Gegenwart begegnen sich in ihr ganz ungezwungen.
Denn Sven Götz, 1961 in Coburg geboren, lässt sich als Komponist in keine Schublade stecken. Ästhetische Theorien, musikwissenschaftliche Dogmen interessieren ihn nicht. "Für mich ist die Musik Glaubenspfeiler, Liebesbeweis und Hoffnungsträger zugleich", erklärt Götz: "Ich bin ein Klangkomponist, war ich eigentlich schon immer", sagt der Komponist. Seine Musik entsteht aus dem Klang heraus, formt sich, gewinnt Gestalt. Komponieren ist für Sven Götz keine Frage der musikalischen Konstruktion, sondern ein Lauschen nach innen, eine Suche nach dem passenden Klanggewand für das, was er ausdrücken will.

Vielseitige Musiksprache

In diesem Fall besteht das Klanggewand aus einem nicht ganz klassisch besetzten Sinfonieorchester mit Flöten, Oboen und Fagott, Kontrafagott, vier Posaunen und reichlich besetztem Schlagwerk sowie Streichern, aber ohne Klarinetten, Trompeten und Hörner. Dazu kommt noch ein Solistenquartett sowie der Chor, der von der Zwei- bis zur Sechsstimmigkeit aufgefächert wird.


Auch stilistisch ist diese Friedens-Messe ein vielstimmiges Werk. "Ich habe viele Vorbilder", sagt Götz, "sehr viele". Er bewundert Beethoven und ist fasziniert von Pärt, begeistert sich für Mozart und entdeckt sogar in Andrew Lloyd Webbers Musik packende Aspekte. Ungewöhnlich ist aber nicht nur diese stilistische Vielseitigkeit, ungewöhnlich ist auch die Textvorlage. In ihr verbindet Sven Götz Ausschnitte des tradierten lateinischen Mess-Textes mit Sinnsprüchen und Textzitaten, die um das Thema Frieden kreisen und in lateinischer Übersetzung gesungen werden.


In zwölf Einzelsätzen konzentriert sich Götz auf die Aspekte Trost und Mahnung. Dabei überrascht er mit ungewöhnlichen Lösungen und Klanggesten. Das Agnus Dei beispielsweise kommt gänzlich ohne Singstimmen aus, ist nur den Streichern vorbehalten. "Der Text hätte die Stimmung der Musik in diesem Satz für mich zerstört", sagt Sven Götz. Rund drei, vier Monate hat Götz im Jahr 2011 an seiner Friedensmesse komponiert - zahlreiche Skizzen notiert, viele davon wieder verworfen und schließlich in zumeist nächtlicher Arbeit ein etwa einstündiges Werk daraus geformt.

Zum Auftakt Bachs "Magnificat"

Beim Konzert am Sonntag in der Coburger Morizkirche wird sich der Komponist in prominenter Nachbarschaft befinden. Denn zum Auftakt steht Johann Sebastian Bachs Magnificat in der D- Dur-Fassung auf dem Programm - erstmals seit 1979. Bei jener Aufführung damals wirkte Sven Götz übrigens als junger Tenor erstmals im Bachchor mit, dem er noch heute angehört.