So laut und voll war es im Gang des Amtes für Jugend und Familie wahrscheinlich noch nie. Bei der Vernissage "Jugend im Amt" sind überall Kinder und Jugendliche unterwegs. Das ist auch nicht verwunderlich. Schließlich haben sie die Bilder gemalt, die jetzt den neuen Sitz des Amtes im Erdgeschoss des Ämtergebäudes beleben. Wie Inseln aus einem Meer ragen zwischen den Kindern die Betreuer und die Angestellten des Amtes heraus.
Schnell wird klar, dass die Bilder nicht im überfüllten Gang besichtigt werden können. Kurzerhand werden sie von ihrem Platz entfernt und in die Halle am Ende des Gangs getragen. Dort stellen die verschiedenen Zentren aus dem Stadtgebiet Coburg ihre Kunstwerke vor und erklären, welche Gedanken hinter den Motiven stecken. Zu sehen sind die Einrichtungen und ihre Umgebung, was man dort alles machen kann und was den Kindern besonders gefällt.
Auf manchen Bildern hat jedes Kind sein eigenes kleines Feld bemalt. Die so entstandenen bunten Parzellen bilden dann ein größeres Gesamtbild. Manchmal steht auch auch jeder Teil für sich und verbindet sich nicht mit dem anderen, dann erinnert das Bild eher an eine Collage. Wieder andere Bilder wurden als Gemeinschaftsprojekt bemalt und zeigen ein einziges großes Motiv.
"Unser Bild ist über einen längeren Zeitraum entstanden", erzählt Marie-Luise Götz, Betreuerin im Kinderzentrum Domino. Es zeigt das Haus in der Judengasse, umgeben von vielen bunten Gebäuden. Eine Moschee steht am Rand, Türme von Kirchen ragen in den Himmel hinein. Große und kleine Häuser stehen vor-, hinter- und nebeneinander. Das Bild zeige, dass das Zentrum wirklich zentral in der Stadt liege und bunt sei, erklärt Götz. Den Kindern habe es großen Spaß gemacht, an diesem Bild zu arbeiten. "Sie sind stolz auf das, was sie da gemalt haben", sagt die Betreuerin.
Ganz anders sieht wiederum das Werk der Kinder- und Jugendeinrichtung Wüstenahorn aus. Die Mitte des Bildes nimmt das Kijuz selber ein. Drumherum befinden sich kleine Kacheln, auf denen verschiedene Szenen dargestellt sind. Unter einigen dieser Kacheln sind unterschiedlich hohe Holzklötze angebracht. So ragt das Bild auch in den Raum hinein und wird schon fast zu einem Objekt.
Diana hat an diesem Bild mitgearbeitet. Sie erklärt ihre Kachel. Darauf ist eine Frau vor einem Herd zu sehen. Sie wirft verschiedene Gemüsesorten in einen Topf. Im Herd brennt ein Feuer. "Bei uns wird auch öfter gekocht", erklärt Diana. "Das schmeckt mir immer, deswegen habe ich mir das Motiv ausgesucht." Alexander hat eine Rutsche gemalt, die in einem Schwimmbecken endet. "Wir machen immer Ausflüge ins Schwimmbad. Dort schwimmen wir und haben ganz viel Spaß", erklärt er.
Auf einer anderen Kachel ist etwas zu sehen, das wie eine Hexenverbrennung aussieht. "Nein, das ist keine Hexe", sagt Diana, "das ist Masleniza". Bei diesem russischen Brauch werde eine Puppe verbrannt, um den Winter auszutreiben, erzählt ein Betreuer des Kijuz, Ulrich Wolf. Anfang März hätten sie auch eine Masleniza verantaltet. "Aber die Puppe musste sehr klein sein, weil sonst das Feuer zu groß geworden wäre."
Die Angestellten des Amtes für Jugend und Familie können sich jedenfalls nicht mehr über langweilige Wände beklagen. Auf den Bildern gibt es viele Einzelheiten zum Entdecken und Schmunzeln. wem