Mit dem einfachen Namensschild auf der Brust und der kurzen weißen Schürze unterscheiden sich Jonas, Clemens und Robin an diesem Mittwoch nicht von den Mitarbeitern und Helfern bei der Coburger Tafel. Die drei jungen Männer geben nur an diesem Tag Obst, Gemüse, Nudeln und - weil in wenigen Tagen Weihnachten ist - Geschenke an die Kunden der Tafel in der Rodacher Straße aus. Im normalen Leben stecken die drei aktuell in der Berufsausbildung bei DB Schenker im Coburger Stadtteil Creidlitz.

Seit mindestens fünf Jahren schickt das Logistikunternehmen seine Berufsanfänger für einen Tag zur Coburger Tafel. "Die jungen Leute sollen ihren Horizont erweitern und auch einmal diese Seite des Lebens kennenlernen", sagt Ausbildungsleiterin Ulrike Leipold. Armut gebe es nicht nur in der Dritten Welt, "sondern auch direkt vor der Haustüre". Vielleicht, so sinniert die Ausbilderin in ihrer direkten Art, gehe es den jungen Leuten manchmal etwas zu gut, sei das Leben zu einfach, zu bequem und zu selbstverständlich. Auch wenn es für die Auszubildenden des ersten Jahres nur einen solchen Tag gebe - "immerhin lernen sie ja bei uns für ihren Job" - sei es eine wichtige Erfahrung.

In der Spedition sammeln die Mitarbeiter auch Lebensmittel für die "Tafel", die dann von den Berufsanfängern mit verteilt werden. "Das vermittelt den Hintergrund dieser Spenden", weiß Ulrike Leipold.


Erst sortieren

Für Robin, Clemens und Jonas beginnt der Tag bei der "Tafel" mit dem Sortieren der gespendeten Lebensmittel. Bevor die Kunden wie an jedem Ausgabemittwoch ab 10 Uhr in die Räume strömen, wird Mandarine für Mandarine, jeder Apfel und jeder Kopf Weißkraut begutachtet. "Die Himbeeren sind heute morgen erst reingekommen. Da gibt es nur weniges, was weg muss", stellt Erika mit einem routinierten Blick fest.

Seit einigen Jahren schon arbeitet sie bei der Coburger Tafel. Zusammen mit ihr sortiert Jonas Obst, und manche neue Erkenntnis über bislang unbekannte exotische Früchte macht der 19-Jährige aus Coburg. Aber einige Fingerstriche später, und das allgegenwärtige Smartphone offenbart, dass die Cherimoya aus Südamerika stammt, dort auf dem kolumbianischen Flaschenbaum gedeiht und einen sehr guten Ruf bei Feinschmeckern genießt.
Kartoffeln, Salatgurken, Paprika und anderes Gemüse reicht Robin an die Kunden weiter. "Danach hast du eine andere Sicht auf die Dinge, die sonst gar nicht so gegenwärtig sind", sagt der 17-Jährige später. Mitunter funktioniert die Verständigung nur mit Gesten und viel Geduld, "aber irgendwie geht es schon immer", weiß Jonas. Der angehende Speditionskaufmann hat zuerst Fachlagerist gelernt und war schon einmal einen Tag bei der "Tafel". Man gewinne den Eindruck, dass der Wohlstand im Land sehr ungleich verteilt sei.

Zusammen mit Clemens steht er kurz vor dem Ausgang des "Tafel"-Gebäudes. Dort gibt es in der Weihnachtszeit ein kleines Geschenk für die Kunden: Goebel-Figuren für die Erwachsenen, altersgerechte Spielsachen und Bücher für die Kinder. "Ein sehr interessanter Tag, mit Einblicken in die viele Arbeit und aufwändige Logistik der Tafel", stellt Clemens fest. Aussiedler, Flüchtlinge und Rentner können sich einen Einkauf in einem "normalen" Geschäft nicht leisten. "Da erfährt man auch sehr viel Dankbarkeit von den Kunden."


Die Coburger Tafel

Lebensmittel Essbare Bananen nimmt die Coburger Tafel wie alle anderen Lebensmittel immer an. Unter dem Motto "Essen, wo es hingehört" verteilt der Verein Nahrungsmittel an Bedürftige.

Bücher Keine Südfrüchte, sondern Bücher ("zwei Bananenkisten voll") gibt es bei der Mittwochsausgabe der Tafel vor Weihnachten - "zusätzlich zu den Lebensmitteln", ergänzt die stellvertretende Vorsitzende Verena Hochherz.

Weihnachtspäckchen Die Bücher und auch die große Kiste mit gespendeten Spielsachen gehen in diesem Jahr als Weihnachtsgeschenke an die etwa 200 regelmäßigen Kunden der Tafel. In der Rodacher Straße 63 organisieren ehrenamtliche Helfer und Mitglieder die "Verteilung des Überflusses" von Lebensmitteln. "Etwa 150 Weihnachtspäckchen werden die Helfer in Geschenkpapier eingeschlagen haben", bilanziert Verena Hochherz das Spendenaufkommen.

Helfer Die Coburger Tafel versorgt mit rund 40 ehrenamtlichen Helfern und Ein-Euro-Jobbern etwa 500 bis 700 Menschen. Hinter dem Tafel-Gedanke steht die Erkenntnis, dass es nicht für alle Menschen selbstverständlich ist, ihr täglich Brot zu haben - obwohl Lebensmittel im Überfluss vorhanden sind. Unterstützt wird die "Tafel" von Supermärkten, Bäckern, Metzgern und Lebensmittelhändlern mit Sachspenden; darüber hinaus von Privatleuten und Firmen mit Geldspenden.