Laden...
Coburg/Redwitz
Versuchter Totschlag

Attacke im Zug: Mann tritt Lebensgefährtin bewusstlos - "5 Promille aufeinandergeprallt"

Aussagen im Verfahren um versuchten Totschlag zeigen schon Probleme im Vorfeld der mutmaßlichen Tat auf.
 
Prozess in Coburg: Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Zug von Coburg nach Redwitz zuerst rechtsradikale Parolen gerufen und dann seine Lebensgefährtin gewürgt und bewusstlos getreten zu haben.
Prozess in Coburg: Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Zug von Coburg nach Redwitz zuerst rechtsradikale Parolen gerufen und dann seine Lebensgefährtin gewürgt und bewusstlos getreten zu haben. Symbolfoto: Bits and Splits/Adobe Stock
+1 Bild

"In der Summe sind an diesem Tag schätzungsweise fünf Promille aufeinandergeprallt." So beschreibt der Ermittlungsrichter des Kronacher Amtsgerichts den Vorfall vom 24. Juni 2020 in einem Regionalexpress zwischen Coburg und Lichtenfels, der derzeit am Coburger Landgericht verhandelt wird.

Dem Angeklagten Karl-Heinz K. wird vorgeworfen, in dem Zug zuerst rechtsradikale Parolen gerufen und dann seine Lebensgefährtin Stefanie A. gewürgt und bewusstlos getreten zu haben. Am dritten Verhandlungstag klärten sich einige Fragen zur mutmaßlichen Tat.

Versuchter Totschlag im Regionalexpress: Angeklagter "sprunghaft und widersprüchlich"

Bei der Vernehmung habe der Angeklagte "sprunghafte und widersprüchliche" Angaben gemacht, sagte der Ermittlungsrichter. So habe er zunächst angegeben, mit seiner Lebensgefährtin nach Coburg gefahren zu sein, um für sie Geld abzuheben. Später habe der Angeklagte erklärt, er sei mit A. eigentlich schon auf dem Nachhauseweg nach Redwitz gewesen und habe - wohl aufgrund seiner Alkoholisierung - den falschen Zug genommen. Die Vernehmung sei vor allem von der "Verteidigungshaltung" des Angeklagten geprägt gewesen. Dennoch habe er im Gespräch zugegeben, Stefanie A. "nicht lange" gewürgt und "nicht kräftig" getreten zu haben - mit dem Zusatz, aufgrund seiner Alkoholisierung Erinnerungslücken zu haben.

Wie viel der Angeklagte am Tattag tatsächlich getrunken hat, habe er im Gespräch mit dem Ermittlungsrichter nicht genau gesagt. Aber die Ermittlungen haben das ergeben. Das toxikologische Gutachten attestierte einen Blutalkoholwert von 1,9 Promille - eine "hochgradige Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt".

Neben dem toxikologischen Bericht wird am dritten Verhandlungstag auch ein Überwachungsvideo aus dem Regionalexpress zur Beweisführung hinzugezogen. Bei der Auswertung sei dem zuständigen Polizeibeamten eine Passage aufgefallen, in der der Angeklagte eine "Ausholbewegung mit dem Fuß" in Richtung der Geschädigten ausgeführt habe.

"Aus ihrem Leben erzählt"

Auch die Frau selbst sei laut einem toxikologischen Gutachten zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert gewesen - sogar noch deutlich stärker als der Angeklagte. Bei Stefanie A. wurde ein Blutalkoholwert von 2,8 Promille nachgewiesen.

Laut dem Beamten, der die rechtsmedizinische Untersuchung in der Notaufnahme des Lichtenfelser Klinikums begleitete, habe man ihr diesen Alkoholpegel auch angemerkt: Bei der Behandlung sei sie "wach und laut" gewesen und habe dem medizinischen Personal "pausenlos und nahezu euphorisch" aus ihrem Leben erzählt. Dem behandelnden Arzt habe sie seine Kompetenz abgesprochen und ihn aus dem Zimmer geschickt - sie wolle sich "nur von einem richtigen Arzt" behandeln lassen.

Sie habe sich erst wieder beruhigt, als die zuständige Gerichtsmedizinerin im Klinikum eingetroffen sei. "Ich habe ihn immer wieder gewarnt", habe sie auch noch gesagt.

Bekannte hatten ihn gewarnt

Neben den Polizeibeamten, die die Ermittlungen gegen Karl-Heinz K. geführt haben, haben am dritten Verhandlungstag auch Weggefährten des Angeklagten ausgesagt. "Ich habe ihn vor der Beziehung mit Stefanie A. immer wieder gewarnt", sagte ein ehemaliger Arbeitskollege des Angeklagten aus. In dem Haus, in dem A. wohne, werde "tagein, tagaus nur gesoffen" - das habe seiner Meinung nach kein gutes Ende nehmen können. Eine Freundin der Familie erzählt, K. sei schon in der Vergangenheit durch Gewaltausbrüche aufgefallen. Sie habe unter anderem einen Arzt rufen müssen, nachdem der Angeklagte seine Mutter angegriffen habe und diese über Schmerzen klagte.

Dieser Vorfall gehört laut Staatsanwaltschaft zu einer Reihe von Vorstrafen - schon vor dem Zwischenfall im Regionalexpress musste sich Karl-Heinz K.wegen Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Und der Angeklagte? Der sieht sich weiterhin als Opfer und beschwert sich lautstark über die "Ungerechtigkeiten", die ihm seiner Meinung nach im Prozess angetan werden. Die Freundin der Familie nannte er während der Vernehmung eine "Lügensau", dem Ermittlungsrichter warf er vor, ihn "die ganze Zeit angeschrien" zu haben.

Der Prozess wird fortgesetzt.