Am Freitag war sie gestürzt. Da dachte sie noch, bis zum nächsten Tag werde sie sich wohl wieder erholen. Doch als Elisabeth Vogt am Samstag starke Schmerzen beim Atmen hatte, entschloss sie sich, das Ganze doch einmal untersuchen zu lassen. Weil Pfingsten und Wochenende war, hatte sie nur eine Chance: die Notaufnahme im Klinikum. "Ich kam 13.15 Uhr dort an. Eine Frau saß schon da, ansonsten war der Warteraum leer", erzählt Elisabeth Vogt. Anderthalb Stunden verstrichen, dann habe sie nachgefragt, wie lange es noch dauern werde, bis sie an der Reihe ist - die Schmerzen ließen nicht nach. "Ich bekam aber keine befriedigende Antwort." Also weiter warten. Als wenig patientenfreundlich empfand es die verletzte Frau, dass es weder einen Wasserautomaten noch etwas zu lesen in dem Warteraum gibt. "Dort liegen nur die Werbeblättchen von Discountern und Klinikumswerbung."

Nach circa drei Stunden habe die vor Elisabeth Vogt wartende Patientin aufgegeben und die Notaufnahme verlassen, eine Stunde später eine weitere junge Frau - beide ohne behandelt worden zu sein. "Ich wurde nach mehreren Nachfragen gegen 18 Uhr ins Sprechzimmer gerufen und sollte mein Kleid ausziehen", erzählt Elisabeth Vogt. Nachdem sie noch einmal eine Dreiviertelstunde gewartet habe, sei sie endgültig am Ende mit ihrer Geduld gewesen. "Nach sechs Stunden verließ ich erschöpft und frustriert die Ambulanz." Angeschaut habe sie niemand. Zwei Tage musste sie noch mit den Schmerzen leben. Am Dienstag nach Pfingsten ging die Patientin zu einem Orthopäden, der einen Rippenbruch diagnostizierte.

Verbesserungen geplant


Ulrich Pauer vom Qualitätsmanagement des Klinikums nimmt die Beschwerde von Elisabeth Vogt sehr ernst. "Es tut uns leid, wenn Patienten sehr lange warten müssen und nicht die Hilfe bekommen, die sie sich wünschen", schreibt er in einer Stellungnahme. Leider komme es häufig vor, dass diese Wartezeiten auftreten. Besonders irritierend sei es für die Patienten, wenn der Wartebereich relativ l eer ist, viele Notfälle aber über die Anfahrt für Liegendkranke kommen. "So entsteht fälschlicherweise der Eindruck, dass der Bereich nur wenig frequentiert wird. Grundsätzlich ist der Andrang in der Notaufnahme zu bestimmten Zeiten besonders hoch." Das betreffe vor allem die Stunden außerhalb der Praxiszeiten, die Wochenenden und Feiertage. "Dann ist die Notaufnahme neben einem ärztlichen Notfalldienst mit ein bis zwei Ärzten die einzige medizinische Versorgungsmöglichkeit. Und weil das Problem bekannt sei, werde nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation gesucht.

Damit seien derzeit der neue Chefarzt der Unfallchirurgie/Orthopädie, Thomas Mückley, und Oberarzt Gerd Kleilein beschäftigt. Mit der Einführung eines sogenannten Triage-Konzeptes (vom französischen "trier" für sortieren, sichten, einteilen) sind Veränderungen in der Organisation möglich. Praktisch soll das so aussehen: Eine geschulte Kraft interviewt und untersucht die Patienten kurz, um die Dringlichkeit einer medizinischen Versorgung festzustellen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass notwendige Behandlungen vorgezogen werden. "Bei weniger dringlichen Fällen vermindern sich die Wartezeiten dadurch noch nicht", stellt Ulrich Pauer fest. Deshalb sei er für Informationen, Kritik und Anregungen dankbar.

Die Kontaktdaten finden sich im Internet unter www.klinikum-coburg.de/Qualitaetsmanagement.786.0.html.