Zur Einweihung spielte die Stadtkapelle und es gab Bier und Bratwürste. "Hier steht es nun, das lang erwartete, vielgeschmähte, hochgelobte und oft verwünschte Parkhaus." Mit diesen Worten nahm 1977 der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Stammberger (SPD) die Eröffnung vor. Der Bau des Parkhauses Mauer war der erste Baustein für eine umfassende Altstadterneuerung in Coburg bis hin zur Fußgängerzone in der Spitalgasse.
35 Jahre später ist der Bereich zwischen Mauer und Webergasse erneut Baustelle: Im dritten und vierten Parkdeck laufen hinter behelfsmäßigen Holzwänden die Kompressoren, die einen Wasserstrahl mit einem Druck von 2000 Bar auf den Beton jagen.
Das halten die Betondecken nicht mehr aus - sollen sie auch nicht, denn Ziel ist es, den Beton abzutragen, die Armierungen zu überprüfen und dann eine neue Betonschicht aufzubringen, erläutert Joachim Schmidt, von der städtischen Wohnbau als Bauleiter für das Parkhaus abgestellt.

Weiße Wände, helles Licht

Salzwasser, das im Winter mit hineingefahren wird, hat den Beton und teilweise schon die Armierungen angegriffen. Die neuen Betonböden erhalten eine Schutzschicht, die sie gegen Salzwasser unempfindlicher macht, verspricht Schmidt. Wie die erneuerten Parkdecks aussehen, lässt sich in den oberen Etagen besichtigen: Weiße Wände und helle LED-Leuchten lassen den sechsten Stock weit weniger düster erscheinen als das noch unsanierte Erdgeschoss. Außerdem sind die Parkplätze großzügiger bemessen.

"Die Autos sind ja seit 1977 um einiges größer geworden", sagt Willibald Fehn, der kaufmännische Geschäftsführer der Wohnbau. Die Wohnbau betreibt die Coburger Parkhäuser über ihre Tochter, die Stadtentwicklungsgesellschaft. Geplant wurde die Sanierung von Jörg Hofmann, Diplomingenieur aus Fellbach. Dass ein Parkhaus im laufenden Betrieb saniert werde, sei ungewöhnlich, sagt er. Aber in diesem innerstädtischen Objekt nicht anders zu machen: "Die Bedeutung dieses Parkhauses für die Stadt kann gar nicht überschätzt werden", urteilt der gebürtige Münchner. "Ich habe selten ein Parkhaus gesehen, das derart frequentiert wird."

2014 ganz geschlossen

Begonnen haben die Sanierungsarbeiten schon 2012. Gearbeitet wird in diesem Jahr bis Anfang November, damit zum Weihnachtsgeschäft das Parkhaus wieder zur Verfügung steht, erläutert Schmidt. In der zweiten Januarwoche 2014 geht es weiter. Von Anfang August 2014 bis Ende Oktober wird das Parkhaus dann ganz gesperrt, weil auch die Zu- und Abfahrten erneuert werden. Derzeit ist etwa die Hälfte der Stellplätze durch die Bauarbeiten blockiert, sagt der Bauleiter. Denn es werden nicht nur die Decks gesperrt, wo der Beton aufgearbeitet wird, sondern aus Sicherheitsgründen auch die darunter.

"30 bis 40 Jahre" soll das erneuerte Parkhaus dann wieder ohne größere Sanierungsmaßnahmen halten, verspricht Fehn. 4,5 Millionen Euro kostet die Erneuerung, und die Stadtent wicklungsgesellschaft muss das Geld selbst aufbringen. Die Stadt gibt laut Fehn nichts dazu.

Nicht vollständig zu lösen ist laut Fehn und Schmidt ein altbekanntes Problem: Vor allem im Winter bilden sich im Bereich der Ausfahrt immer wieder große Pfützen. "Wir versuchen, das zu verbessern", erläutert Joachim Schmidt. Aber ganz werden die Pfützen nicht verschwinden, weil ein entsprechendes Gefälle zu den Gullys aus statischen Gründen nicht hergestellt werden könne. Der Beton wäre zu schwer.


Die Coburger Parkhäuser

Standorte Die Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadt Coburg (eine 94-prozentige Tochter der Wohnbau der Stadt Coburg) betreibt die drei städtischen Parkhäuser Mauer (Webergasse 6), Post (Hindenburgstraße 8, eröffnet 1984) und Zinkenwehr (Zinkenwehr 13, eröffnet 1992).

Mauer Das Parkhaus Mauer ist das älteste der drei. Eröffnet am 30. September 1977, bot es 486 Stellplätze, 48 davon als Dauerstellplätze in den Untergeschossen und 436 Kurzzeitparkplätze. Nach der Sanierung werden es 40 bis 50 weniger sein, da die Stellplätze verbreitert werden. Das Gebäude enthält außerdem 18 Wohnungen und acht Geschäfte.

Geschichte Das Parkhaus war der erste Schritt zur autofreien Innenstadt. Kaum war es eröffnet, war auf dem Marktplatz das Parken verboten. Zur Eröffnung gab es ein wahres Volksfest mit Bratwürsten zu 50 Pfennigen. Am gleichen Wochenende wurden das Coburger Altstadtfest und "150 Jahre Landestheater" gefeiert.