Dem HSC 2000 Coburg fehlte am Freitagabend beim TBV Lemgo eindeutig der Mumm. Viel zu verhalten, viel zu brav, in manchen Situationen sogar ängstlich wirkten die Aktionen der Vestestädter. Und ohne das dringend notwendige Selbstvertrauen ins eigene Können ist in der stärksten Handballliga der Welt nichts zu holen.
Die Folge: Eine völlig berechtigte 32:22 (10:15)-Niederlage beim bisher punktgleichen Rivalen. Mitentscheidend für das Debakel war allerdings auch eine herausragende Torwartleistung des polnischen National-Torstehers Piotr Wyszomirski, der den HSC-Werfern schon in der ersten Halbzeit den Zahn zog.


TBV Lemgo gegen
HSC 2000 Coburg 32:22 (15:10)

Die Nervosität war beiden Mannschaften anzumerken, schließlich stand bei jeweils 2:6 Punkten auch einiges auf dem Spiel. Zahlreiche Fehlwürfe und technische Fehler prägten die ersten Minuten.
Es war alles andere als ein gutes Spiel, dafür aber in den ersten zehn Minuten zumindest sehr Spannung.
Ärgerlich waren mehrere Fehlwürfe von "Kiwi", der aber im Gegensatz zum angeschlagenen Mittelmann Büdel trotz leichter Probleme im Oberschenkel spielen konnte (4:3/10.).


Schrecksekunde bei Hagelin

Aber auch die zwischenzeitliche Verletzung von Markus Hagelin warf die Vestestädter entscheidend zurück, denn der Schwede musste nach einer Knieverletzung bandagiert werden und hinterließ als zentraler Abwehrspieler mehrere Minuten große Lücken am eigenen Kreis, die die Gastgeber in der Folgezeit zu nutzen wussten.


HSC verlor die Übersicht

Die "Gelb-Schwarzen" verloren jetzt die Übersicht, gerieten bis zur 17. Minute mit 4:8 in Rückstand und Trainer Jan Gorr platze frühzeitig der Kragen. Lautstark beschwerte er sich immer wieder über Schiedsrichter-Entscheidungen und wurde verwarnt. Allerdings war ihm auch der Frust über die Spielweise seiner Jungs deutlich anzumerken. Deshalb machte er wohl in diesem Moment das einzig Richtige und legt den Grünen Karton für eine Auszeit auf den Tisch. Sein Team blieb zuvor mehrere Minuten ohne Treffer und der Rückstand wurde immer größer. Doch die kurze Verschnaufpause half nicht, sein Team wirkte weiter verunsichert und in vielen Aktionen zu unentschlossen (6:12/24).
Ein wesentlicher Faktor für diesen hohen Rückstand waren neben der deutlich aggressiveren Verteidigung der Gastgeber in erster Linie auch die Torhüterleistung: Während nämlich Oliver Krechel, der anstatt von Jan Kuhlanek erstmals in dieser Saison von Beginn an ins HSC-Tor durfte und nur eine Quote von knapp über 20 Prozent gehaltener Bälle erreichte, zeigte Nationalspieler Piotr Wyszomirski eine überragende Leistung. Mit einer Quote von fast 60 Prozent riss er seine Vorderleute immer wieder mit und begeisterte die mehr als 3000 Zuschauer in der Lipperlandhalle öfters.


Pole vernagelt seinen Kasten

Die Schützlinge von Ex-Nationalspieler Florian Kehrmann wurden dadurch immer selbstbewusster in ihren Aktionen und erhöhten bis zur Pause auf 15:10 - damit war die Gorr-Truppe sogar noch gut bedient.
Nach dem Wechsel kam der HSC mit mehr Mut und Courage aus der Kabine. Der Rückstand schrumpfte, weil die Fehler minimiert wurden. Außerdem zeigten jetzt auch die Lemgoer einige Schwächen und machten einfache Fehler. Die Partie war nicht gut, aber dank der Leistungssteigerung der "Gelb-Schwarzen" wurde es wieder etwas spannender (20:17/40.).


Aufholjagd nur ein Strohfeuer

Doch die kleine Aufholjagd entpuppte sich schnell als Strohfeuer der Gäste, die jetzt zur großen Enttäuschung der rund 20 mitgereisten Funktionäre und Fans sowie zum Entsetzen von Coach Jan Gorr einbrachen. Lemgo lag binnen weniger Minuten nach katastrophalen Fehlern der Coburger wieder mit sechs Toren vorn (23:17/46.) und Gorr nahm die nächste Auszeit, um seine zunehmend resigniert wirkenden Jungs wachzurütteln.


Frust pur: HSC brach völlig ein

Doch der Trainer war jetzt machtlos, konnte predigen was er wollte, seine Spieler hatten längst aufgegeben und gingen in der Schlussphase unter. Dass es ein Debakel mit letztlich zehn Toren Unterschied wurde, lag auch daran, dass sich die Gastgeber jetzt den Frust der letzten Wochen von den Fingern warfen und den Coburgern der letzte Wille sich zu wehren fehlte.
Gegen Stuttgart muss nächste Woche dringend eine enorme Leistungssteigerung her, wenn der HSC nicht vorzeitig den Anschluss ans "rettende Ufer" verlieren will.


Trainerstimme

Jan Gorr (HSC 2000 Coburg): Das ist natürlich eine hohe Niederlage für uns, hatten wir uns anders vorgestellt. Aber wir können die Augen vor diesem Ergebnis und dem Unterschied zu Lemgo nicht verschließen. Man muss aber auch sagen, dass ist die Mannschaft jetzt auch physisch an der Grenze ist. Es ist einfach nicht mehr zu kompensieren was uns an Physis durch das Fehlen von Tom, Nico, Philipp derzeit fehlt. Ein Markus und ein Kiwi alleine in der Mitte von der Deckung sind einfach zu wenig. Lemgo hat das vom Ergebnis zu Recht aufgezeigt.


Die Statistik


TBV Lemgo gegen HSC Coburg 32:22 (15:10)

TBV Lemgo: Wyszomirski / Maier - Mansson (5), Kogut (1), Ramba (2), Theuerkauf (2), Ebner, Hornke (8/2), Stenbäcken (1), Hermann (2), Skroblien, Suton (2), Hönig (1), Valiullin (1), Zieker (6).
Trainer: Florian Kehrmann.

HSC 2000 Coburg:Oliver Krechel / ab 31. Jan Kulhanek - Markus Hagelin (1), Lukas Wucherpfennig, Dominic Kelm (2), Sebastian Weber, Stefan Lex (3), Steffen Coßbau (7/4), Florian Billek (1), Till Riehn (1), Adnan Harmandic (1), Girts Lilienfelds (1), Romas Kirveliavicius (5).
Trainer: Jan Gorr.

SR: Michael Kilp (Oberursel) / Christoph Maier (Steinbach).
Beste Spieler: Wyszomirski, Hornke / keiner.
Zuschauer: 3106.