"Ich will nur noch raus aus dieser menschengemachten Hölle..."

Dieter Kellouche hat Probleme, sich am Telefon zu konzentrieren. "Ich vergesse Sachen schnell", sagt er. Noch immer sitzt er in Dubai in Haft. 2017 kam er ins Gefängnis, weil er angeblich Scheich Mohammed Sultan Bin Huwaiden Al Ketbi angegriffen haben soll. Dabei wollte er damals den Scheich, den er bereits kannte, auf der Straße begrüßen. Kellouche hatte Jahre zuvor in den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet. Aus der Begrüßung wurde ein Missverständnis, der Coburger wurde anschließend verurteilt. Weil ihm ein Angriff mit "terroristischem" Hintergrund vorgeworfen wurde, lautet das Urteil: lebenslänglich.

"Ich kann wirklich nicht mehr"

Seit Anfang Dezember haben wir mehrfach über den Fall berichtet. Auch der Coburger Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) hat sich eingeschaltet. Doch bisher ist nichts passiert. Und die Lage des Coburgers im Gefängnis wird schlimmer.

"Ich kann wirklich nicht mehr, ich weiß nicht, was ich sonst machen soll und der Zustand ist wirklich sehr schlecht." Das sagt Kellouche in einer Sprachnachricht an unsere Redaktion. Wir dokumentieren die Original-Nachricht mit seiner Zustimmung.

Körperlich werde er immer schwächer, sagt er in einem weiteren Gespräch. Er kann manchmal über die Messenger-Verbindung eines Bekannten nach außen telefonieren. Schon Ende November war Kellouche in Hungerstreik getreten. Das hält er bis heute durch. "Aber ich fühle mich immer schwächer. Manchmal verliere ich das Bewusstsein." Zudem wurde an seinem rechten Auge eine Netzhautablösung diagnostiziert. Eine ärztliche Behandlung ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Immer wieder Schikanen

Dafür werde die Behandlung durch die Wachen immer schlimmer. "Man hat mir mehrfach einfach die Decken weggenommen. Warum, weiß ich nicht. Aber dann gab es Auseinandersetzungen mit anderen Gefangenen, sie sagten, ich sei doch selbst schuld." Was damit gemeint war? "Das weiß ich nicht. Aber vielleicht haben die Verantwortlichen im Gefängnis mitbekommen, dass ich mich bemühe, hier herauszukommen." Durch den Streit habe er Herzrasen gehabt, sei wieder weggetreten gewesen. "Das war das einzige Mal, das ich etwas gegessen habe. Aber das ist mir auch nicht gut bekommen, nach der ganzen Zeit." In seiner Sprachnachricht bittet Kellouche jetzt noch einmal um den Einsatz von Hans Michelbach.

439 Begnadigungen

Denn Dieter hofft auf eine Begnadigung im Fastenmonat Ramadan, der am 13. April begonnen hat. Traditionell werden in dieser Zeit Gefangene entlassen. Auch in diesem Jahr ist das offenbar der Fall.

Laut der offiziellen Nachrichtenagentur der Vereinigten Arabische Emirate hat Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan, der Präsident der Emirate die Freilassung von 439 Gefangenen angeordnet. "Die Geste ist Teil der humanitären Initiativen Seiner Hoheit Sheikh Khalifa und spiegelt die Werte der Vergebung und Toleranz wider, um den Gefangenen die Möglichkeit zu geben, ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen und einen positiven Beitrag zum Dienst an ihren Familien und Gemeinden zu leisten", schreibt die Agentur wörtlich. Und: Die Begnadigten könnten "ihre Zukunft neu überdenken und auf den rechtschaffenen Weg" zurückkehren, der ihnen ein erfolgreiches soziales und berufliches Leben ermögliche.

Ob auch Dieter Kellouche davon profitiert - unklar. Allerdings ist Hans Michelbach bereits tätig geworden. "Ich habe offiziell über die Deutsche Botschaft und auch über das Bundesaußenministerium ein Gnadengesuch an die Emirate gestellt." Jetzt bliebe die Hoffnung, dass sich etwas bewege. In diesem Jahr endet der Ramadan am 12. Mai.