In einer Stellungnahme äußerte er gestern zwar auch Verständnis für die Entscheidung der Gesellschafter der Brose-Gruppe, Zukunftsinvestitionen an optimalen Standortbedingungen festzumachen. Dass von den drei Brose-Standorten Coburg, Bamberg und Würzburg zunächst Coburg nicht im Fokus steht, bedauere er aber "außerordentlich".

Die Entscheidung von Brose macht nach Ansicht von Friedrich Herdan "einmal mehr deutlich, wie ausschlaggebend optimale Standortbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen sind und wie stark Wirtschaftsräume zueinander im Wettbewerb stehen". Der Vorgang unterstreiche nachdrücklich die Priorität der Umsetzung baulicher Maßnahmen zur Verbesserung wirtschaftlicher Standortfaktoren in Coburg. Ein paar Dinge seien ja bereits auf den Weg gebracht: der Weiterbau der Staatsstraße 2205 als Verbindung von Coburg über Bad Rodach in den Raum Südthüringen; ein für Mitte 2012 geplanter Bahngipfel, der den ICE-Systemhalt ab 2017 sichern soll; und ein Planfeststellungsverfahren für den Bau eines richtlinienkonformen Verkehrslandeplatzes.

Projekte in der Warteschleife

Doch Friedrich Herdan bemängelt auch, dass einige "vordringliche, standortrelevante, innerstädtische Vorhaben" noch immer in der "Warteschleife verharren" würden: etwa der Bau eines Kongresshotels und der Ausbau des Tagungswesens (Entwicklung des Coburger Südens) sowie die Verbesserung der Parkplatzsituation im Stadtzentrum (Schlossplatztiefgarage). Die IHK würde schon seit längerem "anmahnen", so Friedrich Herdan, diese Projekte voranzubringen; zudem habe sich die IHK bei diesen Themen auch "unterstützend eingebracht".

Entscheidungen zur zeitnahen Umsetzung könnten aber ausschließlich von der Stadt getroffen werden, gibt der Präsident zu bedenken und schreibt in seiner Stellungnahme wörtlich: "Es ist Eile geboten, das Oberzentrum Coburg hat gegenüber den Nachbarstädten ganz offensichtlich Nachholbedarf." Und: "Die Stadtspitze sollte sich unverzüglich um Gespräche mit dem Gesellschafter und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Firma Brose bemühen, mit dem Ziel, das Entscheidungsgremium zum Ausbau des Standorts Coburg zu ermutigen. Es besteht akuter Handlungsbedarf!" Gegebenenfalls, so die leise Hoffnung Friedrich Herdans, bestehe für Coburg noch Gestaltungsspielraum. Und diese Chance gelte es jetzt zu nutzen.

Am Standort fördern

Der Coburger IHK-Präsident fügt auch noch einen grundsätzlichen Appell an: "Es ist meines Erachtens alles daran zu setzen, prosperierende Wirtschaftsunternehmen, wie im exemplarischen Fall die Firma Brose, mit hohem Innovationspotenzial und globaler Ausprägung, am Standort Coburg zu fördern. Permanente Bestrebungen neue Unternehmen für die Region zu gewinnen, dürfen dabei natürlich keinesfalls ins Hintertreffen geraten." os