Um in das Zelt zu gelangen, mussten die Besucher des traditionellen Zeltgottesdiensts in Hassenberg erst ein Stadttor passieren. Dort wurden sie durch die Kirchenvorsteher, die sich alle in mittelalterliche Kostüme geworfen hatten, begrüßt. Von Innen erweckten die Zeltwände eher den Anschein, als befinde man sich in einer Burg, denn die Zeltwände waren rundum mit einer nachgebastelten Mauer verkleidet.

"Als Martin Luther damals durch Rödental und Coburg gereist ist, kam er leider nicht durch Hassenberg - das holen wir heute nach", sagte Ronald Henke. Gemeinsam mit seinen Kirchenvorstehern hat der Pfarrer der Schlosskirche Hassenberg zu diesem Zweck ein Schauspiel auf die Beine gestellt, das im Rahmen des Zeltgottesdiensts am Sonntag vor 150 Besuchern aufgeführt wurde. "Für die Vorbereitung haben wir bestimmt vier Wochen gebraucht. Alleine das Basteln der Fassaden der Veste Coburg hat schon einige Abende für sich beansprucht", berichtete Ronald Henke.


Michael Hofmann hatte die Hauptrolle

Als Reformator Martin Luther trat Michael Hofmann auf, seinen Gegner, den Ablassprediger Johann Tetzel, verkörperte Claus Dötschel. In den Nebenrollen waren Brigitte Lang, Britta Vielweber und Hannelore Gesslein als mittelalterliche Bürgerinnen zu sehen. Nachdem Johann Tetzel um die Bezahlung von Geld für den Eintritt in den Himmel geworben hatte, trat Martin Luther auf und befestigte die 95 Thesen an der Zeltwand. Die Bürgerinnen nahmen dies als tolle Neuigkeiten auf, und machten sich daran, diese in den Sozialen Netzwerken zu verbreiten.
Ein weiteres Highlight des Gottesdienstes war ein Quiz, bei dem die Besucher entscheiden mussten, ob ausgewählte Sprichwörter auf die Übersetzung der Bibel von Martin Luther zurückgehen. "Aus Luthers Übersetzung sind zahlreiche Redewendung in unsere heutige Umgangssprache übergegangen. Im Alltag ist das den meisten gar nicht bewusst", erklärte Ronald Henke. Die besagten Sprichwörter waren auf den ausgelegten Liedblättern mit abgedruckt und wurden zusätzlich vorgelesen. Direkt im Anschluss gab es die Auflösung, die bei vielen Besuchern Erstaunen auslöste.

Für Ronald Henke ist es äußerst wichtig, die Mitglieder seiner Kirchengemeinde für ihren Glauben zu begeistern. "Für unseren mittlerweile traditionellen Zeltgottesdienst lassen wir uns jedes Jahr etwas Neues einfallen. In diesem Jahr war das Motto die Reformation, welche ja durch Martin Luther angeleitet wurde und vor genau 500 Jahren stattfand", berichtete Ronald Henke. "Die Resonanz war auch heute wieder äußerst positiv. Es ist toll, dass wir die Einwohner jedes Jahr aufs Neue begeistern können", meinte Henke.

Am Ende des Gottesdiensts wurden Ronald Henke noch zwei Geldspenden vom Schützenverein Hassenberg sowie der Schulinteressengemeinschaft Hassenberg-Wörlsdorf übergeben. Die Spenden sind für die Renovierung der örtlichen Schlosskirche gedacht.