Gar nicht wahr! Coburg hat sich nicht als zu klein erwiesen für ein richtiges, dauerhaftes Literaturfestival, wie anfangs von vielen Seiten befürchtet. Heuer findet "Coburg liest" zum zehnten Mal statt, vom 20. bis 25. April. Es wird von einem immer größeren Zuhörerkreis mit Spannung erwartet. Und was die Zukunft anbelangt, da ruft die Buchhändlerin Irmgard Clausen mit Leidenschaft: "Auf in die nächsten zehn Jahre!" Die unerlässlichen Sponsoren, so von Anfang an allen voran die Sparkasse und das Hotel "Goldene Traube", haben sich bisher als zuverlässig erwiesen.

Eine Autorengala mit Sten Nadolny, ein Abend mit Harry Rowohlt sowie ein Einblick in die Übersetzerwerkstatt von Friedhelm Rathjen gehören diesmal zu den Höhepunkten. Den Auftakt bildet der traditionelle Roman-Marathon, zu dem am 20. April Franziska Gerstenberg, Martin Horváth und Nora Bossong erwartet werden.
Auch das Projekt "Literatur in den Häusern unserer Stadt" des Landestheaters Coburg steht wieder auf dem Programm. Das Landestheater zählt damit erneut neben dem Coburger Literaturkreis, der Volkshochschule Coburg und der Buchhandlung Riemann zu den Veranstaltern der Literaturtage.

Harry Rowohlt liest und erzählt, und zwar was er will aus seinem riesigen Fundus, am Montag, 22. April, um 20 Uhr im Haus Contakt. Die Liste der Bücher, die Harry Rowohlt, auch als Kolumnist und Schauspieler bekannt, aus dem Englischen und Amerikanischen ins Deutsche gebracht hat, ist von staunenswerter Länge. Sie reicht von Autoren wie Ernest Hemingway über Flann O´Brian bis zu Kurt Vonnegut, A. A. Milnes "Winnie-der-Pu" sowie eine Vielzahl weiterer Kinderbücher nicht zu vergessen.

Harry Rowohlt live erleben

Von gleichem Rang ist Rowohlts geradezu legendäre Vortragskunst, die in Coburg auch schon beim Literaturkreis zu erleben war. Seine "Bühnen-Shows" sind legendär. Harry Rowohlt, geboren 1945, lebt in Hamburg, und hat für sein Schaffen zahlreiche Preise bekommen, unter anderem 2011 den Ehrenpreis des "Prix Pantheon".
"Literatur in den Häusern unserer Stadt, das beliebte "Extra" des Landestheaters, findet am Dienstag, 23. April, bereits zum sechsten Mal statt. Ensemblemitglieder des Landestheaters lesen in den Wohnungen Coburger Bürger aus ihren Lieblingsbüchern.

Der Übersetzer von James Joyce

Am Mittwoch, 24. April, folgt um 20 Uhr in der Alten Darre des Hofbrauhauses ein Abend mit Friedhelm Rathjen, einem der führenden Übersetzer aus dem Englischen. Am bekanntesten ist seine neue Version von Melvilles "Moby Dick". Auch Mark Twains "Huckleberry Finn" und andere Werke des 19. Jahrhunderts hat er ins Deutsche übertragen.

Das Kerngebiet Rathjens ist jedoch die literarische Moderne. Er hat Essays über Arno Schmidt verfasst. Essays und biographische Arbeiten begleiten auch seine Beschäftigung mit der irischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Nun liegt eine neue Übertragung des frühen Romans "Porträt des Künstlers als junger Mann" von James Joyce vor. Dieses Frühwerk ist, anders als "Ulysses" oder "Finnegans Wake", gut lesbar und erschließt dem Leser die Gedankenwelt eines werdenden Dichters, der gewisse Züge seines Autors erkennen lässt.

Auszüge aus diesem Werk werden von Rathjen vorgetragen. Das anschließende Gespräch soll Einblicke in die Sprach-Werkstatt des Übersetzers geben - und damit auch in die Welt des unerschöpflichen Erzählers James Joyce.

Ihren Abschluss finden die 10. Coburger Literaturtage am Donnerstag, 25. April, um 20 Uhr im Großen Saal von St. Augustin mit Sten Nadolny bei der Autoren-Gala. C.H./as

Roman-Marathon in der Reithalle

Beim Roman-Marathon am Samstag, 20. April, ab 19 Uhr wird Franziska Gerstenberg ihr Romandebüt "Spiel mit ihr" vorstellen, eine Geschichte um die Verstrickung in sexuelle Fantasien und die Hoffnung, der neue Lebenspartner von Kristine möge auch ein Vater für ihre Tochter werden. Die wiederum bezieht jedoch den arbeitslosen Nachbarn ein. Die in Berlin lebende Franziska Gerstenberg, 1979 in Dresden geboren, war bereits bei der Erstauflage von "Coburg liest!" dabei, damals als Erzählerin.

Martin Horváth liest aus seinem Debütroman "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten". Horváth erzählt darin die Geschichte von Ali, einem 15-Jährigen aus Westafrika, der in einem Wiener Asylbewerberheim als Erzählverführer seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen befreien will. Mit beißendem Spott und subversivem Humor tritt er die tägliche Weltrettung an. - Martin Horváth wurde 1967 in Wien geboren, studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst und lebt seit 1988 als freischaffender Musiker.

Nora Bossong wird ihren Roman "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" vorstellen. Sie erzählt darin vom Aufstieg und Fall des Fami lien unterneh mens Tietjen und Söhne. Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur.

Zeit für Sten Nadolny

Sten Nadolny ist in diesem Jahr die Autoren-Gala bei "Coburg liest" gewidmet: am Donnerstag, 25. April, um 20 Uhr im Großen Saal des katholischen Gemeindezentrums St. Augustin. Nadolnys Romane sind stets Übungen in intensiver Fremd- und Selbstwahrnehmung. Sich Zeit nehmen, um das Wichtige im richtigen Moment zu sagen und zu tun: Dieses Lebensprinzip sucht Sten Nadolny in allen seinen Büchern in die Tat umzusetzen.

"Die Entdeckung der Langsamkeit", der große Roman von 1983 über den Polarforscher John Franklin, traf einen Nerv der Zeit: Was uns heute generell fehlt, ist Ruhe und Bedächtigkeit für das Wahrnehmen der Welt um uns herum und für verantwortliches Entscheiden.

Eine Zeitreise ist auch Sten Nadolnys jüngster Roman "Weitlings Sommerfrische", aus dem der Autor bei "Coburg liest" vortragen wird: Ein Richter im Ruhestand fühlt sich, im Verlauf einer Segel-Havarie auf dem Chiemsee, in seine Jugend zurückversetzt. Er kehrt völlig verändert in die Gegenwart zurück. "Gott hat Talent zur Ironie", denkt sich Weitling, der an einem philosophischen Werk schreibt.


Karten für "Coburg liest 2013" gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Riemann am Markt, zum Preis von jeweils 10 Euro für die Autorenlesungen, von 15 Euro für den Roman-Marathon. An der Abendkasse kosten die Karten dann 13 und 20 Euro. Der Vorverkauf für "Literatur in den Häusern unserer Stadt" findet nur an der Kasse des Landestheaters statt (5 Euro, Schüler 2,50 Euro).- Weitere Informationen unter www.coburgliest.de.