Knapp 70 Kinder und Jugendliche kämpften bei den oberfränkischen Schulmeisterschaften in zwei Altersklassen um die Fahrkarte zum Landesfinale nach Rosenheim. Der fürs Klettern und Bouldern durchaus untypische Mannschaftsmodus habe für einen spannenden und abwechslungsreichen Wettkampf gesorgt, heißt es in einer Pressemitteilung. Am Ende setzten sich die Coburger Teams von Ernestinum und Alexandrinum durch.
Zehn unterschiedliche Routen und sechs Boulder, von den Organisatoren des Coburger Alpenvereins neu geschraubt, boten den gemischt-geschlechtlichen 4er-Teams (plus einem Ersatz) ein breites und gut abgestuftes Spektrum an Kletteraufgaben. Zwei Stunden lang durfte sich jede Mannschaft an den Routen versuchen und eine Stunde wurde im Team gebouldert. Das Bouldern war zum ersten Mal Bestandteil des Wettkampfs.

Beim Routenklettern differenziert die Wertung nach der Schwierigkeit.
In den leichten Touren im fünften Schwierigkeitsgrad konnten fast alle Akteure punkten, während die Top-Route im Grad 8-/8 am Ende nur ein einziges Mal bezwungen wurde. Für das Maximalergebnis musste der Endgriff einer Route erreicht werden. Eine reduzierte Wertung gab es für das Halten eines definierten Bonusgriffes auf etwas zwei Drittel Wandhöhe.


Es ging nur mit Teamarbeit

Beim Bouldern war für ein gutes Ergebnis echte Teamarbeit nötig. Mit gegenseitigem Coachen, Anfeuern und den richtigen Tipps mussten möglichst viele Teammitglieder zum Top gebracht werden. Die vollen 45 Punkte an einem Boulder gab es nur, wenn alle vier Starter in den vorgegebenen sieben Minuten erfolgreich waren. Für ein Top gab's fünf, für zwei 15 und für drei 30 Punkte. "Ein toller und für die Kids sehr motivierender Modus", urteilt Bernd Leuthäusser, Jugendreferent im DAV Coburg, in der Pressemitteilung.

Gerade beim Bouldern zeigte sich aber auch die große Spreizung im Leistungsniveau der Teilnehmer. Während das Team Ernestinum relativ mühelos die vollen 270 Punkte abhakte, kam die schwächste Mannschaft gerade mal auf fünf Punkte. Ein Unterschied, der aufgrund der Tatsache zustandekommt, dass ein Teil der Aktiven das Klettern nicht nur in den Schulgruppen, sondern auch in den Sektionen und Hallen des Alpenvereins und teilweise auch am Naturfels betreibt. Die Teams der Coburger Gymnasien haben diesbezüglich optimale Voraussetzungen: Viele der Akteure klettern in den Fördergruppen des DAV Coburg.


Überraschender Sieg des Alexandrinums

In der Wettkampfklasse III (Jahrgang 2002 und jünger) siegte diesmal nicht das Ernestinum (306 Punkte), sondern etwas überraschend die Konkurrenz des benachbarten Alexandrinums mit 380 Punkten. Merle Strauch, Vincent Kurt, Luisa Martin und Lucie Duong zeigten, dass es mit Einsatz und kluger Taktik durchaus möglich ist, auch ein vermeintlich stärkeres Team hinter sich zu lassen. Auf Platz 3 lag hier das WWG Bayreuth mit 277 Punkten.

Bei den Älteren, Jahrgang 1999 bis 2001, war das Ernes mit Enya Hunger, Celine Martin, Valentin Hermann, Levi Pientka und Urs Leuthäusser dann doch, wie gewohnt, überlegen und hatte am Ende weit über 200 Punkte Vorsprung vor dem GCE Bayreuth mit 532 Punkten. Als einziger Teilnehmer erreichte Urs Leuthäusser dabei die Maximalpunktzahl.


Persönliche Herausforderungen

Ganz unabhängig vom aktuellen persönlichen Leistungsniveau waren alle Schüler hoch engagiert und begeistert bei der Sache. Der Zeitrahmen wurde an den meisten Stationen bis zur letzten Sekunde ausgenutzt. An vielen Stellen wurden persönliche Herausforderungen gemeistert, individuelle Bestmarken geknackt und intensiv gegen die eigene Nervosität und die Vorstiegs-Angst gekämpft.

Schulklettern boomt landes- und bundesweit, denn es ist auf der einen Seite cooler Trendsport und auf der anderen Seite eine tolle Bewegungsform für das Training von Körperspannung, Kraft und Gleichgewicht. Diese Mischung mache das Klettern hochattraktiv für Schulen und Schüler, so Leuthäusser.

Die Coburger Schulen und die Sektion Coburg des DAV dürften sich hier durchaus als Vorreiter fühlen, heißt es weiter. Schon vor sechs Jahren sei im Rahmen einer gemeinsamen Ausbildungsoffensive zahlreichen Lehrkräften die Möglichkeit zum Erwerb der nötigen Übungsleiter-Qualifikation geboten worden. Das Angebot sei rege genutzt worden, es gebe jetzt viele "Kletter-Lehrer", und die Coburger Halle werde praktisch täglich für den Unterricht genutzt, elf unterschiedliche Schulgruppen seien aktuell aktiv. red