Genau 270 Jahre ist es alt und gehört immer noch zu den beliebtesten Werken seiner Gattung: das 1742 entstandene Oratorium "Der Messias" von Georg Friedrich Händel. In drei großen Teilen schildert es Verheißung und Geburt des Heilands, sein Leiden und die Auferstehung. Prachtvolle Arien und Chöre - darunter das berühmte "Halleluja", bei dessen Erklingen sich die Engländer ehrfurchtsvoll von den Sitzen erheben - beinhaltet das berühmte Werk, das jetzt in der passenden Adventszeit von der Kantorei St. Moriz, Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Coburg sowie den Solisten Claudia von Tilzer (Sopran), Stefanie Schmitt (Alt), Roman Payer (Tenor) und Martin Trepl (Bass) unter der souveränen Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein zur lebhaft gefeierten Aufführung gelangte.

Erst vor wenigen Wochen hatte Stenglein mit dem Bachchor die monumentale h-Moll-Messe von Bach aufgeführt. Nun zeigte die aus etwa 40 Sängerinnen und Sängern bestehende Kantorei von St. Moriz ihr Können und gründliche Schulung an einem weiteren Großwerk gleichen Umfangs und ähnlicher Schwierigkeit.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Chor beeindruckte durch wohltuend schlanken Klang, dennoch durchschlagkräftig im Forte, Homogenität der Stimmen, rhythmische Präzision sowie ungemein locker und beweglich ausgeführte Koloraturen. Natürlich wurde in originaler englischer Sprache gesungen, was dem Chor offensichtlich keine Schwierigkeiten bereitete.

Im "Halleluja" gesellten sich die hellen Oberstimmen der Kinderkantorei klangvoll hinzu. Das über zwei Stunden währende Riesenwerk wurde bis auf geringe (übliche) Kürzungen im dritten Teil vollständig dargeboten, was vom vielfach geforderten Chor nicht nur musikalisch Standfestigkeit verlangte.

Bei den Solisten gefiel der zarte, engelhafte und koloraturgewandte Sopran von Claudia von Tilzer ebenso wie der klanglich abgerundete, in der Höhe kräftige Alt von Stefanie Schmitt. Noch von der h-Moll-Messe in guter Erinnerung war der Tenor Roman Payer mit seiner angenehm warmen Stimmgebung und mühelosen Höhe. Martin Trepl beeindruckte mit mächtigem, raumfüllenden Bass, hatte aber Schwierigkeiten bei raschen Koloraturen.

Sehr gut bewährte sich das kleine Orchester aus Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Landestheater Coburg, das unter der klaren Diktion von Peter Stenglein straff und präzise agierte und sich in der barocken Phrasierungsart bewandert zeigte. Ein lupenreines, kultiviertes Trompetensolo lieferte Markus Rieperdinger in der Bass-Arie "The trumpet shall sound" ab.

Unter der konzentrierten, sorgsam gestaltenden Leitung des Dirigenten kam eine gediegene, nachdrückliche Wiedergabe des Händel-Werks zustande, die am Ende mit anhaltendem Beifall bedacht wurde. Die Mitwirkenden bedankten sich mit einer Wiederholung des "Halleluja".