So etwas hat die Morizkirche in den rund 800 Jahren ihres Bestehens wohl noch nie erlebt: "Luther mal privat - ein Abend zum Genießen", so lautete das Motto einer Veranstaltung der besonderen Art am Samstag.
Auf vielfältige Art wurden alle Sinne angesprochen:
Sehen - die Morizkirche im neuen Farbgewand, aber noch nicht ganz fertig gestellt, dazu zwei liebevoll gedeckte lange Tafeln.
Schmecken - den Besuchern wurde ein hochwertiges vier-Gänge-Menü serviert, dazu erlesene Getränke aus verschiedenen Ländern.
Riechen - Essensduft durchzog den weiten Kirchenraum.
Hören - Wort und Musik aus dem 16./17. Jahrhundert konnten sich in der wunderbaren Akustik entfalten.

Fühlen - "Ich fühle mich wohl, endlich wieder in meiner Morizkirche sein zu können, dazu zu so einem einmaligen Anlass!", schwärmte ein Besucher.
Was hat es mit diesem "Abend zum Genießen" auf sich? "Es handelt sich um eine Benefiz-Veranstaltung", erklärt Thomas Radermacher vom Kirchenvorstand. "Wir möchten mit diesem Abend die Morizkirche voranbringen. Immerhin muss die Kirchengemeinde 170 000 Euro Eigenleistung für den Umbau aufbringen. Wir vom Vorbereitungsteam sind sehr dankbar, dass wir so vielfältige und großartige Unterstützung bei der Umsetzung der Idee dieses Kirchendinners hatten."
Das Vorbereitungsteam, das sind neben Radermacher Gabi Ketteler, Kerstin Zimmer und Ortrun Stenglein-Gröschel, alle ebenfalls Mitglieder des Kirchenvorstands von St. Moriz. Kerstin Zimmer zählt auf: Das Menü wurde von Manfred Ertlschweiger und seinem Team des Restaurants Kräutergarten zum Selbstkostenpreis zubereitet: Rauchforellenpastete mit Rapunzelsalat und Kräutersoße, mittelalterliche Steinpilzsuppe in der Brottasse serviert, herzoglicher Rehrücken mit Wacholdersoße, Rosenkohlflan, Preiselbeerbirne und Wartburger Miniklößchen und Messweinsorbet mit Spekulatiuserde, Obladen-Nugatschnitte mit marinierten Zwetschgen und Topfenespuma. Zur Vorspeise wurde passend ein kräftiger Silvaner von den Hängen des Mains, herbfrisch und eben ein richtiger Franke gereicht. Zum Rehrücken brauchte es einen Rotwein aus südlichen Gebilden, einen "Corbieres aus dem südlichen Welschland, gehaltvoll, ausdrucksstark und nachhaltig fein abgestimmt zum heimischen Wild.
Eine Reihe lokaler Jäger stellten Fleisch zur Verfügung. Familie Oertel half bei der Auswahl deutscher und französischer Weine, Familie Pilarzyk lieferte den Luthertrunk. Das Grünflächenamt der Stadt Coburg und die Floristin Alexandra Probst-Schnellhardt trugen dazu bei, das Ambiente in der Kirche schaffen, die Druckerei DCT spendete Plakate sowie Einladungs-und Tischkärtchen. Gabi Ketteler kommt ins Schwärmen: "Dass wir den in Coburg bekannten Melchior-Franck-Kreis gewinnen konnten, die musikalische Ausgestaltung zu übernehmen, hat uns besonders gefreut. Denn neben Musik von Melchior Franck spielte das Ensemble auch Werke mehrerer Morizer Kantoren des frühen 17. Jahrhunderts."
Die Besucher staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass rund 80 Prozent des Eintrittspreises tatsächlich als Spende für die Renovierung übrig bleiben.
Und Luther? Der durfte nicht fehlen! Dekan Christoph Liebst verkörperte den Reformator, der sich ein Streitgespräch mit seiner Frau Katharina von Bora (Christa Barsch) lieferte und das Tischgebet und den Abendsegen sprach.
Die über 100 Teilnehmer waren rundum zufrieden. "Man müsste diese grandiose Idee mindestens alle zwei bis drei Jahre wiederholen!", sagte ein begeisterter Besucher. " Ein anderer ergänzt: "Das Farbkonzept ist unglaublich schön, dazu warmes Licht - wunderbar!""Das passt zu Coburg und zu St. Moriz: Die Kirche steht im Mittelpunkt der Stadt, wir freuen uns, wenn wir wieder regelmäßig hierher kommen können" , so eine andere Stimme.
"Luther mal privat: Der Abend zeigte, dass sich ehrenamtliches Engagement auszahlt. Es konnte ein erheblicher finanzieller Beitrag für die Kirchenrenovierung erwirtschaftet werden", resummierte Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein.