Der Zauber wirkt schon mit den ersten Tönen. Schwebend, zart, körperlos, zerbrechlich - so zieht das Verrophon in Bann. Gläserne Klänge im Glasmuseum - eigentlich eine naheliegende Kombination. Doppelt reizvoll wird das Musizieren dann, wenn sich Glasspiel oder Glasharmonika mit der Harfe verbinden wie am Donnerstag im Europäischen Museum für Modernes Glas im Park von Schloss Rosenau.

Der seit einigen Jahren in Gemünda lebende Glasmusiker Martin Hilmer war schon mehrfach an gleicher Stelle zu Gast. An diesem Abend kommt er in Begleitung der jungen Coburger Harfenistin Janina Frankenberger, die diesen Part sehr kurzfristig für die erkrankte Harfenistin Rosmarie Schmid-Münster übernommen hat.

Ausdrucksvoll singende Melodien

Verrophon oder Glasharmonika im Duett mit der Harfe - das wird zur Begegnung ganz besonderer Klangwelten.
Transparente, beinahe schwerelose Klänge zeichnet dieses Instrumentenpaar aus - Klänge, die nie laut werden, aber dennoch verblüffend tragfähig wirken.

Wenn Glasinstrumente und Harfe gemeinsam musizieren, ergibt sich die Aufgabenverteilung beinahe von selbst. Diese Instrumentenkombination lädt jedenfalls dazu ein, die jeweiligen charakteristischen Spielmöglichkeiten zu nutzen. Die Harfe wird gerne für auf und ab rauschende Arpeggien genutzt und eignet sich in dieser Duobesetzung deshalb besonders gut für die Begleitung. Verrophon, Glasharmonika oder Glasspiel dagegen bieten sich besonders an für ausdrucksvoll gesungene Melodien.

Mit Fingerspitzengefühl

Frankenberger und Hilmer beweisen dabei ihr Geschick, stilistisch einfühlsam und im lebendigen Wechselspiel zu musizieren. Das gilt für einen Concerto-Satz Johann Sebastian Bachs nach einer Vorlage von Antonio Vivaldi ebenso wie für ein Grazioso von Johann Friedrich Reichardt oder eine Flötensonate Vivaldi.

Besonders eindringlich klingen die Glasinstrumente, wenn sie sehnsüchtige Melodien anstimmen können wie zum Beispiel Glucks Tanz der seligen Geister aus "Orpheus und Eurydike". Wer Glasharmonika spielt, kommt an Mozarts spätem Adagio für Glasharmonika einfach nicht vorbei. Martin Hilmer interpretiert dieses geradezu sphärisch anmutende Stück buchstäblich mit feinem Fingerspitzengefühl. Aber auch Janina Frankenberger demonstriert solistisches Potenzial mit einer dreisätzigen Sonate des französischen Harfenisten und Komponisten Francesco Petrini.

"Der Schwan" als Zugabe

Im zweiten Teil dominieren dann französische Klänge von Fauré über Satie bis hin zu Saint-Saëns mit seinem majestätisch über das Wasser gleitenden Schwan. Der ausdauernde Beifall wird schließlich noch mit einer Zugabe belohnt - dem langsamen Satz aus Bachs f-Moll-Cembalo-Konzert.


Die Musiker und ihre Instrumente

Martin Hilmer lebt in Gemünda und konzertiert seit 1996 mit seinen raren Instrumenten aus Glas. Hilmer studierte Musik an der Universität Augsburg und war zuvor am Klavier Schüler von Maria Landes-Hindemith in München.

Das Verrophon bündelt senkrecht angeordneten Glasröhren in einem hölzernen Korpus. Wie beim Gläserspiel wird das Verrophon an der Oberkante mit feuchten Fingern angespielt.

Das Gläserspiel zeichnet sich durch seinen zarten Klang aus. Das auch als Glasharfe bezeichnete Instrument bestimmt aus gestimmten Weinkelchen.

Glasharmonika Erfunden wurde dieses Instrument 1761 von Benjamin Franklin. Auf einer horizontal angebrachten rotierenden Achse sind gestimmte Glasschalen unterschiedlicher Größe wie in einer Art Klaviatur angeordnet.

Janina Frankenberg erhielt nach vorhergehendem Klavierunterricht mit 12 Jahren ihren ersten Harfenunterricht bei Maria Lazar. 2006/2007 war sie Jungstudentin, seit 2007/2008 studiert sie bei Gisèle Herbet an der Hochschule für Musik Würzburg. Sie war mehrfache Preisträgerin beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" und ist Stipendiatin der Riebesamstiftung. Sie absolvierte Meisterkurse bei Frédérique Cambreling und Isabelle Moretti sowie mit diversen Kammermusikpartnern.