Im Sonnefelder Ortsteil wird im kommenden Jahr an gleich zwei wichtige geschichtliche Ereignisse erinnert. Vor 900 Jahren, nämlich 1122, wurde Gestungshausen erstmals urkundlich erwähnt. Darauf sind die Gestungshäuser natürlich ein wenig stolz. Außerdem erfolgte 1972 die Eingemeindung nach Sonnefeld.

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um das Doppel-Jubiläum zu einem unvergesslichen Veranstaltungshighlight werden zu lassen. Schon jetzt sind Karten für die "Lachnacht" am 27. Mai bei Philipp Kestel oder online unter 900-jahre@gestungshausen.de erhältlich.

Auf dem Weg von Coburg nach Kronach fahren viele durchs Steinachtal und somit an Gestungshausen vorbei. Nicht allen dürfte jedoch bekannt sein, dass es der älteste Ort in der Gemeinde Sonnefeld ist, Marktflecken war und sogar ein Stadtrecht besaß. Außerdem brachte Gestungshausen bekannte Persönlichkeiten hervor. Unter anderem wurde Werner Johannes Krauß 1884 im Pfarrhaus geboren und starb 1959 in Wien. Er zählte zu den größten Schauspielern seiner Zeit. Kurt Hertha, der als Andy Adison oder Felix Prost bekannt ist, erblickte 1926 in Gestungshausen das Licht der Welt. Der Textdichter und Komponist arbeitete unter anderem mit Komponisten wie Henry Mayer, Ralph Siegel, Heinz Gietz, Karl Götz, Rolf Arland oder Christian Bruhn zusammen.

Um das Jahr 1000 wurde vermutlich der Ort "Gestineshusen" gegründet und hatte mit den Wildbergern einen Ortsadel, der sogar eine Eigenkirche besaß. Durch Verkauf gingen die Ländereien von Gestineshusen samt Gericht ins Eigentum des Bistums Bamberg über und wurden weiter ans Kloster Michelsberg verschenkt. Als Vogt wurde Graf Sterker eingesetzt. In der entsprechenden Schenkungsurkunde von 1122 wurde Gestungshausen erstmals urkundlich erwähnt. In diesem Dokument wurde auch die Entschädigung des Vogts für seinen Dienst festgelegt. Er erhielt neben zwei Geldscheinen und einem Läufer, ein Ferkel, vier Scheffel Weizen zum Brotbacken, zehn Scheffel Hafer als Futter, eine halbe Fuhr Bier und einen Eimer Met (Wobei ein Fuder je nach Region knapp 1000 Litern und ein Eimer etwa 150 Litern entsprach, die Red.).

Am 26. Juni 1550 wurde Gestungshausen ein Siegel und das Stadtrecht verliehen. Infolge des Krieges konnte sich das Dorf nicht weiter entwickeln, weshalb das Stadtrecht später wieder aufgehoben wurde. Damals zählte Gestungshausen neben Coburg, Rodach, Neustadt, Sonnefeld, Gauerstadt, Meeder und Großwalbur zu den acht größten Orten im Coburger Land, auch von der Einwohnerzahl her. Außerdem verfügte der Ort über ein eigenes Gericht. Mit dem Stadtrecht war auch das Bürgerrecht verbunden. Dieses konnte sogar bei Wohnortwechsel beibehalten werden, wenn eine Gebühr von sieben Gülden dafür bezahlt wurden. 1534 wurde Gestungshausen als Weinort bezeichnet. Der Ertrag war allerdings sehr gering und der Wein sauer, trotzdem gibt es bis heute noch den Weinberg.

1657 gab sich Gestungshausen eine Gemeindeordnung. Diese bestand aus 15 bürgerrechtlichen, strafrechtlichen und Brauvorschriften. Allein vier Vorschriften bezogen sich auf das Brauwesen, um den einzelnen Bürgern das Recht zu verleihen, selbst Bier zu Hause herzustellen. Außerdem wurde dort unter anderem festgehalten, dass nur der Schultheiß (Bürgermeister) den Schlüssel zum Gemeindebrauhaus hat und keiner seiner "sämtlichen Zwölfer" (Gemeinderäte). Aus dieser Urkunde geht hervor, dass Gestungshausen zu dieser Zeit Marktflecken war.

Als die Gebietsreform in Bayern begann, dachte niemand, dass Gestungshausen einmal seine Selbständigkeit aufgeben würde. Schließlich stand der mittelgroße Ort damals auch von den Steuereinnahmen her gut da.

Bis zur Eingemeindung war Heinz Bär Bürgermeister. Er erinnert sich noch genau, wie es war, als Gestungshausen am 1. Januar 1972 Ortsteil von Sonnefeld wurde. Aus Recherchen von Georg Fischer und Emil Schmidt hat er Aufzeichnungen zusammengefasst, die einen guten Einblick in die Geschichte des Dorfes geben. "Eigentlich sollten wir zum Landkreis Kronach kommen", erklärt Bär. Durch Abstimmung in Bürgerversammlungen haben sich allerdings 93 Prozent der Einwohner aus den Dörfern im Steinachtal für den Verbleib im Landkreis Coburg entschieden. Lediglich zwei Dörfer gaben Mitwitz den Vorzug.

"Im Juni 1971 führte ich mit dem damalige Sonnefelder Bürgermeister Arno Engelhardt und dessen Stellvertreter Alfred Ernst erste Gespräche. Ende Oktober beriet dann der Gemeinderat von Gestungshausen über den Anschluss zu Sonnefeld", erzählt der Altbürgermeister. Auf Gestungshäuser Seite wurden für den Beitritt Forderungen zusammengestellt. Unter anderem sollten die vier Grundschulklassen beibehalten werden. Auf diese Forderungen reagierte der Sonnefelder Gemeinderat sauer. Das Gremium vertrat die Ansicht, dass sich die "Gestungshäuser Braut" vor ihrer wichtigen Entscheidung reichlich ziert. In der Gemeinderatssitzung Anfang November in Gestungshausen konnten dann echte Fortschritte im Hinblick auf einen Zusammenschluss zum 1. Januar 1972 erreicht werden, nachdem Bürgermeister Engelhardt Stellung zu den Wünschen der Gestungshäuser nahm. Am Ende sprach sich der achtköpfige Gestungshäuser Gemeinderat einstimmig für den Anschluss nach Sonnefeld aus. Bereits am 14. November folgte ein Bürgerentscheid. 85 Prozent der 898 Einwohner stimmten für die Eingemeindung. Die Regierung von Oberfranken erklärte daraufhin mit Wirkung zum 1. Januar 1972 die offizielle Eingliederung der Gemeinde Gestungshausen mit den Ortsteilen Weickenbach und Firmelsdorf nach Sonnefeld.

"Die Selbständigkeit aufzugeben, war wohl der schwierigste und schwerwiegendste Beschluss für mich und den Gestungshäuser Gemeinderat", betont Heinz Bär. Rückblickend sei dieser Entschluss jedoch richtig gewesen. In den 50 Jahren wurden zahlreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Gewerbe- und Baugebiete erschlossen und die Vereine unterstützt. "Es hat sich einiges getan und das Notwendige wird gemacht. Auch wenn wir Sonnefelder sind, werden wir immer Gestungshäuser bleiben", resümiert er patriotisch.

Die Feiern zum Doppeljubiläum beginnen am Himmelfahrtstag, 26. Mai, um 10 Uhr mit Bieranstich und Eröffnung durch Schirmherrn Bürgermeister Michael Keilich.