Meeder — Die von der Bundesregierung verordnete Energiewende brachte einen heftigen Konkurrenzkampf hinter den Kulissen mit sich. Im Rathaus von Meeder haben sich laut Bürgermeister Josef Brunner bisher zehn Unternehmen mit dem Plan vorgestellt, einen Solarpark in der Gemeinde errichten zu wollen. Mit dem Vertreter einer dieser Firmen, der Advanced Solar Technologies (AST) aus Hirschaid kam es zu Differenzen, die zum Teil auch öffentlich ausgetragen wurden.
Die AST befasst sich mit der Projektierung und Errichtung von Photovoltaik-Anlagen und arbeitet unter anderem mit der Deutschen Bürger-Energie eG (DBE) zusammen, die als Genossenschaft die Betreiber solcher Anlagen berät und für die Finanzierung sorgt.
Eine öffentliche Veranstaltung der DBE in Meeder nutzte Bürgermeister Brunner nun dazu, den Sachverhalt aus seiner Sicht näher zu erläutern und den Status Quo in der Gemeinde darzulegen.

Der Gründer und Firmeninhaber der AST Harald Kegelmann bekam ebenfalls die Möglichkeit, die Entwicklung der Dinge aus seiner Sicht zu schildern: "Bei der ersten Kontaktaufnahme mit der Gemeinde Meeder im Dezember 2010 stellte sich heraus, dass die für einen Solarpark ins Auge gefassten Flächen entlang der Bahnlinie Coburg-Bad Rodach als Naturschutzgebiet ausgewiesen waren." Nach der Novellierung des EEG (Gesetz zur Erneuerbaren Energie) im Sommer 2012 eröffneten sich neue Möglichkeiten für die Nutzung solcher Flächen.

Flächen an Trassen interessant

Durch die Gesetzesänderung wurden Bereiche entlang von Bahnlinien und Autobahnen, sowie auf Deponien und Ausgleichsflächen im Hinblick auf regenerative Energiegewinnung aufgewertet und für Investoren wieder interessant. "Daraufhin führten wir Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern und mit dem zuständigen Versorgungsunternehmen über die technischen Grundlagen für die Zuleitung und Einspeisung", beschrieb Harald Kegelmann die weitere Entwicklung. Mit der Gemeinde sollte das Einvernehmen hergestellt werden, nachdem diese Voraussetzungen erfüllt waren.


Gemeinde Meeder sihet ihre Planungshoheit gefährdet


Mit dieser "Marschroute" sah Bürgermeister Brunner jedoch die Planungshoheit der Gemeinde gefährdet: "In der Gemeinderatssitzung am 24. Juli 2012 wurde mehrheitlich beschlossen, keine Sonderflächen für Photovoltaik-Anlagen entlang der Bahnlinie auszuweisen." hielt der Bürgermeister fest.
Die ablehnende Haltung der Gemeinde sei von allen Bewerbern zur Kenntnis genommen worden, mit Ausnahme der Firma AST, merkte Brunner an. Ende Oktober 2012 folgte eine entsprechende Mitteilung an den Inhaber Harald Kegelmann.
"Es wurden offensichtlich dennoch Verträge mit Grundstückseigentümern geschlossen, ohne die Bauleit- und Landschaftsplanung der Gemeinde Meeder zu beachten. Als nächstes folgten Vorwürfe gegen mich mit dienst- und strafrechtlich relevanten Inhalten, mit denen Druck aufgebaut werden sollte", sagte der Bürgermeister.
"Einen anders lautenden Gemeinderatsbeschluss, aus dem die Firma AST und die DBE einen Rechtsanspruch für den Bau einer Freiland-PV-Anlage ableiten könnten, hat es nie geben", versicherte Josef Brunner .

Entscheidung für Landkreis

Grundsätzlich sei gegen eine genossenschaftliche Bürgergemeinschaft als Investor und Betreiber einer solchen Anlage nichts einzuwenden, sagte der Bürgermeister: "Die Würfel sind in Meeder jedoch zugunsten einer anderen Lösung gefallen", verwies Brunner auf das geplante gemeinsame Projekt mit dem Landkreis. Die Entscheidung im Gemeinderat verteidigte er der Aussage, diese sei auch davon geprägt gewesen, die Bauleitplanung weiterhin unvoreingenommen und ohne äußere Einflüsse in den eigenen Händen zu behalten.