Als Anna am Mittwochmorgen ihre Tiere füttern will, ist es ungewöhnlich still. Totenstill. Als die 14-Jährige die Voliere betritt, weiß sie auch, warum: Auf der Erde liegen mehrere Enten- und Hühnerköpfe.

Zuerst glaubt die Schülerin, ein Streit unter Artgenossen ist eskaliert. "Ich habe erst einmal mit meinen Hühnern geschimpft." Doch dann bemerkt Anna, dass von dem toten Geflügel außer den Köpfen nichts mehr übrig ist. Und die sind sauber abgetrennt. "Da habe ich das Loch im Zaun entdeckt."

Von dem Moment an ist der Familie klar: Menschen haben das Blutbad in ihrem Gehege unweit der B303 - direkt an der Zeickhorner Kreuzung - angerichtet. Und die Täter wussten genau, was sie suchen: Vier Warzenenten, sechs Delusa-Zuchtpaare und acht Pommerngänse sind weg. Erst vor sechs Wochen hat Annas Vater die Delusa-Gänse für 2500 Euro gekauft. Der 56-Jährige glaubt, dass die Täter das Gehege in den vergangenen Wochen beobachtet haben und wussten, dass sich ein Einbruch lohnt. Anna deutet auf die Stelle, wo jetzt nur noch schwarze Hühner stehen. "Die haben nur die senffarbigen mitgenommen, die anderen haben sie offenbar nicht interessiert."

Von drei Hühnern und drei Enten haben die Tierquäler nur noch die Köpfe liegen gelassen.

Blutspuren und - Spritzer in der Voliere zeugen von dem Todeskampf der Gefiederten. Womöglich versuchen die Täter, mit den Zuchttieren Geld zu machen. "Die Hühner könnten sie als Schlachttiere verkaufen", erklärt Matthias Höhn, seit 32 Jahren selbst Geflügelzüchter. "Die Täter kennen sich offenbar aus."

Viele der Tiere wurden von Anna mit der Hand aufgezogen, sind Fremden gegenüber zahm und zutraulich. "Auf Kommando gehen sie auch in den Angriff, verfolgen die Leute und hacken in die Beine, aber nur wenn ich das sage." Nachts von den Tätern in der Voliere überrascht, hatte das Federvieh keine Chance.Die Laufenten draußen im Gehege hatten noch Glück. "Sie können schnell rennen und konnten wohl weglaufen."

Doch nicht einmal vor dem angrenzenden Forellenteich haben die Kriminellen Halt gemacht. "Wir glauben, dass sie den Teich unter Strom gesetzt und so die Forellen betäubt haben", mutmaßt Matthias Höhn. "Wenn sie bewusstlos sind, kommen sie an die Wasseroberfläche und können raus gefischt werden." Vor dem Einbruch war der Teich gut gefüllt, die Fische hätten bereits eine Länge bis zu 55 Zentimeter gehabt.

In wenigen Wochen hätte Matthias Höhn die Forellen geschlachtet und zum Weihnachtsfest verkauft.Ein paar wenige Exemplare schwimmen noch im Teich, rund 100 Forellen sind spurlos verschwunden. "Aber sie sind verletzt", meint Anna. "Das sieht man an den weißen Flecken am Rücken und an der Seite." Rund 5000 Euro Schaden, rechnet ihr Vater vor, haben die Tierquäler verursacht.

Die verbliebene Hühnerschar trauert

Der finanzielle Schaden ist die eine Sache. "Das war schlicht Tierquälerei. So geht man nicht mit Lebewesen um", findet Matthias Höhn. Die verbliebenen Tiere hätten am Tag nach der Bluttat getrauert, seien still gewesen und würden seitdem kaum fressen. Bis zu sechs Wochen könnten sich die Hühner, Enten und Gänse daran erinnern, was passiert ist.

Bereits vor zwei Jahren haben Diebe im Gehege von Matthias Höhn zugeschlagen und Gänse gestohlen. Die Täter wurden nie gefasst. Der 56-Jährige aus Birkach am Forst hat genug von dem Federkrieg. "Ich habe heute zwei weitere Überwachungskameras bestellt." Bereits jetzt gibt es an dem Gehege eine Kamera und diverse Bewegungsmelder. Die wurden von den Tätern jedoch geschickt umgangen.

Dennoch hofft der Geflügelzüchter, dass womöglich ein Autofahrer, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf der B303 unterwegs war, etwas Verdächtiges bemerkt hat. Zwar sei der Bereich des Geheges, in dem die Täter ihr Unwesen getrieben haben, von der Straße aus schwer einzusehen. "Aber die Täter müssen Taschenlampen dabei gehabt haben. Vielleicht ist jemandem der Lichtkegel aufgefallen", hofft Matthias Höhn. Dass es mehrere Täter waren, davon gehen Vater und Tochter aus. "Ich glaube, einer hat Wache gehalten und zwei haben sich unsere Tiere geholt."

Hinweise nimmt die Polizei Coburg unter der Telefonnummer 09561/6450 entgegen. Und Anna überlegt, ob sie ihre Tiere mit einem Schäferhund schützen könnte.