Rasch und unbürokratisch hat der Gemeinderat auf die bevorstehende Schließung des "Tegut"-Einkaufsmarktes in der Ortsmitte reagiert. Mit einem Probelauf wird ab Anfang November ein Einkaufs-Fahrdienst aus fünf Gemeindeteilen angeboten. Mit diesem wird zunächst ausschließlich der Netto-Einkaufsmarkt angefahren.
Der Versuchslauf ist momentan auf ein halbes Jahr beschränkt, und wird - auch, um den bürokratischen Aufwand zu minimieren - vom Krankenpflegeverein Weitramsdorf-Seßlach bedient.

Pro Jahr Kosten von rund 20.000 Euro

Die pro Jahr auflaufenden Kosten bezifferte Bürgermeister Christian Gunsenheimer (Freie Wähler) bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend auf rund 20.000 Euro. Diesen Probelauf hießen (bei einer Gegenstimme) alle Gemeinderäte gut, wenn auch während der Aussprache einige Bedenken auszuräumen waren.
Tobias Franke (FW), wollte wissen, ob die Kommune auch Kostensteigerungen bei diesem Angebot auffangen werde.

Ulrich Kräußlich (FW) hingegen warnte davor, jetzt panikartig den Eindruck zu erwecken, "als müssten die Einwohner verhungern". Es gebe im Ort eine Pizzeria, Metzgereien, Bäckereien, einen Getränkemarkt und viele mobile Dienstleister. Über diese sei es sogar möglich, sich Grundnahrungsmittel bis vors Haus liefern zu lassen. Anke Schäfer (ÜPWG) warnte zudem davor, den "kommunalen Zubringerdienst" nur auf den "Netto-Markt" in Weidach zu konzentrieren.

Daraus könnte sich bei den Nutzern schnell eine Gewohnheit entwickeln, die sich für einen eventuell später zu gründenden Weitramsdorfer Dorfladen als Nachteil herausstellen könnte.

Wie wäre es mit einem Dorfladen?

Über die Möglichkeit, die Nahversorgung über einen Dorfladens abzusichern, informierte Volker Hahn, der an der Verwirklichung des heute noch erfolgreichen Heilgersdorfer Dorfladens beteiligt war. Aus der Erfahrung von Heilgersdorf zählte er die einzelnen Schritte auf, die dem Aufbau des Dorfladens vorangehen. Diese reichen von der Klärung der Finanzierung bis zur Suche nach einem geeigneten Verkaufsraum und den Aufbau eines professionellen Warenwirtschaftssystems. Wichtig sei es auch, die künftigen Käufer zunächst nach ihren Warenbedürfnissen zu befragen. Und nicht nur das: Die Menschen müssten auch bereit sein, sich finanziell oder über Eigenleistung in einen genossenschaftlich geführten Betrieb einzubringen. Die Gesellschaftsform wäre eine GmbH & Co. KG.

In Heilgersdorf läuft der Dorfladen nach Angaben Hahns recht gut. Bei rund 35.000 Euro Netto-Umsatz pro Monat stehe am Ende ein Jahresüberschuss im mittleren vierstelligen Bereich. Gewinne werden an die Genossen in Form von Ware oder Bons ausgezahlt. Auf die Frage, welche Basiskosten auf die Gemeinde bereits bei der Bürgerbefragung zukommen, meinte Hahn: "Es kommen rund 3000 Euro zusammen."

Frage ist nicht "ob"

Wichtig sei es aber, schon im Vorfeld eine Stimmung zu wecken, bei der in der Dorfladen-Frage nicht das "Ob", sondern das "Wann" und "Wo" im Mittelpunkt stehe. Nach eingehender Diskussion und der Klärung von Einzelfragen beschloss der Gemeinderat einstimmig, eine Bürgerbefragung zum Dorfladen in Angriff zu nehmen.