Nur wenige Wochen nach dem Insolvenzantrag der Gehrlicher Solar AG zeichnet sich eine Lösung für die Zukunft des Photovoltaik-Unternehmens ab. Insbesondere die Investorensuche für die erfolgreich wachsende operative Tochtergesellschaft in den USA verläuft nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Oliver Schartl (Kanzlei Müller-Heydenreich Beutler & Kollegen; München) erfolgreich. "Ich sehe sehr gute Chancen die Gehrlicher Solar America Corporation zeitnah an einen Investor veräußern zu können", teilte gestern Schartl mit. Die Sondierungsgespräche im Rahmen der Investorensuche, die von einem deutschen und einem amerikanischen Beratungsunternehmen begleitet wird, seien bereits in einem sehr fortgeschrittenen Stadium.
Schartl zufolge würden parallel Solarprojekte, die sich im Bestand der Tochtergesellschaften in Italien und Spanien befinden, sowie vorhandene Projektrechte durch ein M&A-Beratungsunternehmen
am Markt angeboten. Er bekräftigte, dass die Auslandsgesellschaften der Gehrlicher Solar AG stabil liefen und nicht direkt von dem Insolvenzantrag betroffen seien.

Investor ist in Sicht

Für die Gehrlicher Solar AG prüft Schartl mit seinem Team und dem Unternehmens-Management derzeit die Möglichkeiten eines Insolvenzplanverfahrens mit Hinzunahme eines Investors, um große Teile von Gehrlicher auch in Zukunft weiter erhalten zu können. Auch am Standort Neustadt.
Inzwischen ist es dem vorläufigen Insolvenzverwalter in enger Zusammenarbeit mit dem vorläufigen Gläubigerausschuss gelungen, den Betrieb zu stabilisieren und die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter über eine kollektive Insolvenzgeldvorfinanzierung zu sichern. "Alle Mitarbeiter erhalten bis einschließlich September Insolvenzgeld", sagte Schartl. Der Geschäftsbetrieb könne vorerst in allen Bereichen unverändert fortgeführt werden.
"Die Banken haben einen Massekredit in Höhe von mehreren Millionen bewilligt, so dass die laufenden Baustellen der Gehrlicher Solar AG zur Errichtung von Solarparks in Europa, vorrangig in Rumänien, planmäßig fertig gestellt werden können", teilte Schartl weiter mit. Allein in Rumänien baut das Unternehmen fünf Projekte mit einem Volumen von mehr als elf Millionen Euro.

Noch besser aufstellen

Der bereits vor der Insolvenz begonnene Restrukturierungsprozess des Unternehmens wird nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters weiter umgesetzt, um die Gehrlicher Solar AG am Markt besser aufstellen zu können. Das Unternehmen habe das Potenzial, sich dauerhaft in der hart umkämpften Branche behaupten zu können. "Langfristig betrachtet, sind die weltweiten Zukunftsperspektiven der Photovoltaik sehr gut. Die sinkenden Gestehungskosten der letzten Jahre machen Solarstrom international zunehmend wettbewerbsfähiger im Vergleich zu herkömmlichen Energieformen", sagte Schartl.
Durch die Einführung von Strafzöllen auf chinesische Solarmodule und die daraus resultierende Verschlechterung der Marktbedingungen in Europa hatte sich die Gehrlicher Solar AG nicht mehr in der Lage gesehen, die Bedingungen des Kreditvertrages zu erfüllen und am 5. Juli Antrag auf Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht München gestellt. Der Eigenantrag des Unternehmens erfolgte als unmittelbare Reaktion auf die Ankündigung des Bankenkonsortiums, die Kredite fällig zu stellen.

Wenigstens Planungssicherheit

"Den Kompromiss im EU-Handelsstreit mit China beurteilen wir nur insofern als positiv, als er wenigstens wieder für eine gewisse Planungssicherheit im Markt sorgen wird. Grundsätzlich nützt der Deal allerdings niemandem, da er weiterhin Arbeitsplätze auf allen Ebenen der PV-Wertschöpfungskette gefährdet", sagte Richard von Hehn, Vorstandsmitglied der Gehrlicher Solar AG, der unter anderem den weltweiten Einkauf verantwortet und sich als Chief Operating Officer (COO) auf das europäische Geschäft konzentriert. Die politische Diskussion um Anti-Dumping-Strafzölle hatte monatelang für unnötige Verunsicherung in der Solarindustrie und vor allem bei Investoren gesorgt. ct