Glimpflich ausgegangen ist am Mittwoch in den Morgenstunden ein Gefahrgutunfall auf dem Betriebsgelände der Spedition Schenker in Creidlitz. Bei Verladearbeiten wurde ein Spezialcontainer mit Dillkrautöl beschädigt. Die Flüssigkeit, die wegen ihres niedrigen Flammpunktes leicht entzündlich ist, entwickelt auch giftige Dämpfe - deshalb wurde der Gefahrgutzug der Coburger Feuerwehr zur Unfallstelle gerufen. Zwei Mitarbeiter der Spedition klagten nach nach der Panne über Beschwerden und kamen vorsorglich ins Coburger Klinikum.


Beim Verladen angestochen

Schwerer verletzt wurden die zwei Mitarbeiter nach dem letzten Stand der Dinge nicht. Wie Thorsten Meffert, Leiter der Unternehmenskommunikation in der Schenker-Firmenzentrale, dem Tageblatt auf Anfrage erläuterte, gehören ärztliche Untersuchungen fest zum Alarmplan bei Unfällen mit Gefahrgütern. "Wir machen das vorsorglich immer", sagte der Unternehmenssprecher.
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei kam es gegen 4.20 Uhr zum Betriebsunfall, bei dem die Flüssigkeit auslief. Ein Einsatz der Feuerwehr war die Folge. Das rund 200 Liter fassende Fass mit dem Öl wurde offensichtlich beim Verladen mit einem Gabelstapler angestochen.


Gesamte Halle gesperrt

Obwohl die anwesenden Mitarbeiter den beschädigten Container sofort in eine Auffangwanne stellten und ein Bindemittel einsetzen, verteilten sich große Teile des Fass-Inhaltes in der Halle. Wie Stadtbrandrat Ingolf Stökl erklärte, wurde wurden deshalb die gesamte Halle sowie Teile des Firmengeländes zunächst abgesperrt.
Ein Betreten war nur mit Schutzausrüstung möglich. "Für die Bevölkerung im Umfeld des Firmengeländes bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr", sagte der Stadtbrandrat - die gleiche Formulierung verwendete auch die Polizei. Auch auf den Berufsverkehr auf den umliegenden Straßen hatte der Einsatz keinerlei Auswirkungen. Schon nach kurzer Zeit konnte Stökl Entwarnung geben, weil keine akute Explosionsgefahr bestand.
Der Umgang mit gefährlichen Stoffen ist bei großen Speditionen wie Schenker keine Seltenheit. Wie Thorsten Meffert erläuterte, werden die Mitarbeiter deshalb regelmäßig geschult und auf solche Unfälle vorbereitet.


Kein guter Zeitpunkt

Der Zeitpunkt des Missgeschicks, ergänzte der Unternehmenssprecher, war für Schenker alles andere als ideal: "Es ist nicht schön, wenn so ein Schaden just in der Hauptsaison entsteht." Insofern sei er froh, dass die Coburger Feuerwehr die Lage schnell unter Kontrolle hatte und die Halle bereits deutlich vor 10 Uhr wieder für den Speditionsbetrieb freigegeben werden konnte. pol/red



Der Stoff, der ausgelaufen ist




Sicherheitsdatenblatt Unternehmen, die mit Dillöl umgehen, können Wissenswertes über den Stoff aus einem Sicherheitsdatenblatt entnehmen. Dort ist die Substanz unter der CAS-Kennziffer 8006-75-5 gelistet.
Demnach handelt es sich um eine gelbliche Flüssigkeit. Der Flammpunkt der brennbaren Substanz liegt bei 53,3 Grad Celsius. Bei 189 Grad beginnt die Substanz zu sieden. Auch die Dämpfe können sich entzünden. Das Einatmen der Dämpfe ist zu vermeiden und kann zu Reizung der Atemwege führen. Die Substanz reizt die Haut und ist bei Kontakt sofort gründlich abzuwaschen. Bei Augenkontakt sieht das Datenblatt vor, mehrere Minuten lang gründlich mit Wasser zu spülen. Bei jedem Kontakt ist nach Erstmaßnahmen ein Arzt aufzusuchen.
Ausgelaufenes Dillöl darf nicht in ein Gewässer gelangen, weil die Flüssigkeit als stark wassergefährdend eingestuft ist.
Einsatzkräfte sollen bei der Beseitigung Schutzkleidung und Atemschutz tragen.
Dillöl ist als ätherisches Öl meist in Einheiten zu zehn Millilitern zu sehr unterschiedlichen Preisen erhältlich.