Die Erste Große Strafkammer am Landgericht Coburg fällte am Montag das Urteil: Drei Jahre und vier Monate Haft für den 33-jährigen Haupttäter, zwei Jahre und acht Monate für den 24-jährigen Mittäter.
In ihrem Plädoyer hob Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein hervor, dass brutale Schlägereien keine Coburger Besonderheit darstellten: "Immer wenn es Gelegenheiten gibt, wo der Alkohol reichlich fließt, gibt es Auseinandersetzungen mit körperlichen Tätlichkeiten." Dennoch oder gerade deshalb sei es Pflicht, die Auswirkungen entsprechend zu ahnden.

Tritte in Richtung Gesicht

Die beiden Männer hatten auf einen dritten eingetreten, nachdem dieser durch Faustschläge schon zu Boden gegangen war.
Einige Zeugen waren sich ganz sicher, dass beide Männer getreten hatten und dass es auch Tritte in Richtung Gesicht des wehrlosen Opfers gegeben hatte. "Da ist es egal, wer tritt. Man nimmt in Kauf und will auch, dass der andere Täter den am Boden liegenden Menschen misshandelt", erklärte Haderlein.
Das Opfer, ein 25-jähriger Mann habe schlimme, ja lebensbedrohliche Verletzungen erlitten. Ein Kiefertrümmerbruch musste in einer Spezialklinik mit einer Platte versorgt werden. Unter den Folgen leide das Opfer noch heute. "Mit ungeheurer Wucht", hätten die Täter zugetreten. "Wir alle haben die Bilder vom zermatschten Kiefer gesehen", verdeutlichte die Staatsanwältin ihre Ausführungen. DNA-Spuren und Zeugenaussagen sowie das Gutachten der Rechtsmedizin sprächen eindeutig für die Schuld der Täter. Einen Täter-Opfer-Ausgleich und eine der Beweissituation angepasste späte Einlassung des einen Täters wertete sie als "zurechtgepasst".
Für die Staatsanwaltschaft haben sich beide Täter der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlages schuldig gemacht. Haderlein forderte für den 33 Jahre alten Haupttäter vier Jahre und zwei Monate Haft und für den 24 Jahre alten Mittäter drei Jahre und sechs Monate.
Verteidiger Christian Barthelmes führte eine schicksalhafte Verkettung an, an deren Anfang eine Provokation stand, die zu dem tragischen Ausgang der Auseinandersetzung geführt habe. Wären nicht etliche scheinbar banale Dinge zusammengekommen, dann hätte sich sein Mandant, der 33-jährige Haupttäter, niemals zu solch einer Tat hinreißen lassen. Der Verteidiger blieb dabei, es sei nicht eindeutig bewiesen, dass sein Mandant tatsächlich gegen das Gesicht des Opfers getreten habe.
"Etliche Zeugen haben gesagt, dass sie keine Tritte gesehen haben. Und wir glauben hier auch einem Sachverständigen, der seine Ausführungen auf ein Lichtbild stützt", erklärte er. Sein Mandant habe sich zu seiner Tat bekannt, die Tritte habe er nicht ausgeführt. Einen Täter-Opfer-Ausgleich von 7000 Euro habe er bereits geleistet. Zudem sitze er bereits neun Monate in Untersuchungshaft und habe wirklich bereut.

Ausweisung droht

Barthelmes plädierte auf gefährliche Körperverletzung und eine Strafe auf unter zwei Jahren, um diese zur Bewährung aussetzen zu können. Andernfalls drohe seinem Mandanten, der zwar in Deutschland geboren aber türkischer Staatsbürger ist, sogar die Ausweisung.
Auch Albrecht von Imhoff, der Verteidiger des 24-jährigen Täters, verneinte die Tötungsabsicht seines Mandanten. "Es gab doch keinen Tatplan und er hat nicht getreten, er ist sogar freiwillig zur Polizei gegangen." Auch er plädierte auf gefährliche Körperverletzung und forderte ein Jahr auf Bewährung.
Erstaunlicherweise folgte auch Volker Albrecht, der Vertreter des Opfers, diesen Ausführungen. "Es gibt Punkte, die uns nicht von einem versuchten Totschlag ausgehen lassen können", betonte er. Es sei ein wirksamer Täter-Opfer-Ausgleich erfolgt. Beide Täter zeigten ernsthaft Reue. "Der Geschädigte hat nichts davon, wenn die Angeklagten weggesperrt werden. Dann ist der Ausgleich nämlich in Gefahr", so Albrecht. Er forderte Bewährungsstrafen von jeweils unter zwei Jahren.
Vorsitzender Richter Gerhard Amend mahnte zunächst Volker Albrecht: Seine Aufgabe sei es nicht nur, für materielle Wiedergutmachung zu sorgen, er habe sich auch gegen die Verharmlosung der schrecklichen Verletzungen, die seinem Mandanten beigebracht wurden, zur Wehr zu setzen. Diese Aufgabe habe er - Albrecht - wohl verkannt.
Für die Kammer stand ganz eindeutig fest, dass der Trümmerbruch am Kiefer nur durch Fußtritte beigebracht worden sein konnte - "ein Ausdruck brutaler Gewalthandlung", erklärte Amend. Auch hätten beide Männer die Attacke erst beendet, als Helfer sie weggezogen und sich schützend vor das Opfer gestellt hatten. "Seit der U-Bahn-Tritte in München ist bekannt, dass Tritte gegen den Kopf töten können", erklärte der Vorsitzende Richter.
Der 33-Jährige bleibt in Haft. Der 24 Jahre alte Täter muss seine im Moment außer Vollzug gesetzte Haft demnächst antreten.