Diskriminierung und Gewalt gegenüber den Juden in Deutschland hatte es schon vor 1933 gegeben, aber da bot der Verfassungsrahmen des Rechtsstaates noch einen gewissen Schutz. Mit der Machtübernahme der Nazis im Jahre 1933 stand der gewaltsamen Entrechtung nichts mehr im Wege, und sie erreichte in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ein bis dahin nie gekanntes Ausmaß.

Für die Gedenkveranstaltung des Netzwerkes "Lebendige Erinnerungskultur" war in diesem Jahr vorgesehen, an das jüdische Bürgertum als Träger von Kultur und Gesellschaft in der Stadt Coburg zu erinnern. Bei den Gedenkveranstaltungen der "Lebendigen Erinnerungskultur" zum 9. November waren unter Beteiligung von Vertretern der Stadt Coburg in den vergangenen Jahren oft mehr als 150 Teilnehmer anwesend. Dies ist aufgrund der Coronapandemie in diesem Jahr nicht nur von der Zielsetzung her verfehlt, sondern auch nicht verantwortbar, heißt es in einer Mitteilung. Das Netzwerk "Lebendige Erinnerungskultur" hat deshalb entschieden, die Veranstaltung durch eine andere Form des symbolischen Gedenkens zu ersetzen. Die differenzierte Darstellung von Lebensläufen wird auf das nächste Jahr verschoben.

Videoclip als Stadtführung

Geplant war, neben dem Leid, das diese Nacht für die Bürger jüdischen Glaubens brachte, auch des Verlustes zu gedenken, der in der Folge nicht nur sie betraf, sondern in anderer Weise auch diejenigen, die ihre Mitbürger aus ihren Geschäften und Häusern vertrieben. Anhand einiger herausragender Namen sollte der Beitrag gewürdigt werden, den Coburger Juden für das Umfeld erbrachten, in dem sie über Jahrzehnte hinweg friedlich und als anerkannte Bürger gelebt hatten, zum Beispiel der Freiherr von Rast, die Kaufmannsfamilie Moses Conitzer oder Ärzte wie Dr. Moritz Cramer und Dr. Erich Braun, der Gründers der Coburger Arbeiterwohlfahrt.

Am gestrigen 9. November wurde stattdessen ein symbolisch begangener Gedenkweg mit Videoclips und Informationen zu den oben genannten Personen und deren Stolpersteine über die Social-Media-Kanäle sowie auf den Webseiten des Evangelischen Bildungswerks Coburg (www.ebw-coburg.de), der Initiative Stadtmuseum (www.initiative-stadtmuseum-coburg.de) und des DGB Oberfranken (www.oberfranken.dgb.de) veröffentlicht und ist nun abrufbar, teilt die AG "Lebendige Erinnerungskultur" mit.